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Plakat zur 7. Frauensommer-Universität 3.-8. Oktober 1983

Die Sommeruniversitäten für Frauen (1976 – 1983)

Verfasst von
Lena Kühn
Die Sommeruniversitäten für Frauen, die von 1976–1983 in Berlin stattfanden, waren ein wichtiges Forum der neuen Frauenbewegung. Sie gaben den Frauen Raum, sich zu Themen auszutauschen, Wissen weiterzugeben und diverse – zum Teil auch kontroverse – feministische Perspektiven zu diskutieren.
Tommy steht vor dem Garten an der Meyerbeerstraße. Sie trägt einen hellen Trenchcoat, Fliege und eine Haartolle im Stil von Elvis Presley.

Rita ‚Tommy‘ Thomas

Verfasst von
Karl-Heinz Steinle (M.A.),
Die (Ost-)Berlinerin Rita Thomas nannte sich ‚Tommy‘ und lebte als ‚Bubi‘, Hundefriseurin, Gastgeberin und als Mitglied der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin (HIB). Tommys Fotosammlung im FFBIZ bietet Einblicke in lesbisches, schwules und trans* Leben in Ost- und West-Berlin seit 1945.

1923

Anita Augspurg beantragte gemeinsam mit Lida Gustava Heymann persönlich beim bayerischen Innenminister die Ausweisung des Österreichers Adolf Hitler wegen Volksverhetzung.
Anita Augspurg
Was verstehen wir unter dem Rechte der Frau? Nichts anderes als das Recht des Menschen überhaupt!

1914

Wegen Aufruf zur Kriegsdienstverweigerung wird gegen sie Anklage wegen ,Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit‘ erhoben. Sie wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Rosa Luxemburg
Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.
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Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke Band 4, S. 359, Anmerkung 3 Dietz Verlag Berlin (Ost), 1983.
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1873

Bereits in ihren ersten feministischen Texten fordert sie das Stimmrecht für Frauen.
Hedwig Dohm
Es giebt keine Freiheit der Männer, wenn es nicht eine Freiheit der Frauen giebt. Wenn eine Frau ihren Willen nicht zur Geltung bringen darf, warum soll es der Mann dürfen.
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Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage. Zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen. Wedekind & Schweiger, 1876. S. 172.
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1970er

Inspiriert die feministische Matriarchatsforschung, in dem sie die Darstellung auf prähistorischen Kunstwerken als Symbole des Wiedergeburtsglaubens im Zusammenhang mit der weiblichen Schöpfungskraft und dem Mondzyklus deutete.
Portrait Marie König
Es ist nichts schwieriger, als einen Irrtum zu korrigieren, wenn dieser einmal auf den Lehrstühlen und in den Schulbüchern Fuß gefasst hat.
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E.P.König: Frau Neandertaler hatte Kultur. In: Emma, August 1982, S. 54
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1880er

Unter dem Namen Anna O. steht Bertha Pappenheim für eine der wichtigsten Krankengeschichten des Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud.
Ich glaube nicht, dass Leute, die viele Bücher haben und gelesen haben, gescheiter sind als die Anderen, ich glaube nicht, dass sie besser sind, als die anderen.
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Konz, Britta: Bertha Pappenheim (1859-1936). Ein Leben für die jüdische Tradition und weibliche Emanzipation, Frankfurt a. M. 2005, S. 164.
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1893

In ihrem Aufsatz ‚Die moderne Frau’ erklärt sie die finanzielle Unabhängigkeit der Frau als Vorbedingung für ihre Freiheit und eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Männern und Frauen.
Klarer zeigt sich doch vielleicht nirgends die ganze Brutalität menschlicher Zustände als auf dem sexuellen Gebiet.
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Helene Stöcker: Die Liebe und die Frauen, 1906
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1980er

In Analogie zu ‚Afro-American‘ entwickelte sie im Austausch mit anderen Schwarzen deutschen Frauen die Selbstbenennung ‚Afrodeutsch‘.
May Ayim
rassismus bleibt/bleiches gesicht einer krankheit/die uns heimlich und öffentlich auffrißt
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May Ayim, Soul Sister, 1992 In: May Ayim (1995): Blues in Schwarz Weiss, S. 57
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1895

Gründung der Zeitschrift ,Die Frauenbewegung‘ als Sprachrohr des radikalen Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung
Die Frauenbewegung hat es mit großen Zielen zu tun. Kleine und kleinliche Interessenpolitik treibt unsere Männerwelt heutzutage genug.

1848

Forderung an die sächsische Regierung, bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht zu vergessen u. anschließend persönliche Gespräche mit den Ministern
Louise Otto-Peters
Die Geschichte aller Zeiten hat es gelehrt und die heutige ganz besonders, daß Diejenigen, welche selbst an ihre Rechte zu denken vergessen, auch vergessen wurden.

1949

Sie ist an der Ausarbeitung eines neuen Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland beteiligt. Ihrem Einsatz ist die Aufnahme der Formulierung „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Art. 3 Abs. 2) zu verdanken.
Elisabeth Selbert
Ich hatte nicht geglaubt, daß 1948/49 noch über die Gleichberechtigung überhaupt diskutiert werden müßte und ganz erheblicher Widerstand zu überwinden war!
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Auszüge aus Tonbandprotokollen mit Elisabeth Selbert, in: Barbara Böttger: das Recht auf Gleichheit und Differenz. Elisabeth Selber tun der Kampf der Frauen um Art. 3 II Grundgesetz, Münster 1990, S. 166.
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1892 - 1896

Herausgeberin der Zeitschrift ‚Die Gleichheit‘
Portrait von Emma Ihrer, den Kopf seitlich nach links geneigt
Auch das weibliche Proletariat will und wird zeigen, daß es keiner Protektionen der bürgerlichen Gesellschaft bedarf zu seiner Befreiung, sondern nur der auch ihm zukommenden gleichen Menschenrechte.
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Ihrer, Emma: Die Organisation der Arbeiterinnen, Berlin 1893, S. 8.
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1908

Wahl in den Parteivorstand der SPD als erste Frau, die in Deutschland in einen Parteivorstand gewählt wurde.
Portraitaufnahme von Luise Zietz
Alle, die ihr schafft und euch mühet im Dienste anderer, seid einig!
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Zietz, Luise: Warum sind wir arm?, Berlin 1914, S. 3.
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Hält als erste weibliche Referentin den Vortrag „Englands Frauen im öffentlichen Leben“ im Berliner Handwerkerverein.
Portrait Jeanette Schwerin
Damen mag das schaden, Frauen ist es gesund, dann sie erstarken in der Atmosphäre gemeinnütziger Tätigkeit, die für Frauen zu den selbstverständlichen Dingen des Lebens gehört.
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Schwerin, Jeanette: Dame oder Frau?, in: Die Frauenbewegung, 2. Jg., Jun 1896, Heft11, S. 108.
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1896

Organisatorin des Internationalen Kongresses für Frauenwerke und Frauenbestrebungen in Berlin (mit Minna Cauer und anderen)
Lina Morgenstern
… wir Frauen verlangen nicht Gnade, sondern Gerechtigkeit. Wo Ungerechtigkeit gegen die eine Hälfte des Geschlechtes herrscht, giebt es überhaupt keine Gerechtigkeit.
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Morgenstern, Lina: Ein offenes Wort über das medizinische Studium der Frauen an Herrn Prof. Dr. W. Waldeyer. Berlin, 1888, S. 21
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1989 - 1990

Vertreterin des Unabhängigen Frauenverbandes der DDR am Zentralen Runden Tisch
Portrait von Ina Merkel mit verschränkten Armen
Der Umbruch der DDR-Gesellschaft wurde von den Massen auf der Straße eingeleitet. [...] Aber bei der Ausarbeitung zukünftiger Gesellschaftsstrategien [...] bleiben Frauen schon wieder außen vor.
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Merkel, Ina: Ohne Frauen ist kein Staat zu machen. Einige Frauen-Fragen an ein alternatives Gesellschaftskonzept oder: Manifest für eine autonome Frauenbewegung. Dezember 1989 (Hektographie); RHG/UFV/01.
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Marinka Körzendörfer und zehn weitere Mitglieder der Gruppe "Lesben in der Kirche" werden von der Polizei an der Teilnahme an einer Feier anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück gehindert. Sie werden festgehalten und verhört.
Porträtaufnahme von Marinka Körzendörfer während eines Interviews im FFBIZ
Uns blieb nichts anderes übrig, als uns als Oppsition zu begreifen.
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Körzendörfer, Marinka, in: Arbeitskreis "Lesben in der Kirche" in: Karstädt, Christina / Zitzewitz, Anette von (Hg.): ...viel zuviel verschwiegen - Eine historische Dokumentation von Lebensgeschichten lesbischer Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1996, S. 155-186, hier: S. 164.
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1919

Eine der ersten Autor*innen im deutschsprachigen Raum, die Frauenliebe in der Trilogie ‚Der Skorpion‘ positiv thematisiert hat.
Anna Elisabet Weirauch
Und wie aus Freundinnen Geliebte werden, das hat die so sehr begabte Verfasserin mit unendlicher Feinheit und großer Klarheit zugleich geschildert.
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Quelle
Fischer, Karl: Anna Elisabet Weirauch, „Der Skorpion“, in: Berliner Tageblatt und Handelszeitung, 48. Jg., 27.8.1919.
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1951

Mitgründerin der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung
Portrait von Ingeborg Küster, die ein aufgeschlagenes Fotoalbum in den Händen hält
Menschenrechte und Menschenwürde werden täglich im Namen von Freiheit und Demokratie mit Füßen getreten. Ich mache da nicht mit. Ich werde ungehorsam und wenn es sein muss unangenehm.
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Quelle
AddF, NL-P-27 ; 5-5, Transkript von Kassette 3, 00:20:02-5, März 1952, S. 21.
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1929

Lotte Hahm eröffnet eine Versammlung, die die Gründung einer Transvestitengruppe beschließt
Lotte Hahm, in Liebende Frauen 2(1927)49
Die Frauenorganisation muß, wenn sie wirklich ernst genommen werden und im Kampf etwas leisten will, auf ähnlicher Grundlage wie der BfM [Bund für Menschenrecht]aufgebaut werden.
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Quelle
zitiert nach Katharina Vogel, „Zum Selbstverständnis lesbischer Frauen in der Weimarer Republik: Eine Analyse der Zeitschrift Die Freundin 1924-1933,” 1992, S. 116 [1984], [BfM: Bund für Menschenrecht]
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1899

Eröffnung des ersten Jahreskurses der Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit, Beginn der systematischen Ausbildung für die soziale Arbeit in Deutschland
Alice Salomon
Ich konnte nicht länger daran zweifeln, daß all die Reformen, die wir erreicht hatten, zunichte gemacht würden, wenn nicht Frauen als Leiterinnen in die verschiedenen Zweige des öffentlichen Dienstes berufen würden.
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Quelle
Salomon, Alice: Charakter ist Schicksal. Lebenserinnerungen., Weinheim/Basel 1983, S. 214.
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Akteurinnen der Frauenbewegung

Keine Frauenbewegung ohne fein gesponnene Netzwerke. Die Basis einer frauenbewegten Vernetzung- und Bündnispolitik bildeten oft die bereits vorhandenen informellen Beziehungen, Freundschaften und Kontakte zwischen Frauen. Daher richtet das DDF-Portal ein besonderes Augenmerk auf die persönlichen Verflechtungen der einzelnen Akteurinnen.

Hierzu wurde ein Akteurinnen-Netzwerk entwickelt – ein Instrumentarium, mit dessen Anwendung sich die vielfältigen Verbindungen der Frauen untereinander visualisieren und nachvollziehen lassen.

Die Frauenbewegungen seit 1800 in Deutschland agierten nicht nur auf lokaler Ebene und innerhalb nationaler Grenzen. Sie waren auch von Beginn an internationale Bewegungen. Auch im 19. Jahrhundert waren Frauen trotz aller Hindernisse reiselustig und nahmen an internationalen Frauenkongressen in den USA und Europa teil und organisierten sich in länderübergreifenden Frauenverbänden. Die Entstehung und Entwicklung persönlicher und organisatorischer Verflechtungen werden anhand verschiedener Beispiele und Quellen aus den Beständen der i.d.a.-Einrichtungen auf dem DDF-Portal veranschaulicht.

Zu den Akteurinnen