Rosa Luxemburg
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Deutsches Historisches Museum, F 52/2554
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Rosa Luxemburg Geboren am in Zamosc/Polen Gestorben am in Berlin

Über Rosa Luxemburg

"Her mit dem Frauenwahlrecht" forderte Rosa Luxemburg schon 1912 beim II. sozialdemokratischen Frauentag. Bis heute inspiriert und polarisiert die promovierte Staats-und Wirtschaftswissenschaftlerin, mitreissende Rednerin und Journalistin Rosa Luxemburg. Als Vertreterin des linken Flügels der Sozialdemokratie und Mitbegründerin der KPD agitierte sie für eine internationale Arbeiterbewegung und gegen den Krieg.

Als die promovierte Volkswirtin Rosa Luxemburg 1898 nach Berlin kommt, beginnt eine einzigartige Karriere in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. Ungewöhnlich, denn als Frau, Jüdin und leicht behindert, war sie dreifach stigmatisiert. Sie ist klug, gebildet, leidenschaftlich, eine glänzende Rednerin und brillante Journalistin. Sogleich wird ihr die Redaktion der Sächsischen Zeitung angetragen. „Was denn! Unterrockpolitik!“ wird damals protestiert. Sie nimmt an den Parteitagen der SPD teil und bestimmt die Politik der Sozialdemokraten in Polen, ist Delegierte bei den Kongressen der II. Internationale und ab 1903 Mitglied des Internationalen Sozialistischen Büros. Sie lehrt an der Parteischule der SPD in Berlin, unternimmt Redetourneen durch Deutschland und spricht nicht selten vor ein- bis zweitausend Menschen. „Genial“ und die „Göttliche“ wird sie genannt, und für Lenin ist sie der „Adler der Revolution“.

Als führende Theoretikerin der jungen Generation setzt sie sich in ihren Schriften erbittert mit dem beginnenden Reformismus in der Sozialdemokratie auseinander. Mit ihrer bedingungslosen Haltung zum Krieg und zu den Kriegskrediten provoziert sie 1914, zusammen mit Liebknecht, Mehring, Zetkin u. a. die Spaltung der SPD. Wegen ihrer Aufrufe zur Befehlsverweigerung wird sie ab 1914 die meiste Zeit im Gefängnis verbringen. In ihren in der Haft verfassten Schriften begrüßt sie die Oktoberrevolution, warnt aber vor einer Diktatur der Bolschewiki mit dem berühmten Satz „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“.

Im November 1918, gerade aus dem Gefängnis entlassen, erlebt sie in Berlin die Ausrufung der Räterepublik. Am 1. Januar 1919 ist sie beim Gründungsparteitag der KPD dabei, deren erstes Programm aus ihrer Feder stammt. Am 5. Januar beginnt der „Spartakusaufstand“ – nach einer Woche von der Reichswehr blutig niedergeschlagen. Luxemburg hatte vor der verfrühten Durchführung eines Aufstandsversuchs gewarnt. Trotzig schreibt sie am 14. Januar 1919 über die Revolution: „Ich war, ich bin, ich werde sein“. Einen Tag später ist sie tot, zusammen mit Karl Liebknecht von deutschen Soldaten ermordet. Ihre Leiche wird in den Berliner Landwehrkanal geworfen und erst Monate später aufgefunden. „Es stimmt, ich habe verdammte Lust, glücklich zu sein ...“, schrieb sie einmal an Leo Jogiches. Die Beziehung zu ihm scheiterte, ebenso die zu dem 14 Jahre jüngeren Kostja Zetkin und zu Paul Levi. Privates Glück war ihr, die Oper, Theater, Musik, Literatur, Natur, die FreundInnen mit der gleichen Leidenschaft liebte wie die Revolution, nicht vergönnt.

Autor*in
Susanne Gretter / fembio.org

Dieser Text erschien zunächst auf fembio.org: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/rosa-luxemburg/

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Zitate von Rosa Luxemburg

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der "Gerechtigkeit", sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die "Freiheit" zum Privilegium wird.
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Rosa Luxemburg: Die russische Revolution. In: Politische Schriften, Bd.3, Frankfurt/Main, 1968, S.106-141
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Ich bin unzufrieden mit der Art und Weise, wie man in der Partei meist die Artikel schreibt. Es ist alles so konventionell. so hölzern, so schablonenhaft.
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Rosa Luxemburg an Mathilde und Robert Seidel, Zürich, am 23. Juni 1898
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…Revolutionen kennen keine Halbheiten, keine Kompromisse, kein Schleichen und sich Ducken. Revolutionen brauchen offene Visiere, klare Prinzipien, entschlossene Herzen…
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„Rote Fahne“ vom 29.Dezember 1918
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Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt; innerlich fühle ich mich in so einem Stückchen Garten wie hier (..) viel mehr in meiner Heimat als - auf einem Parteitag.
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Brief an Sophie Liebknecht aus der Festung Wronke 1917
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Biografie von Rosa Luxemburg

05.03.1871

Geburt in Zamosc/Polen

1880

Nach der Übersiedlung der Familie nach Warschau besucht sie das Zweite Warschauer Mädchengymnasium.
Schon als Schülerin engagiert sie sich in illegalen politischen Zirkeln.

1890

Immatrikulation an der Philosophischen Fakultät der Züricher Universität.
In den folgenden Semestern besucht sie Seminare zur Staatswissenschaft, zur mittelalterlichen Geschichte sowie zur Geschichte der Wirtschafts- und Börsenkrisen.

1893

Unterbrechung des Studiums wegen politischer Aktivitäten wie der Gründung der polnischen sozialdemokratischen Zeitschrift "Sache der Arbeiter" in Paris.

1897

Promotion in Zürich zum Thema "Die industrielle Entwicklung Polens".

1898-1903

Scheinehe mit dem deutschen Staatsbürger Gustav Lübeck. Durch die Heirat erhält sie die deutsche Staatsbürgerschaft, die ihr die Mitarbeit in der deutschen Arbeiterbewegung ermöglicht.

1900

Durch ihre Broschüre "Sozialreform oder Revolution?" greift sie in die "Revisionismusdebatte" ein. Sie verteidigt den revolutionären Standpunkt gegen den revisionistischen Eduard Bernsteins und fordert den Ausschluß der "Reformisten" aus der Partei.
In Zeitungsartikeln nimmt Luxemburg zu wirtschaftlichen und sozialpolitischen Problemen in Rußland, Österreich-Ungarn, Belgien, England, Frankreich und Deutschland Stellung. Immer wieder greift sie den deutschen Militarismus und Imperialismus an.

1904

Januar: Sie wird wegen Majestätsbeleidigung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

1913

Bei einer Kundgebung in Frankfurt/Main ruft Luxemburg zur Kriegsdienstverweigerung auf.

1914

Wegen dieses Aufrufs wird gegen sie Anklage wegen "Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit" erhoben. Sie wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

1915

Februar: Das Gerichtsurteil des vorangegangenen Jahres wird vollstreckt: Luxemburg wird im Frauengefängnis in Berlin inhaftiert.

1918

In Breslau aus der Haft entlassen, fährt Luxemburg nach Berlin und arbeitet als Redakteurin bei der "Roten Fahne", der Zeitung des Spartakusbunds.

1918/1919

30. Dezember - 1. Januar: Beteiligung an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Luxemburg steht auf der Seite derer, die eine Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung fordern, aber von der Mehrheit überstimmt werden.

1919

Bei den Januarunruhen muß sie wegen Verhaftungsgefahr ständig ihre Wohnung wechseln, weigert sich aber, Berlin zu verlassen.

15.01.1919

Tod in Berlin

15. Januar: Gemeinsam mit Karl Liebknecht wird sie von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision verschleppt. Sie werden im Eden-Hotel verhört und mißhandelt. Beim Abtransport wird Rosa Luxemburg von ihren Bewachern ermordet. Ihre Leiche wird in den Landwehrkanal geworfen.

Ausgewählte Publikationen
Roland-Holst, Henriette: Rosa Luxemburg. Ihr Leben und Wirken, Zürich 1937.
Wilde, Harry: Rosa Luxemburg. Ich war - ich bin - ich werde sein. Eine Biographie mit Auszügen aus Rosa Luxemburgs Reden und Schriften, Wien 1970.
Laschitza, Annelies: Rosa Luxemburg. Ihr Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung, Berlin 1971.
Hochdorf, Max: Rosa Luxemburg. Das Leben einer Revolutionärin, Berlin 1930.
Schmidt, Giselher: Rosa Luxemburg. Sozialistin zwischen Ost und West, Göttingen 1988.
Luxemburg, Rosa: Rosa Luxemburg. Briefe aus dem Gefängnis, Weimar 1946.
Luxemburg, Rosa: Rosa Luxemburg. Briefe an Karl und Luise Kautsky (1896 - 1918). 11.-20. Tsd., Berlin 1923.
Luxemburg, Rosa: Die Akkumulation des Kapitals, Berlin 1923.
Luxemburg, Rosa: Rosa Luxemburg. Ein Leben für die Freiheit. Reden - Schriften - Briefe. Ein Lesebuch, Frankfurt a. M. 1980.
Wittich, Evelin (Hg.): Rosa Luxemburg. Herbarium. Berlin 2016