Frauen in MINT-Berufen – selbstbewusst und engagiert

veröffentlicht 03. Mai 2021

Nicht immer muss sich aufwändig auf die Suche nach Materialien zur Frauengeschichte gemacht werden. Manchmal kommen sie ganz von allein ins Archiv, wie in Bremen bei belladonna – Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen e.V. (belladonna). So wandten sich die sogenannten MINT-Mütter1 an belladonna, um ihr umfangreiches Material in ein Archiv zu geben und für die Nachwelt dauerhaft zu sichern. Seit über 30 Jahren sammeln sie sämtliche Dokumente über ihr Engagement zur Förderung und Sichtbarmachung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik. Die Materialien sind sehr gut dokumentiert und erhalten. Initiiert wurde die Übergabe durch Margarete Pauls und Birgit Zich.

Blogbeitrag belladonna
Rebecca Gefken / belladonna – Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen e.V.
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Gesche Valentin (links) im Gespräch mit Birgit Zich (rechts), selbst Elektroingenieurin und eine der ersten vernetzten MINT-Mütter, über die mitgebrachten Archivmaterialien.

Die Wurzeln des Arbeitskreises der MINT-Mütter liegen in den 1970er Jahren in Westdeutschland. Damals lag der Anteil an Studentinnen in den sogenannten MINT-Fächern bei einem Prozent. 1976 organisierten die Kommilitoninnen Margarete Pauls und Christiane Erlemann in Aachen das erste Vernetzungstreffen Frauen in Naturwissenschaften und Technik (FiNuT). Empowert durch die Frauenbewegung waren beide nicht mehr bereit, die diskriminierenden Strukturen hinzunehmen. Auch an anderen Orten der BRD organisierten sich solche Gruppen und Bewegungen, wie die der feministischen MINT-Studentinnen und -Absolventinnen. 

Ein revolutionärer Akt war 1988 der Messestand „Frau+Technik“ auf der männerdominierten Hannover Messe. Medial begleitet hat der Stand einen gesellschaftspolitischen Diskurs angestoßen, auch durch den Besuch des damals amtierenden Bundeskanzlers Helmut Kohl und der Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und späteren Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth. Zwei weitere Messestände folgten in den Jahren 1989 und 1990. Daraus ist der Arbeitskreis der MINT-Mütter entstanden. Initiativen wie „Komm, mach MINT“, „Klischeefrei“ oder „Mädchen-Technik-Tage“, dem heutigen Girls‘ Day, gehen auf ihr Engagement zurück. Außerdem nahmen sie Kontakt zu Kolleginnen in der ehemaligen DDR auf, um sich auch mit diesen zu vernetzen. Ab 1991 kam es zu ersten Treffen. Laut Birgit Zich brach der Kontakt jedoch an vielen Stellen bald wieder ab, weil viele Frauen im Osten auch in diesem Bereich arbeitslos wurden. 

belladonna ist 1986 von Frauen für Frauen gegründet worden. Einzigartig in Deutschland ist die Kombination von Kultur, Bildung, Wirtschaft und Archiv. Das Bremer Frauenarchiv und Dokumentationszentrum gehörte von Anfang an dazu. Die Bestände sind bedeutsam für die kulturelle, regionale und überregionale Überlieferung der Zweiten Deutschen Frauenbewegung. 

Das DDF-Projekt von belladonna ist am 1. Januar 2021 gestartet und hat eine Laufzeit von 12 Monaten. Dabei werden die Materialien der MINT-Mütter erfasst, digitalisiert und in den META-Katalog integriert. Es werden Rechte geklärt, Interviews mit den MINT-Müttern geführt und Essays dazu verfasst. Außerdem ist eine Abschlussveranstaltung in Form eines Generationenaustausches geplant – für mehr Frauenbewegungsgeschichte im DDF.

Ausgewählte Beiträge von belladonna im DDF:

Stand: 03. Mai 2021
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Fußnoten

  • 1. Die Abkürzung MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Die Bezeichnung als MINT-Mütter ist selbstgewählt und sie weisen damit nicht auf einen Mutterstatus, sondern ihre Rolle als Pionierinnen in diesem Bereich hin.

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