Jubiläen der feministischen Erinnerungsarbeit

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1983 treffen sich erstmals feministische Erinnerungseinrichtungen in Bielefeld. Im darauffolgenden Jahr findet ein weiteres Treffen in Hamburg statt. Dort schließen sich Akteur*innen zu einem Arbeitskreis Frauenarchive und -bibliotheken zusammen – und bilden damit den Auftakt für die jährlichen, teils legendären Frauenarchivetreffen, die bis heute stattfinden. Es wird sich getroffen, um feministische Themen zum Beispiel in die Hochschulen zu tragen und sich zu vernetzen. 

Schon früh ist den Akteur*innen klar, dass sie nur gemeinsam ihre Ziele erreichen können. So organisieren sie eine gemeinsame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Rahmen entsteht ein erstes gemeinsames Plakat im Jahr 1988, das – wie könnte es anders sein – in Design und Inhalt basisdemokratisch entwickelt wird. Darauf sind alle Einrichtungen mit ihren Öffnungszeiten genannt. 

Das Plakat „Frauen lesen über Frauen“ unterstreicht die Notwendigkeit eines Frauenarchivs

Im selben Jahr wird zudem der Tag der Frauenarchive am 11. Mai ins Leben gerufen und von den Einrichtungen erstmals begangen. Ganz bewusst feministisch wird hierfür der Geburtstag der jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer (1901–1988) gewählt. Bis heute wird dieser besondere Tag mit gemeinschaftlichen Aktionen des i.d.a.-Dachverbandes, unter anderem über Social Media, begangen. 

Weiterhin wird schon in den 1980er-Jahren eine gemeinsame Anlaufstelle – wie das heutige DDF – und eine gemeinsame Verschlagwortung aller Einrichtungen angedacht. In den 1990er-Jahren gibt es auch erste Treffen mit Akteur*innen aus der ehemaligen DDR. 1994 wird dann der i.d.a.-Dachverband ins Leben gerufen – i.d.a. steht dabei für informieren, dokumentieren, archivieren und bildet die Initialen des Dachverbands der deutschsprachigen Lesben- und Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen. 

Die Einrichtungen professionalisieren sich in dieser Zeit weiter und kämpfen für einen gemeinsamen Verbundkatalog, der mit dem META-Katalog schließlich realisiert und bis heute stets weiterentwickelt wird. Mit dem Onlinegang des DDF wird auch die Idee einer gemeinsamen Plattform umgesetzt. 

Feministisch Bewegungsgeschichte sichtbar machen

40 Jahre Frauenarchivetreffen und 30 Jahre i.d.a.-Dachverband sind für den Verband wichtige Jubiläen. Gegen das Vergessen macht belladonna deshalb mit dem aktuellen DDF-Projekt diese feministische Geschichte sichtbar. Dabei wird auf die eigenen Sammlungen zurückgegriffen, unter anderem bestehend aus dem Fotobestand von Maren Bock. Sie ist Gründerin von belladonna, seit April 1986 bei den Tagungen dabei und dokumentiert seitdem alles mit der Kamera.

Inzwischen sind um die 1.000 Bilder und Dias zusammengekommen, die die bewegte Geschichte der Tagungen und des Dachverbands erzählen. Auch aus den anderen i.d.a.-Einrichtungen kommen ergänzende Materialien und Leihgaben zu dieser Geschichte, wie zum Beispiel die Protokolle vom ersten Frauenarchivetreffen 1983. Diese Schlüsseldokumente können ebenfalls digitalisiert werden. Außerdem werden Zeitzeug*inneninterviews geführt.

Blick ins belladonna Archiv
Quelle
belladonna_e.v.
Rechteangabe
Blick ins belladonna Archiv mit den Materialien zum DDF-Projekt „Gemeinsam dem Vergessen entgegen 40 Jahre Vernetzung der deutschsprachigen Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und Dokumentationsstellen“

belladonna hat sich 1986 aus der autonomen Lesben- und Frauenbewegung in Bremen gegründet. Das Bremer Frauenarchiv und Dokumentationszentrum hat sich zur Aufgabe gemacht Geschichte, Wissen von Aktivismus und Widerstände (queerer) lesbisch_feministischer Bewegung(en) regional und überregional sichtbar zu machen.

Das DDF-Projekt von belladonna ist am 1. Januar 2023 gestartet und hat eine Laufzeit von 12 Monaten. Materialien werden erfasst, digitalisiert und Rechte werden geklärt. Außerdem entstehen ein Essay, ein Booklet und es fand eine Veranstaltung statt   – für mehr Geschichte über die Lesben-/Frauenarchiven Bibliotheken und Dokumentationsstellen im DDF.

Ausgewählte Beiträge von belladonna im DDF:

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