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§ 218, Sommerunis und queeres Leben in der DDR

veröffentlicht 16. Juli 2021
In seinem aktuellen DDF-Projekt wirft das FFBIZ einen breiten Blick auf sechs Jahrzehnte feministische Geschichte. Nachlässe, Interviews und Sammlungen erzählen von klassisch feministischen und lesbisch-queeren Perspektiven aus Ost und West.
Schlagworte
  • Feminismus
  • Frauenbewegung
  • Gesundheit
  • Queer
  • Lesben

Spannende Einblicke in die feministische Geschichte aus Ost und West eröffnen die vielfältigen Bestände des FFBIZ. Vor-, Nachlässe und Sammlungen von Akteur*innen aus Ost und West eröffnen sechs Jahrzehnte Geschichte, wie der fotografische Nachlass der in Berlin-Weißensee geborenen Rita Thomas (1931–2019). 

Tommy und ihre Partnerin Helli, die sitzen und sich umarmen. Hinter ihnen hängt ein Bild mit einem gemalten Pudel.
Quelle
FFBIZ - das feministische Archiv e.V.
Tommy (re.) und ihre Partnerin Helli im Garten an der Oderbruchkippe, Landsberger Allee, 1967.
Tommy – wie sie sich seit ihrem 15. Lebensjahr nannte – war früh klar, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlte. Die ausgebildete Tierfriseurin arbeitete in einem Hundesalon in Berlin-Friedrichshain und dressierte Hunde für Theater und Film. Privat organisierte sie seit den 1960er Jahren in ihrer Wohnung, ebenso im Berliner Friedrichshain, einen Treffpunkt für homosexuelle Frauen und Männer. 1973 war sie eine der Gründer*innen der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin (HIB) und später auch an der Entstehung des Sonntagsclubs beteiligt. All ihre Lebensstationen hielt sie mit der Kamera fest und dokumentierte damit über drei Jahrzehnte queeren Alltag in der DDR. Im Rahmen der diesjährigen DDF-Projektförderung werden diese Fotos nun teilweise digitalisiert.

Einen vertiefenden Einblick in die Geschichte der Sommeruniversitäten für Frauen bietet der Nachlass von Annemarie Tröger, eine der Initiatorinnen der Gruppe Berliner Dozentinnen, die 1976 die erste Sommeruni der Frauen an der Freien Universität in Berlin plante. Die Unterlagen zur Organisation dieser Sommeruni werden im Projekt digitalisiert und in einem dazu entstehenden Essay vorgestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes ist die Frauengesundheitsbewegung seit den 1970er Jahren. Es werden sowohl Materialien digitalisiert als auch Zeitzeug*innen-Interviews geführt, wie zum Beispiel mit Ulrike Busch, Mitbegründerin des Familienzentrums Berlin. Zu DDR-Zeiten arbeitete sie an der Akademie für ärztliche Fortbildung. Berrin Önler-Sayan vertritt eine westdeutsche Perspektive zum Thema. In den 1980er Jahren arbeitete sie für pro familia und bot später über viele Jahre für das Familienplanungszentrum balance mobile Beratungsarbeit für Geflüchtete an. Außerdem zeigt die im Rahmen des Projektes erschlossene Sammlung von Christiane Frühauf, wie in der DDR Frauengesundheitsthemen verhandelt wurden.

Das FFBIZ – das feministische Archiv wurde 1978 in Berlin gegründet und gehört zu den größten Archiven seiner Art im deutschsprachigen Raum mit den Sammlungsschwerpunkten Feminismus, internationale Frauenbewegung und Geschlechtergeschichte.

Für mehr queer-feministische Frauenbewegungsgeschichte im DDF ist das DDF-Projekt vom FFBIZ am 1. Januar 2021 gestartet und hat eine Laufzeit von 12 Monaten. Dabei werden Materialien erfasst, digitalisiert und Rechte geklärt. Es entstehen Essays, Interviews werden zusammengestellt und Veranstaltungen geplant, wie zum Beispiel für September 2021 ein Podium zu aktuellen Strategien und Bündnissen rum uns das Thema Schwangerschaftsabbruch. 


Ausgewählte Beiträge vom FFBIZ im DDF:

  • FFBIZ – das feministische Archiv
  • Erstes Frauenhaus Berlin (1976-2001)
  • Plenum Ostberliner Frauenprojekte (POP)
  • Hydra e.V. – Treffpunkt und Beratung für Prostituierte
Stand: 16. Juli 2021
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