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Geschichte(n) des Widerstands

verfasst von
  • Cäcilia Maag
veröffentlicht 27. November 2023
Kaum dokumentiert ist das lokale bewegungsgeschichtliche Erbe feministisch-migrantischer Initiativen: Im Rahmen des aktuellen DDF-Digitalisierungsprojektes widmet sich das FrauenStadtArchiv Hamburg der Geschichte und den Akteurinnen des Migrantinnen Bund Hamburg.
Schlagworte
  • Feminismus
  • Frauenbewegung
  • Selbsthilfe
  • Selbstermächtigung
  • Diskriminierung
  • Rassismus
  • Marginalisierung

Zahlreiche selbstorganisierte Bündnisse zeigen auch heute: Migrant*innen und migrantisierte Frauen treten für ihre Rechte ein, prangern Missstände an und leisten aktiven Widerstand gegen herrschende Verhältnisse. Doch die Öffentlichkeit nimmt davon kaum Kenntnis. Migrantinnen, ihre Töchter und Enkelinnen werden selten als handelnde Subjekte wahrgenommen und ihre Geschichte ist noch fragmentarischer dokumentiert als die nicht migrantische Frauen*geschichte in Deutschland. 

Mit dem Migrantinnen Bund Hamburg e. V. (GKB Hamburg) will das FrauenStadtArchiv Hamburg (FSA) in seinem aktuellen DDF-Projekt einen Beitrag leisten, den Stimmenkanon der feministischen Bewegungen zugunsten eines multiperspektivischen (Erinnerungs-) Diskurses zu erweitern.

Zeitschrift Kadin des Bundesverbandes der Migrantinnen in Deutschland
Foto: Cäcilia Maag
Lizenz
CC BY-SA 4.0
Rechteangabe
  • Foto: Cäcilia Maag
  • CC BY-SA 4.0
Collage der Vereinszeitschrift „Kadin“ des Bundesverbandes der Migrantinnen e. V. in Deutschland. Die Publikation ist Bestandteil des DDF-Projektes vom FSA Hamburg. Der Migrantinnen Bund Hamburg e. V. ist zudem die dortige Ortsgruppe des Bundesverbandes der Migrantinnen e. V.

Der Migrantinnen Bund Hamburg e. V. als Mitgliedsverband im Landesfrauenrat Hamburg e.V.

Dem Migrantinnen Bund Hamburg e. V. kommt als Mitgliedsverband des Landesfrauenrats Hamburg e. V. (LFR) eine besondere Rolle zu. Der im Jahr 2010 als Ortsgruppe des Bundesverbands der Migrantinnen in Deutschland e. V. (Göçmen Kadınlar Birliği, kurz: GKB) um die Hamburgerinnen Songül Canpolat, Meral Kılınç, İlknur Nergiz, Yeter Özbolat, Şennur Taner, Gülbahar Yeşilyurt und Sultan Yeşilyurt gegründete Verein hat das Ziel, migrantischen Frauen einen sicheren Raum zu geben, ihren Anliegen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen und Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren. Die ausschließlich ehrenamtlich getragenen Themen und Aktivitäten des GKB sind breit gefächert und reichen vom Engagement für reproduktive Rechte, gegen Altersarmut von Frauen und dem Pflegenotstand bis hin zu Fahrradkursen für geflüchtete Frauen, Bildungsreisen und Schreibwerkstätten. Dabei setzt das politische Selbstverständnis des GKB auf einen gemeinsamen Kampf aller Frauen für soziale und Geschlechtergerechtigkeit.

Im Jahr 2018 beantragt der GKB Hamburg die Mitgliedschaft im LFR, dem durch die Mitgliederversammlung am 4. Februar 2019 einstimmig nachgegeben wird. Zwar bringen auch andere Vereine eine migrantische und transnationale Perspektive mit, so zum Beispiel der American Women’s Club of Hamburg e. V. oder der ehemalige Mitgliedsverband Anglo-German International Women’s Association e. V., sind jedoch wegen ihres Weißseins nicht von Rassismus und somit nicht in gleichem Ausmaß von Exklusion und Diskriminierung betroffen. Im Unterschied dazu berichten die Frauen des GKB aufgrund ihrer (von Externen teils nur angenommenen) Migrationsgeschichte von struktureller, institutioneller und alltäglicher Diskriminierung und Stigmatisierung. Hinzu kommt, dass der Großteil der im Dachverband des LFR organisierten frauenbewegten Vereine dem bürgerlichen Spektrum angehört. Dahingegen steht der GKB Hamburg in der Tradition türkischer und kurdischer Selbstorganisation von Arbeiter*innen in Deutschland. Viele der engagierten Hamburgerinnen und ihre Kinder kennen sich aus der Föderation Demokratischer Arbeitervereine e. V. (DIDF) und ihrer Jugendorganisation – einem 1980 gegründeten Dachverband für Vereine türkeistämmiger Arbeiter*innen. Wenngleich der GKB die Anliegen aller Frauen als Teil seines Kampfes betrachtet, ist er der einzige Mitgliedsverband des LFR, der sich explizit für die Interessen migrantischer Arbeiterinnen einsetzt – eine Gruppe, die auch überproportional stark von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen ist. Hier schließt sich der historische Kreis zu den ,Gast‘arbeiterinnen unter dem Aspekt von ‚Klasse‘ bzw. sozialer Herkunft. 2021 jährte sich der Abschluss des Anwerbeabkommens mit der Türkei zum 60. Mal. Die im GKB Hamburg aktiven Frauen sind vorwiegend türkeistämmiger Herkunft. Eng verwoben mit der spezifisch deutschen Nachkriegsgeschichte bilden die Mitgliederstruktur und die politischen Anliegen des GKB Hamburg Alleinstellungsmerkmale gegenüber den anderen Mitgliedsvereinen des LFR. 

Intersektionalität und Diversity stärken

Das Thema Intersektionalität ist zudem längst der akademischen Nische entwachsen und in der öffentlichen Debatte angekommen. In feministischer Theorie und Praxis finden die Verschränkungen verschiedener Diskriminierungsformen und -erfahrungen mehr Raum. Auch öffentliche Debatten werden notwendigerweise dadurch an Perspektiven und Akteur*innen erweitert. Unter dem Schlagwort Diversity buhlen auch Unternehmen, Parteien und Kulturträger*innen um Arbeitnehmer*innen, Stimmen oder öffentliche Gelder. (Rechts-) Konservative arbeiten sich – in negativer Bezugnahme – ebenfalls an diesem Thema ab. 

Über 20 Jahre nach dem ersten NSU-Mord an Enver Şimşek, nach den Anschlägen von Halle und Hanau oder den brennenden Geflüchtetenunterkünften müssen sich die Mehrheitsgesellschaft und ihre Institutionen einer kritischen Selbstbefragung unterziehen. Das gilt auch für feministische Einrichtungen und Akteur*innen.

Marginalisierte Geschichte sichtbar machen

Aktuell werden im DDF-Projekt des FSA narrative Interviews geführt und als Videos aufgezeichnet. Im Zentrum stehen die Frauen des GKB und ihre Lebensgeschichten. Der Methode der Oral History folgend wird den individuellen Erzählungen der Frauen viel Raum einräumt. Im Gespräch berichten die Interviewten ausgehend von ihrer Geburt und ihrem Aufwachsen unter anderem über ihre Wertevorstellungen in enger Verknüpfung zur eigenen Sozialisation, über (Nicht-)Zugehörigkeitsgefühle, Selbst- und Fremddeutungen der eigenen Migrationserfahrung oder der familiären Migrationsgeschichte, den Stellenwert von Bildung, Beruf, Vereinstätigkeit und Mutterschaft. Zu den Themen feministisch-antirassistisches Engagement, migrantische Selbstorganisation und Empowerment aber auch Diskriminierungserfahrungen werden Rückfragen gestellt. 

Die Interviews machen deutlich, welche Vielfalt migrantischen und migrantisierten Perspektiven und den Lebensgeschichten ihrer Protagonistinnen innewohnt. Schauen wir uns die gezielten Homogenisierungs- und Essentialisierungsstrategien migrationsfeindlicher Diskurse an, wird deutlich, wie wichtig es ist, über Projekte wie dieses eine widerständige Erzählpraxis zu fördern und zu verbreiten. Und auch der in Deutschland stark bürgerlich und weiß geprägte Feminismus muss um diese Stimmen ergänzt werden. 

Die bereits entstandenen Aufnahmen werden momentan professionell transkribiert und Ausschnitte für die Abschlussveranstaltung ausgewählt. Dazugehörige Quellen der Vereinsarbeit (Fotos, Flyer, Programmhefte, Vereinszeitschrift) werden digitalisiert und als Grundlage für einen wissenschaftlichen Essay geprüft. Eine abschließende Ausstellung im Dezember 2023 wird die Projektergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen – flankiert mit Unterlagen aus vom LFR. Dabei handelt es sich vorwiegend um Protokolle aus den Mitgliederversammlungen der 1990er-Jahre. Diese fokussieren sich auf die Arbeit des sogenannten ,Ausländerausschusses‘, der als Reaktion auf die rassistischen Brandanschläge Anfang der 1990er-Jahre aktiv wurde. 

Das FSA ist seit 2018 ein Projekt des LFR mit integrierter Bibliothek. Es hat den Sammlungsschwerpunkt Hamburger Frauengeschichte und sammelt somit auch Medien und Unterlagen aus dem LFR, (ehemaligen) Mitgliedsverbänden und von Frauen, die sich in der Stadt gleichstellungspolitisch engagiert haben. Zudem dient es als Lernort für Bildung und Forschung zu historischen wie aktuellen frauenemanzipatorischen sowie gleichstellungsbezogenen Kämpfen und Entwicklungen, die in der Stadt Hamburg stattfinden.

Das DDF-Projekt des FSA ist am 1. Januar 2023 gestartet und hat eine Laufzeit von 12 Monaten. Dabei entstehen Essays unter anderem über die migrantische Selbstorganisation des GKB in Hamburg und ihre Akteurinnen. Es werde Zeitzeuginnen-Interviews geführt und relevante Quellen von Akteurinnen erfasst und digitalisiert. Außerdem findet eine Rechteklärung statt sowie eine Integration der Objekte in den META-Katalog. Am 12. Juni fand zudem die Auftaktveranstaltung statt– für mehr migrantisch-selbstbestimmte und feministische Geschichte im DDF.

Ausgewählte Inhalte vom Frauenstadtarchiv Hamburg im DDF:

  • Akteurinnenessay über Alice Prausnitz
  • Die „Sozialen Hilfsgruppen“ – Zweigverein des ADF Hamburg
  • Hamburger Frauenring e.V.
Stand: 27. November 2023
Verfasst von
Cäcilia Maag

Cäcilia Maag, Historikerin M.A. (Schwerpunkt: (Post)Kolonialismus und Nationalsozialismus) und Politische Bildnerin, Archivleitung im FrauenStadtArchiv Hamburg

Empfohlene Zitierweise
Cäcilia Maag (2024): Geschichte(n) des Widerstands, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/blog/geschichten-des-widerstands
Zuletzt besucht am: 23.01.2026
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