Listen to the Archive: „Die Freiheit ist unteilbar!“ (Louise Otto-Peters) – 175 Jahre Märzrevolution

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Feminismus hat Geschichte! Und die ist politisch, bewegt und reich an Auseinandersetzungen. Sie erzählt von Solidaritäten und Brüchen, sie hat viele Gesichter, Perspektiven und nicht zuletzt Schultern, auf denen auch heute Feminismus gelebt, gedacht und ausgehandelt wird. Von Frauenstreiks bis Cyberfeminismus, von Pionier*innen in Sport oder Sprache: Der DDF-Podcast blickt auf Akteur*innen und Phänomene aus mehr als 200 Jahren feministischer Bewegungsgeschichte.

Was trennt, was verbindet – damals und heute? Wir öffnen feministische Zeitkapseln und Schatzkisten, treffen Historiker*innen, Zeitzeug*innen und weitere Expert*innen – und nehmen Euch mit auf eine Entdeckungstour durch die feministischen Archive. Listen to the Archive!

Folge 5: 175 Jahre Märzrevolution – Frauenemanzipation und Louise Otto-Peters

1848 – vor 175 Jahren – brachen ausgehend von Frankreich in vielen Teilen des europäischen Kontinents Revolutionen und Unruhen los. Europa wurde zum Schauplatz von Demonstrationen, Aufständen und Barrikadenkämpfen. Die deutschen Staaten erreichte die Welle des Aufstandes im März: Hier entlud sich die Wut über Monarchien, Ständeordnungen und Kleinstaaterei, mit dem Ziel, das politische und gesellschaftliche System grundlegend zu verändern.

Und die Forderungen waren so unterschiedlich wie ihre Vertreter*innen: Während das liberale Bürgertum den Nationalstaat unter demokratischen Vorzeichen forderte, zog es u.a. die Arbeiter*innen zum Kampf gegen die miserablen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse auf die Straße. Diese sogenannten Märzforderungen nach Demokratisierung der Monarchien und Adelsherrschaft, Freiheit der Presse, der Rede, der Versammlung der politischen Teilhabe und der Verankerung von Menschen- und Bürgerrechten – sollten zunächst jedoch nur für Männer gelten.

Und vorerst gaben einige Monarchien und feudalen Regierungen nach, richteten unter dem Druck der Revolution Märzministerien ein, die scheinbar Reformprozesse einleiteten. In der deutschen Paulskirche trat mit der Frankfurter Nationalversammlung am 18. Mai 1848 das erste – ausschließlich von Männern gewählte – Parlament zusammen, um gemeinsam über die freiheitliche Verfassung und die Bildung eines Nationalstaates zu beraten. All dies jedoch ohne die politische Teilhabe, ohne passives und aktives Wahlrecht von Frauen – diese saßen auf der sogenannten Damengalerie.

Nicht zuletzt diese überparteiliche männliche Emanzipationsfeindlichkeit, die antifeministische Ablehnung von Frauen und ihres Engagements – denn sie waren ebenso Teil der Revolution, ob engagiert im Vormärz oder kämpfend auf den Barrikaden – und ihrer Forderungen, mobilisierte parallel auch die Frauenbewegung. Aus der politischen Unsichtbarkeit heraus entstanden u.a. ersten Frauenvereine und allein vier politisch unterschiedliche Frauen-Zeitungen – selbst während der Revolution und dem damit verbundenen Aufschwung für Presse und Vereine ein echtes Wagnis für Frauen. Die Publikationen und Netzwerke zeigten, wie umfassend die Forderungen der Frauen von 1848 waren. Sie verknüpften frauenpolitische mit allgemeinen politischen Inhalten, für eigenständige Assoziationen, Bildung, Arbeit und die Verbindung mit der Arbeiterschaft, gegen die Unterdrückung in den Fabriken und die Ausbeutung von Frauen, u.a. in Zwangsehen.

Eine bekannte wie vehemente Vertreterin war hier Louise Otto-Peters (1819–1895) – auch sie wollte den Ausschluss der Frauen nicht hinnehmen, forderte gleichberechtigte politische Teilhabe und das Wahlrecht für Frauen. Sie gehörte zu den Frauen, die bereits im Vormärz aktiv waren, und publizierte unter anderem in Zeitschriften des Journalisten und Politikers Robert Blum, der 1848 als Revolutionär und wortführender Abgeordneter der Paulskirche von Kaiserlich-Österreichischen Truppen inhaftiert und erschossen wurde. Sie focht mit ihrer Schreibfeder für die Revolution und gründetet 1848 ihre eigene Frauen-Zeitung. In dieser verhandelte sie ihre zentrale Losung „Die Freiheit ist unteilbar!“ (1848), die religiöse, politische, soziale Freiheit und die Frauenemanzipationen untrennbar verbindet – und resümierte dem gegenüber 1849 mit Blick auf die von der Männerwelt vertretenen bürgerlichen Freiheitsforderungen: „Wo sie das Volk meinen, zählen die Frauen nicht mit.“

Louise Otto-Peters
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Louise Otto-Peters wirkt nach: Hier eine Graffiti-Zeichnung an der Hauswand der Louise-Otto-Peters-Schule in Leipzig mit ihrem zentralen Zitat "Die Freiheit ist unteilbar!"

Die bürgerliche Märzrevolution, die 1848 begann und bis 1849 andauerte, wurde brutal von den alten Regimes niedergeschlagen, alle Zugeständnisse zurückgezogen – und die revolutionären Aktiven inhaftiert, ermordet oder ins Exil getrieben. Insbesondere die Handlungsräume von Frauen wurden beschnitten: So verbot ab 1850 in Sachsen ein Gesetz, die sogenannte Lex Otto, als Reaktion auf ihre Frauen-Zeitung hin Frauen die Herausgabe von Zeitungen und die redaktionelle Mitarbeit. Im gleichen Jahr 1850 untersagte das preußische Vereinsgesetz Frauen die Gründung von und den Beitritt in politische Vereine und Parteien – auch der Besuch von politischen Versammlungen und Sitzungen war untersagt, was viele Frauen dazu bewog, ihr politisches Engagement künftig mit dem Etikett der Bildung zu versehen.

Diese Folge richtet den Fokus auf Louise Otto-Peters und ihr Mitwirken an der Märzrevolution. Wir besuchen das Louise-Otto-Peters-Archiv im Haus des Buches in Leipzig und präsentieren Archiv-Geschichte(n), die auch den Bogen schlagen zur Bedeutung Louise Otto-Peters in der DDR, nach der Maueröffnung – und für heutige Auseinandersetzungen um Verständnis, Bewahrung und Schutz bestehender Demokratien.

Mit: Franziska Deutschmann (Lehrerin und Vorstand Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V.), Gerlinde Kämmerer (Kulturwissenschaftlerin, Gästeführerin und ehemals Vorstand Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V., derzeit Beisitzerin) und Constanze Mudra (Vorstand Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. und Leitung des Louise-Otto-Peters-Archivs).

Ankündigung: Am 25. März feiert der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. 30-jähriges Bestehen und lädt zur Festveranstaltung in Leipzig!

Mehr feministische Geschichte erzählen

Durch den Podcast begleitet Birgit Kiupel. Sie ist Bewegungs- und Radiofrau, Zeichnerin und promovierte Historikerin, DDF-Geschichtsexpertin aus Hamburg und ausgemachte Kennerin der Archive. Sie führt durch Gespräche und Geschichten – mit dem richtigen Gespür für besondere Fundstücke aus den feministischen Archiven.

Neue Folgen von Listen to the Archive. Der DDF-Podcast zu feministischer Geschichte erscheinen alle drei Monate. Zu hören überall dort, wo es Podcasts gibt.

Listen to the Archive. Der DDF-Podcast zu feministischer Geschichte ist eine Produktion des Digitalen Deutschen Frauenarchivs.

Konzept: Birgit Kiupel, Steff Urgast

Schnitt/Mischung: Christian Alpen

Sound Design: Azadeh Zandieh

 

Weiterführende Infos & Materialien zum Thema:

 

 

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