Feminismus auf allen Kanälen

veröffentlicht 17. Juni 2019
Felicia Ewert, Foto: privat.

Die Revolution ist weiblich

1849 gründete Louise Otto-Peters die Frauen-Zeitung: Die Forderungen der Märzrevolution 1848/49 sollten auch für Frauen gelten. Als erstes Sprachrohr der Frauenbewegung bot die Zeitung Frauen verschiedener Schichten die Möglichkeit, sich zu artikulieren. ,LOP‘ ist das ,Poster-Girl‘ für die Feministische Sommeruni 2019 – und als Zeitungsmacherin ganz besonders auch für die Podiumsrunde am 28.6. von und mit feministischen Medienmacher*innen.

Im politischen Umbruch 1989/90 artikulierten auch Frauen- und Lesbenbewegungen ihre Forderungen: Der Kampf um Demokratie und Frauenrechte war nicht voneinander trennbar. Im Frühjahr 1990 erschien – nach einer Nullnummer im Oktober 1989 – das erste Heft der Zaunreiterin, sie war damit die erste unabhängige Frauenzeitschrift in der DDR. Christine Rietzke, Mitgründerin der Zeitung, erzählt am 28.6. von Gründung und Entwicklung der Zeitung, die bis 1995 bestand.

Krisenzeiten

Doch wo Marginalisierte sich Raum und Öffentlichkeit nehmen, sind Machtverhältnisse herausgefordert: Bei Louise Otto-Peters ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten, der Staat verbot Frauen die Herausgabe und Redaktion von Zeitungen.

Nach dem Aufbruch 1989/90 wurde die ,Wende‘ zum ,patriarchalen Geschäft‘. Die Zeitung Zaunreiterin steuerte dagegen, in dem sie frauenpolitische Ziele öffentlich und politikfähig machte. 1992 schrieb Christine Rietzke in der Zaunreiterin, die Frauenbewegung in Leipzig befinde sich in vorpubertärem Stadium und sei sich ihres Machtpotentials nicht bewusst.[1] Was sagt sie heute? Nutzen Frauen* ihre (Medien)Macht? Den Staffelstab der Zaunreiterin übernimmt heute Das Erotik Magazin, ein feministisches Kunstmagazin von elf Leipzigerinnen, eine von ihnen ist Jeanne Schmidt. Das Magazin lädt mit Calls ein, mitzumachen, um „Teil eines Diskurses zu sein und somit zur vielfältigen Veränderung unserer Gesellschaft beizutragen. Denn diese ist besonders in Bezug auf die Themen Körper oder Sexualität noch immer sehr patriarchal geprägt.“[2]

Alte und neue Medien

In Zeitschriften aus der Bewegung für die Bewegung bestimmt Feminismus die Agenda. Aber auch in den breiten Medien bewegt sich was: Jenny Luca Renner aus dem Vorstand der LSVD Thüringen wurde 2016 die bundesweit erste Vertretung von LSBTI* im ZDF-Fernsehrat. Der Fernsehrat hat 60 Mitglieder und soll die Vielfalt der Gesellschaft abbilden. Wie queer-feministische Vielfalt ins Fernsehen kommt, ist Thema des Podiums am 28.6.

Mit der digitalen Kommunikation verändern sich Öffentlichkeit und Medien. Wie bei Zeitschriften der Frauenbewegungen heißt es heute bei Social Media: Selbermachen. Podcasts oder Blogs bieten Raum für queere, feministische und intersektionale Repräsentation_en.  Und so sorgen heute das Magazin L.Mag oder die Autorin Felicia Ewert für lesbisch-queere Sichtbarkeit und Tarik Tesfu arbeitet mit Youtube an der #Zerstörung des Patriarchats. Queer-Feminismus auf allen Kanälen! Alles gut?

Hass spricht

Queer-feministische Sichtbarkeit wächst. Doch Hate Speech, rechte Vereinnahmung und erstarkender Antifeminismus sind Teil des feministischen Medienalltags. Gerade wer sich als Einzelne*r mit Social Media sichtbar macht und für Emanzipation einsetzt, bekommt den Gegenwind besonders kräftig ins Gesicht. Vor welche Probleme sehen sich Medienmacher*innen aktuell gestellt? Welche medialen Strategien braucht es für eine feministische Zukunft? Darum geht es beim Medienpanel am 28.6. moderiert von Gudrun fertig von L-Mag.

Programm und Anmeldung: www.feministische-sommeruni.de

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