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Feministische Archive starten Langzeitarchivierung

verfasst von
  • Susanne Knoblich (Helene-Lange-Archiv, HLA)
  • Stefanie Pöschl (DDF)
  • Steff Urgast (DDF)
veröffentlicht 22. November 2023
In Kooperation mit der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften beginnt das Digitale Deutsche Frauenarchiv mit der Umsetzung der Langzeitarchivierung digitaler Inhalte feministischer Erinnerungseinrichtungen – den Auftakt macht das Helene-Lange-Archiv in Berlin.
Schlagworte
  • Digitalisierung
  • Feminismus
  • Frauenbewegung

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren stark an Einfluss auf die Art und Weise gewonnen, wie wir auf Informationen zugreifen und diese speichern. In diesem Zusammenhang nimmt auch die Langzeitarchivierung von digitalen Inhalten an Bedeutung zu, um sicherzustellen, dass wertvolle historische und kulturelle Informationen für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Um diesem möglichen Verlust entgegenzuwirken, kooperiert das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) mit der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften. Die TIB übernimmt ab 2023 die digitale Langzeitarchivierung für die im Rahmen des DDF entstandenen digitalen Materialien.

Geschichte langfristig bewahren

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv vergibt jährlich eine Million Euro Fördermittel an feministische Erinnerungseinrichtungen des i.d.a.-Dachverbands, um mit diesen ihre Bestände zu erschließen, zu digitalisieren und dort – wo möglich – die Rechte für eine Onlinestellung zu klären. Bei dieser jährlichen Projektförderung entsteht regelmäßig eine große Anzahl von Retrodigitalisaten, also digitale Abbildungen von physischen, analog vorliegenden Medien oder Dokumenten. Es handelt sich dabei in der Regel um gedruckte Bücher, Fotografien, Flyer, Plakate, Filme und Tonträger. Diese Materialien dokumentieren Frauen- und Lesbenbewegungsgeschichte(n) in all ihren Facetten seit dem 18. Jahrhundert.

Die Langzeitarchivierung beinhaltet die sichere Speicherung digitaler Inhalte über einen langen Zeitraum, oft über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte. Dies erfolgt in der Regel in speziell konzipierten Archivsystemen und -umgebungen, die auf die Erhaltung von digitalen Daten ausgerichtet sind. Die Kooperation zwischen TIB und DDF bietet den meist kleineren und finanziell oft prekär ausgestatteten Erinnerungseinrichtungen des i.d.a.-Dachverbands die Möglichkeit und Infrastruktur, ihre Daten professionell im Archivsystem der TIB ablegen zu können, damit auch später noch auf darauf zugegriffen werden kann.

Korrespondenz von Helene Lange  / Seite 13
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Korrespondenz von Helene Lange im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit im Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen-Verein, 1912

Grundlagenforschung nachhaltig ermöglichen

Die ersten Materialien, die an die TIB abgegeben wurden, sind die Bestände des Helene-Lange-Archivs Berlin. Das Helene-Lange-Archiv (HLA) ist nach der Lehrerin, Frauenrechtlerin und Politikerin Helene Lange (1848–1930) benannt. Es umfasst mehrere Teilbestände (Frauenorganisationen und Nachlässe) des gemäßigten Flügels der bürgerlichen ersten Frauenbewegung, wie der Bund Deutscher Frauenvereine, der 1894 gegründete Dachverband. Bei den Nachlässen sind unter anderem die von Helene Lange, Anna von Gierke (1874–1943) und Anna Pappritz (1861–1939) zu nennen. Die Bestände ergänzt eine große Zeitungsausschnittsammlung mit dem Schwerpunkt Weimarer Republik.

Verschiedene Korrespondenzen betreffend die Errichtung der Helene-Lange-Stiftung / Seite 3
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Satzung des Vereins zur Veranstaltung von Gymnasialkursen für Frauen und zur Errichtung der Helene-Lange-Stiftung, 1901
Vorträge und Berichte über Jugendpflege / Seite 43
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Beitrag von Anna von Gierke zur Hortfürsorge im Rahmen der Jugendwohlfahrtspflege, o.J.
 

Die Unterlagen gehören bis heute dem Berliner Frauenbund 1945 e.V. und werden seit 1988 im Landesarchiv Berlin als Depositum (Dauerleihgabe) aufbewahrt und betreut. Die Unterlagen sind sehr vielfältig und bilden eine dichte Überlieferung zur Geschichte der bürgerlichen Frauenbewegung von circa 1890 bis 1933. Zu nennen sind hier einmal die Sachakten der Frauenvereine, in denen es beispielsweise um Themen wie die Reform des § 218 oder die Zölibatsklausel für verheiratete Beamtinnen geht. Wir finden aber auch Korrespondenzen unter anderem von Helene Lange im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit im Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen-Verein und im Verein zur Veranstaltung von Gymnasialkursen für Frauen und zur Errichtung der Helene-Lange-Stiftung. 

Aus den Nachlässen interessant sind auch die autobiografischen Schilderungen von Anna Pappritz sowie Vorträge, Berichte, Zeitungsartikel und Zeitschriftenaufsätze der vielen auch publizistisch tätigen Frauen wie Anna von Gierke über Kinderfürsorge, Wohlfahrtspflege, verschiedene Berufe und das Charlottenburger Jugendheim.

Tagebuch der Anna Pappritz / Seite 3
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Tagebuch von Anna Pappritz von 1899 bis 1922, Deckblatt
Tagebuch der Anna Pappritz / Seite 4
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Tagebuch von Anna Pappritz, Eintrag von 1899

Bewegungsgeschichte sichtbar machen

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv ist das Fachportal zur deutschsprachigen feministischen Bewegungsgeschichte. Es präsentiert Material aus den feministischen Erinnerungseinrichtungen des i.d.a.-Dachverbands, dem Dachverband von über 40 Lesben/Frauenarchiven, -bibliotheken und -dokumentationsstellen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Italien. Bücher, Zeitschriften, Plakate, teils unveröffentlichte Briefe und Protokolle machen eine der größten sozialen Bewegungen der letzten 250 Jahre online greifbar.

Mehr als 600.000 Datensätze und 25.000 Digitalisate sind bereits online zu entdecken: vom Tagebuch der Minna Cauer (1841–1922) bis zu Aufrufen bewegter Frauengruppen der DDR. Kontinuierlich werden neue Objekte über den META-Katalog in das DDF-Portal eingestellt, das im September 2018 online ging. Es ist eine verlässliche Quelle für Bildungs-, Forschungs- und Medienarbeit und seit 2020 erhält das DDF eine institutionelle Förderung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und wird nun langfristig ausgebaut.

Die TIB bietet digitale Langzeitarchivierung als Dienstleistung mit verschiedenen Bausteinen an – darunter die Beratung zur Einlieferung und Übernahme der zu bewahrenden Objekte, die Anreicherung mit Metadaten sowie die Archivierung und Erhaltungsmaßnahmen. Das Angebot der TIB richtet sich an andere Bibliotheken, an Archive, Museen und Infrastruktureinrichtungen, an Projektträger*innen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), an die kommerzielle Forschung sowie an Wissenschaftler*innen, Lehrende, Studierende und Mitarbeiter*innen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen.

Derzeit betreut das DDF 23 Einrichtungen aus ganz Deutschland, die beabsichtigen, in absehbarer Zukunft ihre digitalen Sammlungen in die Langzeitarchivierung zu überführen. Die Gesamtgröße aller dieser Digitalisate beträgt mehr als 30 Terabyte. Zusammen mit den Kolleg*innen der Einrichtungen werden diese Materialien nun nach und nach vorbereitet und der TIB im Rahmen der Kooperation zur Langzeitarchivierung übergeben. Momentan werden die Bestände des Archivs der deutschen Frauenbewegung Kassel (AddF) aufbereitet und zum Jahresende an die TIB übergeben.

Stand: 22. November 2023
Lizenz (Text)
CC BY-SA 4.0
Verfasst von
Susanne Knoblich (Helene-Lange-Archiv, HLA)
Stefanie Pöschl (DDF)
Steff Urgast (DDF)
Empfohlene Zitierweise
Susanne Knoblich (Helene-Lange-Archiv, HLA)/Stefanie Pöschl (DDF)/Steff Urgast (DDF) (2024): Feministische Archive starten Langzeitarchivierung, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/blog/feministische-archive-starten-langzeitarchivierung
Zuletzt besucht am: 11.12.2025
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Rechteangabe
  • Susanne Knoblich (Helene-Lange-Archiv, HLA)
  • Stefanie Pöschl (DDF)
  • Steff Urgast (DDF)
  • Digitales Deutsches Frauenarchiv
  • CC BY-SA 4.0
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