Am 18. März 2018 ist wieder Equal Pay Day – ein Überblick

verfasst von Lina Schlottmann veröffentlicht 16. März 2018

Was ist der Equal Pay Day?

Wie schon 2017 findet der Equal Pay Day in Deutschland auch dieses Jahr wieder am 18. März statt. Als „Tag für gleiche Bezahlung“ veranschaulicht er den Unterschied in der durchschnittlichen Bezahlung von Frauen* und Männern*. Mit einer Differenz von rund 21,5% im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst im Jahr 2016 ergeben sich umgerechnet 77 Tage im Jahr, in denen Frauen* hierzulande umsonst arbeiten, während Männer* schon seit dem 1.1. des Jahres für ihre Arbeit bezahlt werden. Höher als in Deutschland ist der sog. Gender Pay Gap in Europa nur in Tschechien (21,8%) und Estland (25,3%) [vgl. ESTAT 2018].

Woher kommt der Equal Pay Day?

Entstanden ist der Equal Pay Day als Aktionstag in den USA. Dort machte die amerikanische Vereinigung von Business and Professional Women (BPW) erstmals 1988 durch ihre „Red Purse Campaign“ sinnbildlich auf die roten Zahlen in den Taschen von Frauen* aufmerksam. Mit der Initiative „Rote Tasche“ wurde 2007 schließlich auch in Deutschland der Grundstein für die bundesweite Einführung des Equal Pay Days gelegt. Damit findet der Aktionstag, der hierzulande von der BPW Germany e.V. initiiert und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wird, als offizieller Aktionstag statt.

Historischer Rückblick

Ein Blick zurück zeigt, dass die Forderung nach gleicher Bezahlung mitnichten eine Innovation der vergangenen Jahre ist, sondern seit jeher Teil des Kampfes für die Rechte von Arbeiterinnen. Trotz ihrer unterschiedlichen gesamtgesellschaftlichen Konzeptionen, verfochten sowohl die erste proletarische als auch bürgerliche Frauenbewegung bereits den Kampf für einen Lohngleichheitsgrundsatz. So forderte beispielsweise der 1865 gegründete Allgemeine Deutsche Frauenverein gleichen Lohn für gleiche Arbeit (vgl. Halder 2014).

Auch das illustrierte Propagandaflugblatt des Kommunalen Frauenausschusses aus dem Jahr 1946 verdeutlicht diesen Kampf zur Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Als Basisorganisationen für Fraueninteressen hatten sich seit dem Sommer 1945 in allen vier Besatzungszonen über- und außer-parteiliche Frauenausschüsse formiert (vgl. Notz 2012). Zu ihren Bemühungen gehörte auch die Wiederaufnahme des Kampfes für Lohngleichheit früherer Arbeiterinnen, den es unter dem NS-Regime nicht gegeben hatte. Das Flugblatt aus der Sowjetischen Besatzungszone fordert anlässlich der Gemeindewahl 1946: „Gleicher Lohn bei gleicher Leistung!“

Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap  im Vergleich – Island, Frankreich, Deutschland 

Als erstes Land der Welt hat sich Island Anfang dieses Jahres dazu entschieden, mit dem Equal Pay Act ein Gesetz einzuführen, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit garantieren soll. Ab sofort stehen dort alle Betriebe mit 25 oder mehr Angestellten in der Pflicht zu dokumentieren, dass alle Mitarbeiter*innen die gleiche Bezahlung erhalten. Kleinere Unternehmen haben dafür bis 2021 Zeit, größere müssen noch innerhalb dieses Jahres für Transparenz sorgen. Wer sich weigert dies zu tun, oder die nötigen Nachweise nicht erbringen kann, dem drohen erhebliche Geldbußen (vgl. Henley 2018).

© Deutsches Historisches Museum, Berlin.

Und auch in Frankreich sollen Firmen in den nächsten drei Jahren verpflichtet werden, Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern auszugleichen. Mithilfe einer speziellen, direkt an das Lohnabrechnungssystem gekoppelten Software müssen Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeiter*innen zukünftig nachweisen, dass Frauen* und Männer* dasselbe verdienen. Für einen Ausgleich eventueller Lohnunterschiede erhalten französische Unternehmen drei Jahre Zeit, sonst drohen auch ihnen Geldstrafen (vgl. BBC News 2018).

In Deutschland gilt seit Januar 2018 das sog. Entgelttransparenzgesetz, welches es Arbeitnehmer*innen in Unternehmen mit über 200 Beschäftigten erlauben soll, die Kriterien für das eigene Gehalt und die Durchschnittsvergütung einer Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts zu erfragen. Erfolg und Nutzen des neuen Gesetzes müssen sich jedoch erst noch zeigen. Ähnliche Maßnahmen wie in Island oder Frankreich sind hierzulande nicht in Planung.

18. März 2018

In diesem Jahr findet der Equal Pay Day in Deutschland unter dem Motto „Transparenz gewinnt“ statt. Und dabei fordert er alle Akteur*innen: Die Regierung etwa darin, die nötigen gesetzlichen Richtlinien umzusetzen und ein Nichteinhalten zu sanktionieren, die Entgelttransparenz zu verschärfen, verbindliche Prüfverfahren einzuführen und das Einkommenssteuersystem – insbesondere das Ehegattensplitting und die Steuerklasse 5 – zu reformieren. Unternehmen sollen in die Verantwortung genommen werden, transparente Gehaltsstrukturen einzuführen, flexible Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen und dabei für die partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zu sensibilisieren. Und auch der Pädagogik soll zukünftig die Aufgabe zukommen, Kinder bereits früh über die Auswirkungen tradierter Geschlechterrollen aufzuklären und den Gender Pay Gap zu thematisieren.

The Fight Must Go On

Ein Teil der sog. unbereinigten Gender Pay Gap von 21% lässt sich auf strukturelle Unterschiede zurückführen, wie etwa die schlechtere Bezahlung in weiblich-dominierten Berufsfeldern, durch die häufig prekäre Beschäftigung von Frauen in Teilzeit oder Minijob oder etwa die niedrigen Zahlen weiblicher Führungskräfte. Doch auch wenn man diese Faktoren heraus rechnet und gleiche Positionen in gleichen Branchen vergleicht, bleibt hierzulande eine nicht erklärbare Lohndifferenz von durchschnittlich circa 7 % zwischen Männern* und Frauen* bestehen (vgl. Bundesregierung 2017).

Der Equal Pay Day hat also auch in diesem Jahr wieder drei Hauptziele: Auf den Gender Pay Gap aufmerksam zu machen, die Gründe für Entgeltungleichheit aufzuklären und ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. So können Lösungen gefunden und die Reduzierung, bzw. Abschaffung der Lohnungleichheit vorangetrieben werden. Damit ist der Tag hierzulande zu einem Symbol für einen langen Kampf geworden, den Frauen* schon seit über 150 Jahren unermüdlich bestreiten.

 

Quellen

BBC News (2018): “France labour: Firms to be fined over gender pay gap”, unter: www.bbc.com/news/world-europe-43320041

Bundesregierung (2017): „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, unter: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2017/01/2017-01-11-entgelt-transparenzgesetz.html

EPD (2018): Geschichte http://www.equalpayday.de/ueber-epd/

Halder, Lucia (2014): Allgemeiner Deutscher Frauenverein (ADF) 1865-1933, unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/innenpolitik/allgemeiner-deutscher-frauenverein-adf.html

Henley, John (2018): Equality won't happen by itself. How Iceland got tough on gender pay gap, unter: https://www.theguardian.com/world/2018/feb/20/iceland-equal-pay-law-gender-gap-women-jobs-equality

Notz, Giesela (2012): Die Geschichte der Frauenbewegung in Ost- und Westdeutschland , unter: http://www.spw.de/data/spw_188_notz.pdf

Statistische Amt der Europäischen Union ESTAT (2018): Gender Pay Gap unadjusted form, unter: http://ec.europa.eu/eurostat/tgm/table.do?tab=table&language=en&pcode=tsdsc340

 

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