99 Jahre Wahl, und noch immer keine Gleichheit…

veröffentlicht 07. August 2017

Zur Buchpremiere im Bundesjustizministerium hatte der Deutsche Juristinnenbund eingeladen. Ramona Pisal, Präsidentin des djb, betonte, wie wichtig es ist, Erfolge zu feiern und gleichzeitig dabei den Blick nicht nur zurück zu richten, sondern auch nach vorne.

Beide Perspektiven auf das Wahlrecht durchzogen den Abend: Bei der Wahl 1919 gingen über 80 Prozent der Frauen zur Wahl, 37 Frauen zogen ins Parlament. Im aktuellen Bundestag 2017 sind 234 Frauen.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ Elke Ferner verwies auf das Beharrungsvermögen von Ungleichheit trotz formal gleicher Rechte: Von 1919 an dauerte es fast 70 Jahre, bis Frauen mehr als 10 Prozent der Abgeordneten stellten. Heute sind im Bundestag 37 Prozent der Abgeordneten Frauen.

Doch was einmal erreicht ist, ist nicht gesichert. So besteht die Gefahr, dass nach der Wahl im September der Frauenanteil im nächsten Bundestag wieder unter 30 Prozent rutscht. Ein Bündnis von Frauenverbänden startete deshalb vor kurzem den Aufruf, bei der kommenden Bundestagswahl Geschlechtergerechtigkeit zu wählen.

Es gibt keine Demokratie ohne Frauen, betonte denn auch Ulrike Helmer, die als Verlegerin das Buch zum hundertjährigen Jubiläum veröffentlichte. Angesichts der Tatsche, dass Demokratie allerorten unter Druck gerät, kommt dieses Buch eben nicht ein Jahr zu früh, sondern gerade rechtzeitig.

Interessant war, dass viele Rednerinnen des Abends auf den Film „Suffragette“ verwiesen. Frauenpolitik und Frauenbewegungen brauchen starke Vorbilder. Doch im Gegensatz zur englischen Geschichte gibt die deutsche Geschichte solche Bilder radikaler Wahlrechtskämpferinnen leider nicht her. Nichts desto trotz gibt es auch hier Vorkämpferinnen. Das DDF-Portal wird viele - andere - Bilder zeigen, die inspirieren!

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