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Flucht und Zerstörung

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten bedeutete für die Frauen- und Sexualreformbewegung ein jähes Ende. Zahlreiche Frauen mussten ins Exil fliehen, viele wurden verfolgt, inhaftiert und ermordet.
Adele Schreiber
picture alliance / ullstein bild / Gircke

In der Folge finden sich Berichte und Erinnerungen von Akteurinnen der alten Frauenbewegung zum § 218 über Flucht und die Zerstörung der Sexualberatungsstellen durch den Nationalsozialismus.

Metalldose für Kondom

1933 wurden Geld und Mobiliar unserer Beratungsstelle von den Nazis beschlagnahmt, sogar Verhütungsmittel. Die meisten hat sich die SA eingesteckt.

Luise Dornemann, in: Soden, Kristine v.: Die Sexualberatungsstellen der Weimarer Republik 1919–1933, Berlin 1988, S. 149.
Gedenkstein Charlotte Wolff
OTFW, Berlin
Lizenz
CC BY-SA 3.0 DE
Rechteangabe
  • OTFW, Berlin
  • CC BY-SA 3.0 DE

Am Tag nach der Hausdurchsuchung leitete ich meinen Exodus von Berlin nach Paris in die Wege … Am 26. Mai 1933 stand ich am Bahnhof Zoo …

Charlotte Wolff, Soden, Kristine v.: Die Sexualberatungsstellen der Weimarer Republik 1919–1933, Berlin 1988, S. 154.
Cover: Käte Frankenthal, Der dreifache Fluch: Jüdin, Intellektuelle, Sozialistin
picture alliance / ullstein bild - ullstein bild

Ich hatte nichts mehr in Deutschland zu tun und wußte, daß ich mich jeder Stunde unnütz Gefahren aussetzte. Es hatte schon in meiner nächsten Umgebung eingeschlagen, nahe Mitarbeiter von mir waren verhaftet. Ich beschloß Umschau zu halten, wohin ich auswandern konnte […] Ich sollte Deutschland und meine Sachen nicht wiedersehen.

Käthe Frankenthal: Der dreifache Fluch: Jüdin, Intellektuelle und Sozialistin. Lebenserinnerungen einer Ärztin in Deutschland und im Exil, Frankfurt/New York 1981, S. 197 f.
Adele Schreiber
picture alliance / ullstein bild / Gircke

Am Tag d. letzten Reichstagswahlen dem 5. März 33, die übrigens Hitler keine Mehrheit brachten, gab ich in Stuttgart meinen Reisewahlschein ab und überschritt, ohne beargwöhnt zu werden in einem Touristenzug, gefüllt mit Skiläufern die Schweizer Grenze – diesmal nicht als Referentin sondern als politischer Flüchtling.

Adele Schreiber, Nachlass BA Koblenz, Mappe 1, handschriftliche Erinnerungen, 2.Fassung, zitiert nach: Braune, Asja: Konsequent den unbequemen Weg gegangen – Adele Schreiber (1872–1957) Politikerin, Frauenrechtlerin, Journalistin. Dissertation, Berlin 2003, S. 434.
Veröffentlicht: 17. Mai 2021
Lizenz (Text)
CC BY 4.0
Rechteangabe
  • Digitales Deutsches Frauenarchiv
  • CC BY 4.0
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