Kämpft für eure Rechte : "Frauenaktion 70"
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FrauenMediaTurm, Das Archiv und Dokumentationszentrum
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Über Frauenaktion 70 e.V.

Die unabhängige Frauengruppe aus Frankfurt am Main engagierte sich besonders im Kampf gegen den so genannten Abtreibungsparagraphen (§218). Sie beteiligten sich auch in der Neuen Frauenbewegung an vielen Aktionen - etwa an der „Kirchenaustrittskampagne“ oder dem §-218-Tribunal 1972 in Köln.

Die Frauenaktion 70 entstand im Frühling 1970 in Frankfurt am Main aus dem Zusammenschluss einer Projektgruppe der Humanistischen Union (HU), einem linksliberalen Verband mit Schwerpunkt auf Demokratie und Menschenrechten, und eines Frauenarbeitskreises der Volkshochschule. Die Projektgruppe bestand aus zwölf Frauen, überwiegend im Alter von 20 bis 30, kinderlos und berufstätig. Sie suchten nach Möglichkeiten, spezifische Frauenprobleme konkreter anzugehen. Hinzu kamen beim zweiten Treffen jüngere Frauen aus einem Diskussionskreis der Volkshochschule. Insgesamt waren es nun 20 Frauen und zwei Männer.1 Im Gegensatz zum sozialistisch orientierten studentischen Frankfurter Weiberrat war die Frauenaktion 70 unabhängig organisiert.

Schon bei ihrem ersten Treffen im Frühling 1970 identifizierten sie den § 218 als geeignetes Diskussions- und Kampagnenobjekt. Ihre ersten Aktionen wurden gehört – sowohl von den Politikern in Bonn als auch in der katholischen Kirche –, aber erst im Juni 1971 entfaltete sich die ganze explosive Kraft des Themas Abtreibung. Die Frauenaktion 70 unterstützte die Journalistin Alice Schwarzer bei der eiligen Sammlung der Unterschriften von Frauen, die sich bekannten, abgetrieben zu haben. Der Rest ist Geschichte: Mit der sogenannten Selbstbezichtigungskampagne im Magazin Stern2 wurde die Abtreibungsfrage im Sommer 1971 zu einer bundesweiten Debatte – und zum Auslöser der Neuen Frauenbewegung. Die Frauenaktion 70 war an vielen Aktionen gegen den §218 beteiligt – von Unterschriftensammlungen über Demonstrationen bis zu Großveranstaltungen wie etwa dem §218-Tribunal am 11. Juni 1972 in Köln.3 Die Frauenaktion 70 war mittlerweile als Verein organisiert und auf 150 Frauen angewachsen, hauptsächlich berufstätige Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund (verheiratet und ledig, mit Kindern und ohne).4

Auch in der Kirchenaustrittskampagne engagierte sich die Frauenaktion 70.5 Doch schon gegen Ende des Jahres 1973 befand sich die Frauenaktion 70 „in einem angeknacksten Zustand“, wie die Mitglieder selbst in einem Rundbrief analysieren: „Zu den Mittwochstreffen kommen jeweils nur noch 3-4 Frauen, keine will mehr Aufgaben übernehmen […]“6. Dies nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass viele Frauen ein Studium oder eine Berufsausbildung begonnen hätten und sich nur noch wenig engagierten. Die Frauen beschlossen, dass die weiterhin aktiven Frauen „im Frauenzentrum Frankfurt mitarbeiten sollten“7. Über das erste Treffen im Zentrum schrieb Gisela Zehm: „Der Mittwoch im Zentrum verlief für meine Begriffe etwas zu diffus. Es waren ca. 70 Frauen da, die sich in 3 Gruppen aufteilten. […] Es waren zum größten Teil Studentinnen, wenige Berufstätige und eine Hausfrau. […] Als dann Gruppen zusammengestellt werden sollten, war außer der Selbsterfahrungsgruppe keine groß genug, um direkt anfangen zu können. Wir werden also sehen müssen, wie wir unsere bisher geleistete Arbeit ins Frauenzentrum einbringen können.“8 Außerdem wurde als „letzte gemeinsame Arbeit der Frauenaktion beschlossen, eine Analyse darüber auszuarbeiten, weshalb die FA scheiterte“.9 Diese Analyse ist nicht dokumentiert.

Rundschreiben Nr. 7 vom 15. November 1973
Autor*in
FMT - FrauenMediaTurm

Netzwerk von Frauenaktion 70 e.V.

Fußnoten

  • 1. Scheunemann, Renate / Scheunemann, Klaus: Die Kampagne der Frauenaktion 70 gegen den §218, in: Grossmann, Heinz (Hg.): Bürgerinitiativen. Schritte zur Veränderung?, Frankfurt a. M. 1971, S. 71 f.
  • 2. FrauenMediaTurm (im Folgenden FMT), SE.11-a „374 deutsche Frauen halten den § 218 für überholt und erklären öffentlich: ‚Wir haben gegen ihn verstoßen‘“, in: Stern, 24/1971.
  • 3. FMT, FB.07.047 „Einladung zum Tribunal über den Paragraphen 218 am 11.06.1972 in Köln“, 1972.
  • 4. FMT, FA.70.014, Akte zur Frauenaktion 70 „Begründung für eine Frauenemanzipationsgruppe“.
  • 5. FMT, FB.07.241 „Flugblatt: Moralismus nicht mehr...auf unserem Rücken!“, 1973.
  • 6. FMT, FA.70.016, Akte zur Frauenaktion 70 „Rundschreiben Nr. 7“, 15.11.1973.
  • 7. FMT, FA.70.016, Akte zur Frauenaktion 70 „Rundschreiben Nr. 7“, 15.11.1973.
  • 8. FMT, FA.70.016, Akte zur Frauenaktion 70 „Rundschreiben Nr. 7“, 15.11.1973.
  • 9. FMT, FA.70.016, Akte zur Frauenaktion 70 „Rundschreiben Nr. 7“, 15.11.1973.
Ausgewählte Publikationen
Grossmann, Heinz (Hg.): Bürgerinitiativen. Schritte zur Veränderung?, Frankfurt a. M. 1971.
Frauenoffensive, Schlaeger, Hilke (Hg.): Mein Kopf gehört mir. Zwanzig Jahre Frauenbewegung, München 1988.
Schwarzer, Alice: Frauen gegen den § 218. 18 Protokolle, aufgezeichnet von Alice Schwarzer, Frankfurt a.M. 1971.