Annette Schlünz
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Über Annette Schlünz

Die Komponistin Annette Schlünz wurde 1964 in Dessau, DDR, geboren. Sie schreibt unter anderem Kammer- und Orchestermusik, hat vier Opern komponiert und tritt als Performerin auf. Seit 2010 unterrichtet sie Komposition in Straßburg und lebt freischaffend in Süddeutschland und Frankreich.

Mit zwölf Jahren wurde Annette Schlünz in die Komponistenklasse Halle von Hans-Jürgen Wenzel, Günther Eisenhardt und Gerd Domhardt aufgenommen, wo die Kreativität aller Kinder gefördert wurde, egal ob Jungen oder Mädchen. Schon früh erhielt sie Musikunterricht in den Fächern Blockflöte, Klavier und Oboe und das Aufschreiben von Tönen gehörte für sie von Anfang an mit dazu. Im Rahmen der Komponistenklasse wurde sie auch ein Jahr lang von Dietrich Boekle aus Darmstadt unterrichtet. Als dieser ihr vorschlug, Komposition zu studieren, dachte sie nicht darüber nach, ob das ein passender Beruf für Frauen sei oder nicht: „Wir sind damit aufgewachsen, dass wir das machen können, was wir tun wollen […], und wir waren es gewohnt, dass die Mütter und Frauen arbeiteten. Auch wenn die Vorbilder männlich waren, wurde es nicht infrage gestellt, dass Frauen das heute auch können.“1

Interview mit Annette Schlünz 2019

Nach dem Studium an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Komposition (Udo Zimmermann), Klavier (Heidrun Richter) und Tonsatz/Moderne Techniken (Wilfried Krätzschmar) wurde Annette Schlünz wissenschaftliche Mitarbeiterin von Udo Zimmermann am Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik und Meisterschülerin von Paul-Heinz Dittrich, einem weiteren sehr bekannten Komponisten in der DDR, an der Akademie der Künste Berlin – „und ich hatte das Gefühl, er schaut nur auf das Stück, nicht auf meine Person, und das war eine sehr positive Erfahrung“.2
Dass es so wenige weibliche Vorbilder aus älterer Zeit gibt, hat die Komponistin ebenso wie ihre heutigen Schülerinnen irritiert. Umso wichtiger waren und sind für sie Vorbilder aus der zeitgenössischen Musik wie Adriana Hölszky, Sofia Gubaidulina und andere. Die Idee, Werke von Frauen aufzuführen, nur weil sie Frauen sind, „entsetzt“3 Schlünz. „Ich möchte, dass meine Musik gespielt wird, weil sie gut ist, und ich möchte auch die Werke meiner Kolleginnen nur hören, weil sie gut sind, nicht weil sie Frauen sind.“4 Sie achtet jedoch bei der Veranstaltungsplanung darauf, dass immer auch Werke von Komponistinnen im Programm sind.

Ihre Werke sind häufig von zeitgenössischer Literatur und Dichtung inspiriert und erfordern und provozieren „eine andere Art des Hörens“.5 Sie werden in ganz Europa, in Asien und in Amerika aufgeführt. Die Komponistin erhielt zahlreiche Preise (Hanns-Eisler-Preis 1990, Heidelberger Künstlerinnen-Preis 1998), Stipendien (unter anderem Villa Massimo) und Kompositionsaufträge. Seit 2010 unterrichtet sie Komposition am Straßburger Konservatorium. Sie ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg und – als erste Frau in der Sektion Musik – Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.

Stand: 02. Dezember 2019
Verfasst von
Martina Bick

Musikwissenschaftlerin, Mitarbeiterin Musik und Gender im Internet (MUGI) der HfMT Hamburg

Empfohlene Zitierweise
Martina Bick (2019): Annette Schlünz, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/annette-schluenz
Zuletzt besucht am: 30.07.2021

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Fußnoten

  • 1. Schlünz, Interview, S. 2.
  • 2. Schlünz, Interview, S. 2.
  • 3. Schlünz, Interview, S. 5.
  • 4. Schlünz, Annette, Interview durch Archiv Frau Und Musik, Frankfurt a.M. 2019, S. 3.
  • 5. Tual, François-Gildas: Annette Schlünz, in: Marcel-Berlioz, Laure et al. (Hg.): Compositrices, l’égalité en acte. Centre de documentation de la musique contemporaine, Paris 2019, S. 394 (im Original französisch: „Une autre façon d’entendre“, Übersetzung: die Verf.).
Ausgewählte Publikationen
Möller, Torsten: „Annette Schlünz“, in: von Borchard, Beatrix / Noeske, Nina: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003