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Flugblatt mit der Überschrift "Frauen aus Naturwissenschaft und Technik treffen sich in Hamburg 6.-8.1.1978"
Rechteinhaber*in: Antje Gerken
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Frauenmediaturm – Feministisches Archiv und Bibliothek / FB.01.121
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Rechte vorbehalten - Freier Zugang

Technotopia: Technikutopien und Technikkritik in der Neuen Frauenbewegung

verfasst von
  • Berit Schallner
veröffentlicht 04. Juni 2026
Der Umgang mit Technik und technischer Innovation wurde in der Neuen Frauenbewegung von Anfang an lebhaft diskutiert. Vor allem Frauen aus den naturwissenschaftlichen und technischen Berufen traten früh für eine kritische Aneignung technischer Errungenschaften ein.
Akteurinnen Fußnoten Ausgewählte Publikationen Links Verwandte Themen

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  • Bildung & Wissen

„Es ist eine Illusion zu meinen, daß es in unserer freien Entscheidung läge, ob wir uns mit technischen Dingen beschäftigen oder nicht“, schrieb die Architektur-Studentin und spätere FOPA-Mitbegründerin Christiane Erlemann 1978. Auch wenn die Beschäftigung mit Technik für die Frauenbewegung neu sei, fordere sie ebenso wie andere beruflich mit Technik und Naturwissenschaften befasste Frauen die Bewegung dazu auf, dies zu tun.1<p>Erlemann, Christiane: Frauen und Technik, in: Dokumentationsgruppe der Sommeruniversität e.V.: Frauen als bezahlte und unbezahlte Arbeitskräfte. Beiträge zur 2. Berliner Sommeruniversität für Frauen – Oktober 1977, S.&nbsp;76–88, hier: S. 76.</p> Denn der tägliche Umgang mit Waschmaschine, Auto, Radio sei auch für Frauen selbstverständlich; wisse man nicht, wie diese Gegenstände des Alltagslebens funktionierten, bliebe man immer auf Männer angewiesen. Nicht anders sei es in Architektur und Städteplanung. „Alle Gebäude, ob privat oder öffentlich, werden von Frauen geputzt; Frauen sind verantwortlich dafür, daß es drinnen ordentlich und gemütlich aussieht.“2<p>Ebenda, S. 76.</p> Doch kaum eine wisse, wie so ein Haus eigentlich gebaut würde. Selbstbestimmtes Leben hingegen bedeute für Frauen, sich auch mit den technischen und naturwissenschaftlichen Facetten der Gesellschaft zu befassen. Doch – so Erlemanns Fazit – verlaufe die Auseinandersetzung damit in der Frauenbewegung derzeit eher entmutigend.  

Christiane Erlemann über die Frauengruppe in Wissenschaft und Technik
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Christiane Erlemann über die Frauengruppe in Wissenschaft und Technik
Frauen aus Naturwissenschaft und Technik treffen sich in Hamburg / Seite 1
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Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Hamburg, 6. – 8. Januar 1978

Wenn in der Gegenwart über das Verhältnis von Neuer Frauenbewegung und Ökologie geschrieben wird, stehen häufig die eher technikkritischen bis technikfeindlichen Strömungen im Vordergrund.3<p>Bauhardt, Christine, 24.4.2024: FrauenUmweltbewegungen, Zugriff am 10.12.2024 unter <a href="https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewe…" title="Essay über die Frauenumweltbewegungen">https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewe…; Diesen stark von feministischen Sozialwissenschaftlerinnen dominierten Richtungen standen Frauen aus naturwissenschaftlichen und technischen Berufen gegenüber, die zwar ebenfalls kritisch auf den zeitgenössisch oftmals unreflektierten Umgang mit Technik und Naturwissenschaften blickten, in diesen aber auch Potenzial zur Lösung großer gesellschaftlicher Probleme und somit zur Verbesserung des Lebens aller Menschen sahen.
Bereits beim ersten Treffen der Frauen in Naturwissenschaft und Technik (FiNuT) (16.–19.6.1977) stand es auf dem Programm: alternative Technik und alternatives Leben/Utopien. Auf dem zweiten Treffen ein halbes Jahr später ging es unter anderem um autonome Energiegewinnung.4<p>FMT, P02-Erle-12, Protokoll vom nationalen Treffen von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen und Studienfächern in Aachen vom 16.–19.6.1977, Bl. 1.</p>

„Was machen wir eigentlich mit der Technologie, AKWs, Datenschutz?“, waren Fragen, die die Teilnehmerinnen des Treffens beschäftigten.5<p>Ebenda, Bl. 3; Interview mit Margarete Pauls, FMT, P032-Paul-01, Transkript, S. 9–10.</p>

Neue Technologien, neue Herausforderungen: Gentechnik, Nuklear-Energie, Computerrevolution, Reproduktionstechnologie

Die Frage nach dem adäquaten Umgang mit Technik spielte von Anfang an eine wichtige Rolle in den Debatten der Neuen Frauenbewegung: In ihren radikalen Thesen zur Frauenbefreiung, die Shulamith Firestone 1970 in dem Werk The Dialectic of Sex: The Case for Feminist Revolution erstmals publizierte, aber zuvor bereits häufig vorgetragen hatte, entwickelte sie ein Reproduktions-Utopia, das Frauen durch künstliche Fortpflanzung vom Gebären befreien und damit die Geschlechtsunterschiede und die Hierarchie zwischen Männern und Frauen abschaffen sollte. Technik war in ihrem Entwurf ein zentrales Element der Frauenbefreiung – somit maß sie dem technischen Fortschritt eine zentrale Rolle bei der Befreiung der Geschlechter bei.6<p>Firestone, Shulamith: The Dialecic of Sex: The Case for feminist Revolution, New York 1970, dt.: Frauenbefreiung und Revolution, Frankfurt a. M. 1975.</p> Auf der anderen Seite regte sich in westlichen Gesellschaften nach der Planungseuphorie der Nachkriegsjahrzehnte ab den 1970er-Jahren vermehrt Widerstand gegen den vermeintlichen Machbarkeitswahn hochtechnisierter Staaten sowie ihr großes Zerstörungspotenzial durch technologischen Fortschritt.7<p>Bauhardt: FrauenUmweltbewegungen.</p> In diesem Spannungsfeld zwischen Technikeuphorie und Technikkritik bewegte sich die feministische Auseinandersetzung mit dem technologischen Fortschritt fortan.8<p>Vgl. z. B.: D’Eaubonne, Francoise: Feminismus oder Tod – Überlegungen zu einem planetarischen Ökofeminismus, München 1975; Merchant, Carolyn: The Death of Nature.&nbsp;Women, Ecology and the Scientific Revolution, San Francisco 1980; Carson, Rachel: Silent Spring, Boston 1962; Hynes, Patricia H.: The Recurring Silent Spring, New York 1989; DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen &amp; Ökologie.&nbsp;Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987.</p>  

Feministische Technikgestaltung ging dabei über reine Kritik hinaus und umfasste auch praktische Initiativen. Diese Initiativen zielten darauf ab, Technik für Frauen zugänglicher zu machen und weibliche Perspektiven in die Entwicklung neuer Technologien zu integrieren. Ein Beispiel dafür sind Frauen-Werkstätten, die in den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden. Hier konnten Frauen technisches Wissen und Fähigkeiten erwerben, die ihnen in der traditionellen Ausbildung oft vorenthalten wurden.9<p>Rehders, Levke (2025): Frauentechnikzentren, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv, Zugriff am 23.05.2025 unter <a href="https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauentechnikzen…" title="Themenessay über die Geschichte der Frauentechnikzentren">https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauentechnikzen…;  

Sonnenkollektoren bauen: FiNuT und utopische Technik

Als ein besonders wichtiges Forum erwies sich das ab 1976 in regelmäßigen Abständen veranstaltete Treffen Frauen in Naturwissenschaft und Technik (später abgekürzt als FiNuT).10<p>Götschel, Helene: Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen in Bewegung. Zur Geschichte des Kongresses Frauen in Naturwissenschaft und Technik 1977 bis 1989 [= NUT Schriftenreihe, Bd. 8], Mössingen-Talheim 2001.</p> Bereits das erste Treffen 1977 in Aachen wurde unter anderem von der von Christiane Erlemann und Margarete Pauls initiierten Gruppe Feminismus und Ökologie organisiert.11<p>O. A.: Das ist doch nichts für ein Mädchen. Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern, in: Frauenzeitung: Frauen gemeinsam sind stark, Nr. 11/12, 1976, S. 19–29; Interview-Transkript Christiane Erlemann, 25.09.2018, FMT, PE.02-Erle-02., S. 15–16.&nbsp;</p> In der Dokumentation zum zweiten Treffen in Hamburg im Januar 1978 berichten die Herausgeberinnen bereits von vier teilnehmenden Frauengruppen, deren Schwerpunkt die Beschäftigung mit ökologischen Themen war.12<p>O. A.: Bericht vom Eröffnungsplenum, in: o. Hg.: 2. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Hamburg, 6.–8. Januar 1978, S. 2–5.</p> Sie kamen aus Münster, Aachen, Bochum und Berlin. Häufig kamen sie durch die Anti-AKW-Gruppen in den Frauenzentren zur Beschäftigung mit breiteren ökologischen Fragestellungen. Die Berliner Gruppe wiederum hatte sich auf der zweiten Sommeruniversität für Frauen 1977 in einer Arbeitsgruppe zu ökologischen Fragen gebildet.13<p>Erlemann, Christiane: Frauen und Technik, in: Dokumentationsgruppe der Sommeruniversität e. V.: Frauen als bezahlte und unbezahlte Arbeitskräfte. Beiträge zur 2. Berliner Sommeruniversität für Frauen – Oktober 1977, S.&nbsp;76–88.</p> Auf dem zweiten FiNuT-Treffen bildete sich außerdem die Arbeitsgruppe Ökologie. Das Thema blieb auch auf den Folgetreffen präsent, zum Beispiel unter den Stichworten energiesparendes Bauen und alternative Technik.14<p>O. A.: Dokumentation 3. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Frankfurt 4. – 7. Mai 1978, S. 6.</p>  

In der Dokumentation zum vierten Treffen im Februar 1979 berichtete die Arbeitsgruppe Alternative Technik und Ökologie, dass die meisten Teilnehmerinnen der AG bereits an praktischen Projekten beteiligt gewesen waren, unter anderem am Bau von Sonnenkollektoren, Biogasanlagen und Windgeneratoren.15<p>Fischer, Gudrun: Wie wir die Welt erobern!, in: EMMA 3 (2002), S. 40–43; O. A.: Protokoll der AG Alternative Technik und Ökologie, in: 4. Treffen von Frauen in Naturwissenschaft und Technik, S. 13–15.&nbsp;</p> Die AG besichtigte unter anderem einen Sonnenkollektor, den eine der teilnehmenden Frauen entwickelt hatte und den sie für die Serienproduktion vorbereitete.16<p>Ebenda, S. 13.</p>  

4. [Viertes] Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik in Göttingen 9. - 11.2.1979 : Dokumentation
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4. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik in Göttingen 9. - 11.2.1979, Dokumentation

Offensichtlich hatte sich die alternative Energiegewinnung als feministisches Thema zu diesem Zeitpunkt bereits etabliert, eine Entwicklung, die durch die Anti-Atom-Bewegung noch verstärkt wurde. So berichteten zum Beispiel auf dem siebten FiNuT-Treffen im Frühjahr 1980 einige Aktivistinnen aus Gorleben über den Protest gegen die Atomenergie. Die Kongress-Teilnehmerinnen wiederum richteten eine Solidaritätsadresse an die „Gorleben-Frauen“: Sie, die Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, würden Atomenergie ablehnen und wüssten aufgrund ihrer naturwissenschaftlichen und technischen Kompetenzen sehr genau, dass es auch andere Möglichkeiten der Energiegewinnung gebe.17<p>Teilnehmerinnen des 6. Treffens der Frauen in Naturwissenschaft und Technik: Solidaritätsadresse, in: o. Hg.: Dokumentation des 6. Treffens der Frauen in Naturwissenschaft und Technik, S. 18.&nbsp;</p>  

In den Folgejahren kamen weitere Themen hinzu. Nachwachsende Rohstoffe und Produkte wie Wärmepumpen, Lastenfahrräder und andere Möglichkeiten schadstoffarmer Fortbewegung18<p>O. A.: Ökologie, in: o. Hg.: Dokumentation des 7. Treffens der Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, S. 30–31.</p>: Über all diese Ideen und Konzepte, die nachfolgenden Generationen vor allem aus Debatten zur Abwendung des Klimawandels bekannt sind, dachten feministische Wissenschaftlerinnen und Praktikerinnen bereits ab den frühen 1980er-Jahren nach.19<p>Ebenda, S. 35.</p>  

Unbotmäßige Töchter des Fortschritts

Die Auseinandersetzungen um die Atomenergie zeigten bereits deutlich, dass sich im Laufe der 1980er-Jahre die Grundsatzdebatten über eine feministische Ethik zum Umgang mit Natur und Umwelt zuspitzte. Die Pionierinnen aus Naturwissenschaft und Technik hatten in diesem Klima der vermeintlich progressiven, tatsächlich aber häufig romantisch verklärenden, regressiven und antirationalen Vorstellungen von den Beziehungen des Menschen zur Natur zeitweise einen schweren Stand.20<p>Vgl. z. B.: o. A.: Zurück zur Natur, in: EMMA 10 (1986), S. 10; Götschel, Helene: Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen in Bewegung. Zur Geschichte des Kongresses Frauen in Naturwissenschaft und Technik 1977 bis 1989 [= NUT Schriftenreihe, Bd. 8], Mössingen-Talheim 2001, Kap. 5.1.4., S. 181–187.</p> Sie suchten die kritische Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Paradigmen sowohl der klassischen Naturwissenschaften als auch der regressiveren Strömungen der Ökologie-Bewegung der 1980er-Jahre, wie die Schriften von FiNuT und der 1981 gegründeten Feministischen Organisation von Planerinnen und Architektinnen (FOPA e. V.) sowie zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen von Frauen wie Christiane Erlemann, Rosemarie Rübsamen und Elvira Scheich zeigen.21<p>[1] Erlemann, Christiane: 10 Jahre Naturwissenschaftlerinnen- und Technikerinnenbewegung, S. 298–306, dies.: Das Technische ist politisch. Frauen als Subjekte der technologieentwicklung, in: Forum Wissenschaft 6 (1989), H. 4, S. 30–34; Rübsamen, Rosemarie: Natur und Technik – Geist und Gesellschaft, in: Stadtmagazin TÜTE, S.&nbsp;37, Scheich, Elvira: Männliche Wissenschaft – Weibliche Ohnmacht? Perspektiven einer feministischen Kritik an Wissenschaft und Technik, in: DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen &amp; Ökologie. Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987, S. 87–99.</p> Viele Frauen aus den technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen setzten sich für eher pragmatische Herangehensweisen ein, verwiesen dabei auch auf die befreiende und lebensbejahende Seite alternativer Technik und traten dafür ein, aktiv Einfluss auf Forschung und Entwicklung neuer Technologien zu nehmen, um feministische, antirassistische und gegen jegliche Ausbeutungsverhältnisse gerichtete Anliegen und Kritikpunkte durchsetzen zu können.22<p>Vgl. z. B.: o. A.: Bericht der AG Gentechnologie, in: Frauen in Naturwissenschaft und Technik, 12. Nationales Treffen, 8. – 11. Mai 86, S. 89–97.</p> Hegemonial im feministischen Diskurs erwiesen sich aber zunehmend Vorstellungen, die jegliche Technik als potenzielles Instrument patriarchaler Unterdrückung einordneten. Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen lagen sie in der innerfeministischen Debatte, die sich in den 1980er-Jahren zunehmend essenzialisierenden Weiblichkeitsvorstellungen zuwandte und Technik mehr und mehr mit Männlichkeit assoziierte.23<p>Vgl. dazu Bauhardt, Christine, 24.4.2024: FrauenUmweltbewegungen, Zugriff am: 10.12.2024 unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewe…; 

10. [Zehntes] nationales Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Stuttgart 1984
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10. nationales Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Stuttgart 1984

Eine weitere Ursache bildete die wachsende Umweltbewegung, die vor allem in den Aktionsfeldern Anti-Atomkraft, Reproduktionstechnologien und Gentechnik eng mit feministischen Gruppen verzahnt agierte. Hier und innerhalb der aus diesen Strömungen heraus gegründeten Partei Die Grünen herrschte oftmals eine regressive Technikgegnerschaft, die deindustrialisierte Produktionsweisen romantisierte und dabei häufig aus den Augen verlor, was eine solcherart organisierte Gesellschaft an Mehrarbeit im traditionell weiblich konnotierten Bereich der Sorgearbeit bedeutete. Diese Blindheit für Geschlechterfragen in der Umweltbewegung der 1980er-Jahre wurde auf den FiNuT-Treffen kritisiert.24<p>Wrege, Henriette, Die Grüne Technikkritik, Referentin: Sara Jansen, in: o. A.: 10. Nationales Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Stuttgart 1984, S. 89–91.</p>  

 

Entlang ähnlicher Konfliktlinien verliefen die Debatten auf dem ersten, vom Arbeitskreis Frauenpolitik der Grünen im Bundestag 1986 in Köln ausgerichteten Kongress ‚Frauen & Ökologie‘.25<p>DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen &amp; Ökologie. Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987.</p>

Gemeinsam blieb den verschiedenen Strömungen jedoch eine grundlegende Kritik an technikbasierten Machtstrukturen sowie lebensbedrohenden und menschenfeindlichen Technologien. Feministische Technikutopien und Technikkritik erscheinen heute aktueller denn je.

 

Veröffentlicht: 04. Juni 2026
Lizenz (Text)
CC BY-SA 4.0

Verfasst von:

Berit Schallner

ist Historikerin (M. A.) und arbeitet seit 2020 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im FrauenMediaTurm – feministisches Archiv und Bibliothek. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt unter anderem auf der Frauen- und Geschlechtergeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und feministischer Ideengeschichte.

Empfohlene Zitierweise

Schallner, Berit (2026): Technotopia: Technikutopien und Technikkritik in der Neuen Frauenbewegung, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/technotopia-technikutopien-und-technikkritik-der-neuen-frauenbewegung
Zuletzt besucht am: 17.10.2026
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Rechteangabe
  • Schallner, Berit
  • Digitales Deutsches Frauenarchiv
  • CC BY-SA 4.0

Im Rahmen eines DDF-geförderten Projektes mit

  • FrauenMediaTurm – Feministisches Archiv und Bibliothek

Ausgewählte Akteurinnen

Portrait von Christiane Erlemann

Christiane Erlemann

Portrait Ulla Terlinden

Ulla Terlinden

Portrait Kerstin Dörhöfer

Kerstin Dörhöfer

Portrait von Christiane Erlemann

Christiane Erlemann

Portrait Ulla Terlinden

Ulla Terlinden

Portrait Kerstin Dörhöfer

Kerstin Dörhöfer

Alle Akteurinnen

Fußnoten

  1. 1

    Erlemann, Christiane: Frauen und Technik, in: Dokumentationsgruppe der Sommeruniversität e.V.: Frauen als bezahlte und unbezahlte Arbeitskräfte. Beiträge zur 2. Berliner Sommeruniversität für Frauen – Oktober 1977, S. 76–88, hier: S. 76.

  2. 2

    Ebenda, S. 76.

  3. 3

    Bauhardt, Christine, 24.4.2024: FrauenUmweltbewegungen, Zugriff am 10.12.2024 unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewegungen.

  4. 4

    FMT, P02-Erle-12, Protokoll vom nationalen Treffen von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen und Studienfächern in Aachen vom 16.–19.6.1977, Bl. 1.

  5. 5

    Ebenda, Bl. 3; Interview mit Margarete Pauls, FMT, P032-Paul-01, Transkript, S. 9–10.

  6. 6

    Firestone, Shulamith: The Dialecic of Sex: The Case for feminist Revolution, New York 1970, dt.: Frauenbefreiung und Revolution, Frankfurt a. M. 1975.

  7. 7

    Bauhardt: FrauenUmweltbewegungen.

  8. 8

    Vgl. z. B.: D’Eaubonne, Francoise: Feminismus oder Tod – Überlegungen zu einem planetarischen Ökofeminismus, München 1975; Merchant, Carolyn: The Death of Nature. Women, Ecology and the Scientific Revolution, San Francisco 1980; Carson, Rachel: Silent Spring, Boston 1962; Hynes, Patricia H.: The Recurring Silent Spring, New York 1989; DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen & Ökologie. Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987.

  9. 9

    Rehders, Levke (2025): Frauentechnikzentren, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv, Zugriff am 23.05.2025 unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauentechnikzentren.

  10. 10

    Götschel, Helene: Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen in Bewegung. Zur Geschichte des Kongresses Frauen in Naturwissenschaft und Technik 1977 bis 1989 [= NUT Schriftenreihe, Bd. 8], Mössingen-Talheim 2001.

  11. 11

    O. A.: Das ist doch nichts für ein Mädchen. Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern, in: Frauenzeitung: Frauen gemeinsam sind stark, Nr. 11/12, 1976, S. 19–29; Interview-Transkript Christiane Erlemann, 25.09.2018, FMT, PE.02-Erle-02., S. 15–16. 

  12. 12

    O. A.: Bericht vom Eröffnungsplenum, in: o. Hg.: 2. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Hamburg, 6.–8. Januar 1978, S. 2–5.

  13. 13

    Erlemann, Christiane: Frauen und Technik, in: Dokumentationsgruppe der Sommeruniversität e. V.: Frauen als bezahlte und unbezahlte Arbeitskräfte. Beiträge zur 2. Berliner Sommeruniversität für Frauen – Oktober 1977, S. 76–88.

  14. 14

    O. A.: Dokumentation 3. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Frankfurt 4. – 7. Mai 1978, S. 6.

  15. 15

    Fischer, Gudrun: Wie wir die Welt erobern!, in: EMMA 3 (2002), S. 40–43; O. A.: Protokoll der AG Alternative Technik und Ökologie, in: 4. Treffen von Frauen in Naturwissenschaft und Technik, S. 13–15. 

  16. 16

    Ebenda, S. 13.

  17. 17

    Teilnehmerinnen des 6. Treffens der Frauen in Naturwissenschaft und Technik: Solidaritätsadresse, in: o. Hg.: Dokumentation des 6. Treffens der Frauen in Naturwissenschaft und Technik, S. 18. 

  18. 18

    O. A.: Ökologie, in: o. Hg.: Dokumentation des 7. Treffens der Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, S. 30–31.

  19. 19

    Ebenda, S. 35.

  20. 20

    Vgl. z. B.: o. A.: Zurück zur Natur, in: EMMA 10 (1986), S. 10; Götschel, Helene: Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen in Bewegung. Zur Geschichte des Kongresses Frauen in Naturwissenschaft und Technik 1977 bis 1989 [= NUT Schriftenreihe, Bd. 8], Mössingen-Talheim 2001, Kap. 5.1.4., S. 181–187.

  21. 21

    [1] Erlemann, Christiane: 10 Jahre Naturwissenschaftlerinnen- und Technikerinnenbewegung, S. 298–306, dies.: Das Technische ist politisch. Frauen als Subjekte der technologieentwicklung, in: Forum Wissenschaft 6 (1989), H. 4, S. 30–34; Rübsamen, Rosemarie: Natur und Technik – Geist und Gesellschaft, in: Stadtmagazin TÜTE, S. 37, Scheich, Elvira: Männliche Wissenschaft – Weibliche Ohnmacht? Perspektiven einer feministischen Kritik an Wissenschaft und Technik, in: DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen & Ökologie. Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987, S. 87–99.

  22. 22

    Vgl. z. B.: o. A.: Bericht der AG Gentechnologie, in: Frauen in Naturwissenschaft und Technik, 12. Nationales Treffen, 8. – 11. Mai 86, S. 89–97.

  23. 23

    Vgl. dazu Bauhardt, Christine, 24.4.2024: FrauenUmweltbewegungen, Zugriff am: 10.12.2024 unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewegungen.

  24. 24

    Wrege, Henriette, Die Grüne Technikkritik, Referentin: Sara Jansen, in: o. A.: 10. Nationales Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Stuttgart 1984, S. 89–91.

  25. 25

    DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen & Ökologie. Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987.

Ausgewählte Publikationen

  • Bauhardt, Christine, 24.4.2024: FrauenUmweltbewegungen, Zugriff am 10.12.2024 unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewegungen.
  • Carson, Rachel: Silent Spring, Boston 1962.
  • D’Eaubonne, Francoise: Feminismus oder Tod – Überlegungen zu einem planetarischen Ökofeminismus, München 1975.
  • DIE GRÜNEN im Bundestag/AK Frauenpolitik (Hg.): Frauen & Ökologie. Gegen den Machbarkeitswahn, Köln 1987.
  • Erlemann, Christiane: Frauen und Technik, in: Dokumentationsgruppe der Sommeruniversität e.V.: Frauen als bezahlte und unbezahlte Arbeitskräfte. Beiträge zur 2. Berliner Sommeruniversität für Frauen – Oktober 1977, S. 76–88.
  • Firestone, Shulamith: The Dialecic of Sex: The Case for feminist Revolution, New York 1970, dt.: Frauenbefreiung und Revolution, Frankfurt a. M. 1975.
  • FMT, PE.02-Erle-02., Interview-Transkript Christiane Erlemann, 25.09.2018.
  • FMT, P02-Erle-12, Protokoll vom nationalen Treffen von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen und Studienfächern in Aachen vom 16.–19.6.1977.
  • Götschel, Helene: Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen in Bewegung. Zur Geschichte des Kongresses Frauen in Naturwissenschaft und Technik 1977 bis 1989 [= NUT Schriftenreihe, Bd. 8], Mössingen-Talheim 2001.
  • Hynes, Patricia H.: The Recurring Silent Spring, New York 1989.
  • Merchant, Carolyn: The Death of Nature. Women, Ecology and the Scientific Revolution, San Francisco 1980.
  • O. Hg.: 2. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Hamburg, 6.- 8. Januar 1978.
  • O. Hg.: Dokumentation 3. Treffen von Frauen aus Naturwissenschaft und Technik, Frankfurt 4. – 7. Mai 1978.
  • Rehders, Levke (2025): Frauentechnikzentren, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv, Zugriff am 23.05.2025 unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauentechnikzentren.

Links

  • Bauhardt, Christine: FrauenUmweltbewegungen https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewegungen
  • Porträt Christiane Erlemann https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/christiane-erlemann

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