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„Wir wollen mehr als nur Objekt und Subjekt der Wissenschaft werden: wir wollen sie und die Gesellschaft verändern. Radikal.“

veröffentlicht 09. Mai 2018
Von 1976 bis 1983 finden in West-Berlin Frauen-Sommeruniversitäten statt. An diese Geschichte erinnert das DDF, wenn es zu seinem Onlinegang am 15. September 2018 zur Feministischen Sommeruni einlädt.

Schlagworte

  • Frauenbewegung
  • Geschichte
  • Frauenuniversität
  • Universität

Nach dem Vorbild der amerikanischen Women‘s Studies, die es seit Ende der 1960er Jahre in den USA gibt, finden in den Jahren 1976 bis 1983 in West-Berlin die Frauen-Sommeruniversitäten statt. Die erste wird vom 6. bis 10. Juli 1976 von der sog. Gruppe Berliner Dozentinnen von der Freien (FU) und der Technischen Universität (TU) initiiert. Nicht nur Studentinnen, sondern alle Frauen sind eingeladen, die Kurse zu besuchen. Ziel ist es, die geschlechtsspezifische Benachteiligung von Frauen im universitären Raum zu thematisieren.

Entsprechend lautet eine der zentralen Forderungen der ersten Sommeruniversität: „Wir wollen mehr als nur Objekt und Subjekt der Wissenschaft werden: wir wollen sie und die Gesellschaft verändern. Radikal.“ (Vgl. Gruppe Berliner Dozentinnen, Hg. 1977). So geht es u.a. darum, dass Frauen beruflich an den Universitäten Fuß fassen, dass sie eigene Lehr- und Forschungsinhalte bestimmen und dass Themen anders behandelt werden sollen, als es in der traditionellen Wissenschaft der Fall ist. Inhaltlich bieten die Sommeruniversitäten Frauen Raum für feministische Diskussionen und Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Verhältnissen. Sie sind ein wichtiges Austauschforum der Neuen Frauenbewegung und strahlen in die Gesellschaft und verändern sie.

So beginnt sich im Zuge dessen die Frauenbewegung seit den 1980er Jahren zunehmend zu institutionalisieren. 1987 erhält Ute Gerhard die erste Professur mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Und mit dem Sommersemester 1995 nimmt das Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU in Berlin seine Arbeit auf. Auch außerhalb universitärer Einrichtungen bilden sich Museen, Archive, Bibliotheken, Zentren und Zeitschriften, wie beispielsweise 1978 das FFBIZ und 1983 das Archiv der Deutschen Frauenbewegung. Außerdem gründen 1981 die Künstlerin Marianne Pitzen das erste Frauenmuseum in Bonn und die Soziologin Frigga Haug die autonome Frauenredaktion der Zeitschrift „das Argument“ – Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften.

Feministische Sommeruni 2018

An diese feministische Geschichte der Frauen-Sommeruniversitäten erinnert das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) mit Onlinegang und Feministischer Sommeruni im September 2018. Die Sommeruni findet nicht an der FU oder TU, sondern an der Humboldt-Universität (HU) statt. Sie ist DIE historische Universität im Zentrum Berlins. Hier lässt sich die Geschichte der Ersten Frauenbewegung, der Kampf um die Frauenbildung und die Anfänge des Frauenstudiums, der Frauen in Forschung und Wissenschaft mit Bezügen zum Ort erzählen. 1908 werden Frauen hier erstmals zum Studium zugelassen. 1989 gründet sich das Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien und 1997 der Studiengang Geschlechterstudien/ Gender Studies. Beides sind Ergebnisse der konsequenten Bemühungen zahlreicher Wissenschaftlerinnen dieser Universität, feministische Perspektiven in der Wissenschaft zu verankern.
Wie die Frauen-Sommeruniversitäten will die Feministische Sommeruni keine akademische Tagung sein, sondern lädt Frauenpolitische Gruppen von Autonomie bis Institutionen ein…. Alle sind herzlich eingeladen zu kommen und mitzufeiern. Das Programm ist ab Mai 2018 auf der offiziellen Website zu finden. Und hier geht es unverbindlich zur Anmeldung.

 

Quellen:

Bock, Ulla 2015: Pionierarbeit: Die ersten Professorinnen für Frauen- und Geschlechterforschung an deutschsprachigen Hochschulen 1984-2014

Deutschlandfunk Kultur 2016: Erste Sommeruniversität vor 40 Jahren:  Als Frauen anfingen, den Mund aufzumachen, unter http://www.deutschlandfunkkultur.de/erste-sommeruniversitaet-vor-40-jahren-als-frauen-anfingen.976.de.html?dram:article_id=359226

FFBIZ: Von der „schwule(n) Emanzipationsgruppe“ über „Stunk hält jung“ zur queer „theory“, Lesbenpfingstreffen, Sommeruniversitäten und Lesbenwochen in Berlin, unter http://www.ffbiz.de/htdocs/content/kurzgefasste_geschichte1_3.pdf

Gruppe Berliner Dozentinnen (Hg.) 1977: Frauen und Wissenschaft: Beiträge zur Berliner Sommeruniversität der Frauen, Juli 1976

Lenz, Ilse: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland: Abschied vom kleinen Unterschied: Eine Quellensammlung: 2. aktualisierte Aufl. 2010

Plakate:

Die Plakte zu den Frauen-Sommeruniversitäten 1976, 1978, 1979 sind aus dem Bestand des Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek, Berlin 

 

Stand: 09. Mai 2018
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