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Von Aufbruch und Allianzen: die Bremer Lesben- und Frauenbewegung

verfasst von
  • Rebecca Gefken
veröffentlicht 29. Januar 2026
Wie prägen Bremer*innen seit den 1970ern Politik, Kultur und Alltag der Stadt? belladonna widmet sich in einem DDF-Projekt genau dieser Frage – und rückt Perspektiven in den Mittelpunkt, die lange übersehen wurden. „Auf den Spuren der Bremer Lesben- und Frauenbewegung“ macht Projekte und Aktivistinnen sichtbar, die die Szene vielfältig und kämpferisch mitgestaltet haben.
Schlagworte
  • Lesbenbewegung
  • Frauenbewegung
  • Feminismus
  • Aktivismus

Mit dem Aufwind der westdeutschen Frauenbewegung entstanden auch in Bremen zahlreiche Initiativen, Politgruppen und Frauenprojekte. Bereits 1969 gründete sich in der Szenekneipe Lila Eule ein Weiberrat – nach einer Rede der Filmemacherin Helke Sander (*1939) und der Autorin Marianne Herzog (*1939). Im selben Jahr beteiligten sich Bremer Frauen an der spektakulären Selbstbezichtigungskampagne Ich habe abgetrieben und gehörten damit zu den Vorreiterinnen der bundesweiten Aktion im Stern. 

Kurz darauf bildete sich die Gruppe Aktion § 218, die sich – wie viele Initiativen bundesweit – gegen das Abtreibungsverbot engagierte. Ein zentraler Treffpunkt entstand 1975 mit dem Frauenzentrum Auf den Häfen. Das Ziel: ein selbstverwalteter Raum, unabhängig von männlich dominierten Strukturen. Hier fanden Selbsterfahrungsgruppen statt, es gab Beratungen für vergewaltigte und misshandelte Frauen – und sogar eine Kfz-Werkstatt von und für Frauen.

Räume für Selbstbestimmung

In den folgenden Jahren entwickelte sich eine breite Projektlandschaft, die zu zentralen Orten der Bremer Lesben- und Frauenszene sowie zu nötigen Unterstützungsstrukturen führte: Frauen- und Mädchenhäuser, der Frauenbuchladen Hagazussa, Gesundheits- und Therapiezentren, das Frauenkulturhaus (später und bis heute TheaLit), die Initiative Frauennachttaxi, das Lesbentelefon, der Notruf für vergewaltigte Frauen oder Nitribitt – Treffpunkt und Beratung für Sexarbeiter*innen, um nur einige zu nennen. Auch belladonna selbst reiht sich 1986 in diese Bewegung ein – damals noch mit eigener Sauna.

Ein gemeinsamer Höhepunkt war die Bremer Frauenwoche (1983–1993), die jährlich hunderte Teilnehmer*innen anzog. Auch Frauen der BiPoC-Community waren aktiv und gründeten eigene Strukturen, wie das Internationale Frauenbildungs- und Kulturzentrum De Colores. Vernetzung spielte eine tragende Rolle: Im Frauenprojekteplenum diskutierten Aktivistinnen aktuelle politische Fragen, entwickelten gemeinsame Aktionen und tauschten Informationen aus. Der Bremer Frauenkalender, auf Initiative des Frauenkulturhauses entstanden, wurde dort abgestimmt und avancierte zum wichtigsten Informationsblatt der feministischen Szene.

Materialien der Bremer Frauenprojekte ausgebreitet auf einem Tisch aus dem DDF-Projekt von belladonna in Bremen.
belladonna / Nicolli Povijač
Lizenz
Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Materialien der Bremer Frauenprojekte im belladonna-Archiv.

Bedeutung heute

Die Bremer Lesben- und Frauenbewegung hat die Stadt mit ihrem Einsatz für reproduktive Rechte, für sichere Räume, für Antirassismus und für queere Sichtbarkeit nachhaltig geprägt. Viele dieser Themen sind auch heute hochaktuell. Mit der Digitalisierung und Aufbereitung der Materialien öffnet belladonna diese Geschichte neu und macht sie in ihrer Vielfalt zugänglich. Damit werden nicht nur zentrale Quellen bewahrt, sondern auch Perspektiven sichtbar, die in üblichen Erzählungen bislang fehlten: von den Stimmen der BIPoC-Communitys über feministische Gesundheitsprojekte bis hin zu lesbischen Selbstorganisationen. So wird Erinnerung zu einer Ressource für die Gegenwart und zu einer Einladung, die Zukunft feministischer Bewegungen weiterzuschreiben.

Unsichtbares sichtbar machen

belladonna hat sich 1986 aus der autonomen Lesben- und Frauenbewegung in Bremen gegründet. Das Bremer Frauenarchiv und Dokumentationszentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, Geschichte, Wissen von Aktivismus und Widerständen (queerer) lesbisch-feministischer Bewegung(en) regional und überregional sichtbar zu machen.

Das DDF-Projekt von belladonna ist am 1. Januar 2025 gestartet und legt den Schwerpunkt auf Bestände, die bislang wenig beachtet wurden – darunter Biografien von Aktivistinnen, Dokumentationen feministischer Aktivitäten sowie Materialien der BIPoC-Communities. Mehr als 5.000 Seiten werden digitalisiert, zahlreiche weitere Dokumente erschlossen und künftig im META-Katalog recherchierbar sein.

Ergänzt wird die Arbeit durch Interviews mit Aktivistinnen, die über sechs Stunden Zeitzeugnisse beigetragen haben – persönliche Erinnerungen, die schriftliche Quellen kontextualisieren und neue Zugänge eröffnen. Erste inhaltliche Auswertungen erscheinen in Form thematischer Essays im DDF, um zentrale Aspekte der Bremer Bewegung zu beleuchten. Außerdem fand am 29. Oktober 2025 die Abschlussveranstaltung „Feministische Perspektiven – damals und heute“ statt – ein Abend an dem unter anderem Aktivist*innen verschiedene Generationen mit den Besucher*innen ins Gespräch kamen und feministische Kämpfe von gestern und heute reflektierten.

Ausgewählte Beiträge von belladonna im DDF:

  • Aus der Isolation ins Netzwerk – Chronologie der MINT-Mütter seit 1970
  • Bremen in Bewegung?
  • Bremer Lesben- und Frauenbewegung – Geschichte lebendig erhalten

 

Stand: 29. Januar 2026
Lizenz (Text)
CC BY-SA 4.0
Verfasst von
Rebecca Gefken

B.A. (Geschichtswissenschaft & Gender Studies), M.A. (Kunst- und Kulturmanagement) – im DDF-Projekt: Öffentlichkeitsarbeit & Finanzen

Empfohlene Zitierweise
Gefken, Rebecca (2026): Von Aufbruch und Allianzen: die Bremer Lesben- und Frauenbewegung, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/blog/von-aufbruch-und-allianzen-die-bremer-lesben-und-frauenbewegung
Zuletzt besucht am: 13.02.2026
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Rechteangabe
  • Gefken, Rebecca
  • Digitales Deutsches Frauenarchiv
  • CC BY-SA 4.0
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