Talk zu 30 Jahre deutsche Einheit

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„Deutsche Einheit?! Was hat das mit mir zu tun?“ Viele nach der Wende geborene Frauen verstehen sich selbst als feministisch, verbinden Feminismus jedoch selten mit Ostdeutschland. Und auch das Jubiläumsjahr 2020 zeigt: Noch zu oft fehlt es in den Erzählungen von Umbruch und Transformation an ostdeutschen feministischen Perspektiven und Stimmen of Color. 

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv begleitet das Jubiläum 30 Jahre deutsche Einheit mit der Kampagne 30 Jahre geteilter Feminismus. Im gleichnamigen Online-Dossier kommen zahlreiche Zeitzeug*innen zu Wort, historische Dokumente der Frauen- und Lesbenbewegung der DDR und Ostdeutschland werden neu entdeckt und die politischen Etappen der Einigung aus feministischen Blickwinkeln diskutiert. 

Was gibt es feministisch zu feiern? 

Ein Höhepunkt der Kampagne ist der Talk zum Jubiläum: 30 Jahre geteilter Feminismus, im Talkshow-Format moderiert von Esra Karakaya. Die zentrale Frage der Runde lautet: Was gibt es beim Blick auf 30 Jahre deutsche Einheit aus frauen-, gleichstellungspolitischer und feministischer Sicht zu feiern? Die Gäste geben persönliche wie politische Einblicke in ihr Leben und schlagen den Bogen von damals zu aktuell brisanten Debatten. Denn auch 2020 muss für Demokratie und Vielfalt gestritten werden.  

Esra Karakaya moderiert das Gespräch und vertritt eine junge, westdeutsch geprägte Generation intersektionaler Feministinnen. Sie ist Journalistin und Moderatorin, ihr Format Karakaya Talk für WDR/funk wurde mit dem Grimme Online Award 2020 ausgezeichnet.

Sie begrüßt vier Frauen, die alle in der DDR gelebt und die dortigen Umwälzungen erlebt haben. Heute sind sie herausragende Akteurinnen in Bildung, Kultur, Wissenschaft und Politik.

Zu Gast sind: 

Dr. Franziska Giffey ist seit 2018 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von 2015 bis 2018 war sie Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln.

Mai-Phuong Kollath ist interkulturelle Beraterin, Coach und Diversity-Trainerin, sie kam als sogenannte Vertragsarbeiterin 1981 in die DDR und setzt sich für eine Erinnerungspolitik ein, die die Partizipation marginalisierter Gruppen ermöglicht.

Jessica Bock ist Historikern und wissenschaftliche Mitarbeiterin im DDF zum Schwerpunkt zweite Frauenbewegung und Frauenbewegung in der DDR. In ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit der ostdeutschen Frauenbewegung von 1980 bis 2000 am Beispiel Leipzigs.

Peggy Piesche ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, arbeitet in der Erwachsenenbildung und ist in der Bundeszentrale für politische Bildung als Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität tätig.

Vereint feministisch? 

Wenn am 3. Oktober 30 Jahre Einheit gefeiert werden, eröffnet das DDF mit Talk und Dossier vielschichtige Gegenerzählungen und betrachtet auch die Kehrseite der nationalen Einigungseuphorie. Denn nicht allen Ostdeutschen war 1990 zum Feiern zumute. Gerade Frauen aus der DDR erfuhren massive Umwälzungen in allen Bereichen. 

Auch innerhalb der deutschen Frauenbewegungsgeschichte markiert das Umbruchsjahr 1990 eine Zäsur. Nach 40-jähriger Teilung trafen hier zwei Frauenbewegungen aufeinander, die in einer Zeit grundlegender Veränderung zusammen handeln konnten – und mussten. Gemeinsam organisierten sie sich, stellten Forderungen und bereiteten heutigen Frauen- und Lesbenbewegungen den Weg.

Wie ostdeutsch ist also der Feminismus und was können die unterschiedlichen Generationen bewegter Frauen von- und übereinander lernen?

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