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Sabine Balke Estremadoyro – ihr Wirken bleibt

veröffentlicht 30. April 2026
Sabine Balke Estremadoyro (1960–2026) hat feministische Erinnerungsarbeit über Jahrzehnte geprägt. Als langjährige Leiterin des Berliner Spinnbodens, Mitinitiatorin des META-Katalogs und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs schuf sie Strukturen, die feministisches Wissen langfristig zugänglich machen. Im März 2026 ist sie nach schwerer Krankheit verstorben. Der Nachruf versammelt Erinnerungen von Wegbegleiter*innen, Kolleg*innen und Verbündeten.

Schlagworte

  • Frauenbewegung
  • Feminismus

Am 28. April kamen mehr als 160 Menschen in der Kapelle des Alten Luisenstädtischen Friedhofs in Berlin-Kreuzberg zusammen, um Abschied von Sabine Balke Estremadoyro zu nehmen: Kolleg*innen, Freund*innen, Weggefährt*innen und Familienangehörige. Erinnert wurde an Sabine als eine überzeugte Feministin, loyale Freundin und Wahlkreuzbergerin, die Archive als politische Orte und Teil demokratischer Bildung verstand.

„Wir müssen unsere Geschichte selbst bewahren“, betonte Sabine immer wieder. „Es wird niemand anderes für uns machen.“ Sie übersetzte diesen Auftrag in Handlung und war bereit, dafür auch Verantwortung zu übernehmen. Sabine wusste zudem, Glück und politische Notwendigkeit strategisch zu verknüpfen. Verbunden war sie dabei mit unterschiedlichen Communities: lateinamerikanischen, ökologischen wie queer-feministischen.

Dass an diesem Frühlingsvormittag so viele Menschen zusammenkamen, um von ihr Abschied zu nehmen, erzählt auch von ihrem Wirken. Sabine verband Menschen, Themen und Projekte mit der seltenen Fähigkeit, aus Ideen belastbare Strukturen zu machen. Dies erforderte Mut und Pionierinnengeist.

Sabine Balke Estremadoyro
Tanja Schnitzler / Digitales Deutsches Frauenarchiv
Sabine Balke Estremadoyro, 2020.

Von der Idee zur Handlung

„Als 2013 im Koalitionsvertrag der Bundesregierung die Idee formuliert wurde, ein ,Digitales Deutsches Frauenarchiv‘ aufzubauen, war für sie sofort klar: Das sind wir, das ist unser Ding“, erinnert sich Stefanie Pöschl. Mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete sie als Software-Ingenieurin gemeinsam mit Sabine, von Beginn an auch im Digitalen Deutschen Frauenarchiv (DDF). Gemeinsam mit Marius Zierold entwickelten sie den META-Katalog und schufen damit die technischen Grundlagen für das heutige DDF. „Sabine war visionär und zugleich absolut zuversichtlich“, so Pöschl. „Sie begegnete Herausforderungen mit einer Haltung, die man augenzwinkernd auch als ,erst mal gucken, dann mal schauen‘ beschreiben könnte. Ihre Offenheit für Neues und ihre Entschlossenheit haben es möglich gemacht, dass Projekte wie META und das DDF entstehen konnten.“

META ist die zentrale Rechercheplattform der feministischen Erinnerungseinrichtungen im i.d.a.-Dachverband und wird heute millionenfach genutzt. 2012 startete der i.d.a.-Dachverband das META-Projekt, um die Bestände von rund 40 Einrichtungen über eine zentrale Online-Datenbank recherchierbar zu machen. Gestützt von dem Auftrag im Koalitionsvertrag entstand der 2015 veröffentlichte META-Katalog, der seither Informationen zur Frauen- und Lesbengeschichte sowie Geschlechterforschung bündelt, Wissenschaft und Forschung einen direkten Zugang zu diesen Materialien ermöglicht und seit 2016 auch als Datenbasis des DDF dient.

Als das DDF 2016 als Projekt startete, hatte Sabine ein klares Ziel: Das DDF sollte schnell sichtbar werden und bereits Mitte 2018 online gehen – rechtzeitig vor den Feiern zu 100 Jahren Frauenwahlrecht. Und nicht nur ein Fachpublikum, sondern auch die feministische Bewegung selbst, sollte erreicht werden.

So knüpfte sie bewusst an frühere Traditionen an und lud mit dem wachsenden Team der DDF-Geschäftsstelle zu einer Feministischen Sommeruni ein. Von feierlich bis aktivistisch: Im Zuge des Onlinegangs kamen schließlich über 1.000 Menschen an der Berliner Humboldt-Universität zusammen, auch die ZDF-Abendnachrichten berichteten. Diese Weitsicht legte die Basis für das, was folgte – bis hin zur institutionellen Förderung des DDF im Jahr 2020 durch das BMBFSFJ. „Ohne Sabine wären wir nicht hier“, sagen Kolleg*innen bis heute. Was als META-Projekt mit drei Teilzeitstellen begann, ist heute eine Geschäftsstelle mit 14 Mitarbeitenden.

„Ich verliere mit Sabine nicht nur eine Kollegin, Mitstreiterin und Freundin, sondern auch eine Mentorin. Seit über 20 Jahren arbeiteten wir in verschiedenen Rollen zusammen, zuerst im Spinnboden, dann beim Aufbau des META-Katalogs und zuletzt im Digitalen Deutschen Frauenarchiv. Sabine wird fehlen. Gleichzeitig bleibt uns aber das, was sie angestoßen und mit aufgebaut hat.
Dafür bleibt große Dankbarkeit.“
– Stefanie Pöschl, Softwareingenieurin und aktuelle Interimsleitung (04/2026)

Das Private ist politisch

Sabines politische Haltung zeigte sich konkret in ihren Handlungen. Geboren 1960 in Peru, aufgewachsen in Lima und Hannover, zog es sie später nach Berlin. Sie kannte unterschiedliche soziale Wirklichkeiten aus eigener Erfahrung und bewegte sich zwischen Sprachen, Milieus und politischen Kontexten. Sicher auch aus dieser Erfahrung heraus entwickelte sie einen klaren Blick für Macht, Ausschlüsse und Zugänge, der ihr Denken und Arbeiten prägte. Im Studium der Soziologie, Politikwissenschaft und Lateinamerikastudien schärfte sie ihn weiter.

In Berlin-Kreuzberg fand sie den Ort, an dem sie bleiben wollte: politisch, familiär und im Alltag. Sie lebte in einem Hausprojekt, das auch für das DDF-Team zum Begegnungsort wurde, war in ökologischen und feministischen Zusammenhängen aktiv und setzte sich früh für queere Sichtbarkeit ein – im Beruf ebenso wie auf der Straße. Mit ihrer damaligen Partnerin gründete sie eine Familie, zu einer Zeit, in der queeres Familienleben gesellschaftlich und rechtlich noch weit weniger selbstverständlich war als heute. Gerade die Geschichten lesbischer Protagonist*innen sichtbar zu machen, blieb ihr ein zentrales Anliegen.

Mit Maren Bock, selbst in feministischer Archiv- und Kulturarbeit tätig, teilte Sabine bis zuletzt ein partnerschaftliches Leben, in dem politisches Engagement, Alltag und gemeinsames Reisen selbstverständlich ineinandergriffen. Ihre Interessen reichten von Archivpolitik bis Marvel-Filmen: Sie liebte Bücher und Buchhandlungen, Kinobesuche mit ihrem Sohn gehörten ebenso dazu wie strategische Debatten über queere Infrastrukturen und lesbische Sichtbarkeit. Sabine war kein Typ für Blazer. Auch in institutionellen Räumen blieb sie lieber lässig und bei sich.

Sabine mochte Gesellschaft und die produktive Unruhe, die entsteht, wenn Menschen, Perspektiven und Ideen aufeinandertreffen. Vieles von dem, was sie aufgebaut hat, begann mit Begegnung, Gespräch und der Fähigkeit, Menschen miteinander ins Arbeiten zu bringen. Sabine war eine Person, die Dinge vorantrieb, überzeugen und mobilisieren konnte, auch dort, wo zunächst Zweifel bestanden. Mit ihr konnte diskutiert, gelacht und auch gestritten werden. In der Zusammenarbeit wurde sie dabei unterschiedlich erlebt. Unbestritten bleibt ihr prägender Einfluss auf zentrale Infrastrukturen feministischer Erinnerungskultur.

Erinnerung braucht Institutionen

Sabines Arbeit endete nie an den Grenzen einer einzelnen Institution. Ab 2000 leitete sie den Berliner Spinnboden – Lesbenarchiv & Bibliothek e. V., den sie bis 2019 als Archivleiterin und Geschäftsführerin prägte und dem sie anschließend bis zuletzt im Vorstand verbunden blieb. Der Spinnboden ist das älteste und größte Lesbenarchiv der Welt neben dem Archiv Herstory in New York. „2007 erwarb sie durch einen Zufallsfund und eine beherzte Crowdfunding-Aktion die kompletten Ausgaben der lesbischen Zeitschrift Liebende Frauen für den Spinnboden“, heißt es im Nachruf des Spinnbodens, „noch immer eines der Herzstücke des Archivs, welches Nutzer*innen aus aller Welt anzieht.“ Ab 2012 engagierte sich Sabine stark für die Idee eines queeren Kompetenzzentrums für Forschung, Bildung, Geschichte und Kultur.

Im i.d.a.-Dachverband, dem Zusammenschluss von rund 40 Frauen- und Lesbenarchiven, -bibliotheken und -dokumentationsstellen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Italien, wirkte sie ab 2005 über viele Jahre im Vorstand und später als Vorsitzende daran mit, feministische Erinnerungseinrichtungen strategisch stärker zu vernetzen. „Wir haben mit Sabine in vielen Arbeitsgruppen zusammengearbeitet, Projekte entwickelt und dabei manchmal auch um Positionen gerungen, denn sie war eine leidenschaftliche Kämpferin für ihre Visionen. Auf den i.d.a.-Tagungen haben wir zusammen gefeiert und gelacht,“ so im Nachruf des Archivs der deutschen Frauenbewegung (AddF). „Sie wird fehlen und wir werden sie sehr vermissen.“

Auch über das DDF hinaus blieb sie Erinnerungsarbeit institutionell verbunden: seit 2012 als ehrenamtliches Mitglied des Fachbeirats der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, wo sie lesbisch-feministische Perspektiven in Bildungs- und Erinnerungspolitiken einbrachte, ebenso wie als wissenschaftliche Beirätin und Mitglied der Stipendienkommission des Gosteli-Archivs in der Schweiz. Gerade die Auswahl für die Stipendien schätzte sie sehr, um queere Nachwuchsforschung zu unterstützen und daraus spannende Ideen und Verbindungen zu spinnen. Sabine dachte Archive als vernetzte Gedächtnisorte, die Wissen sichern, politische Zusammenhänge sichtbar machen und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

„Sabine hatte immer eine klare Meinung und eine Vision, auf die sie hinarbeitete. Sie war eine unglaubliche Netzwerkerin und unterstützte viele FrauenLesben in ihrem beruflichen Weg. Auf den Spinnboden-Plena und in persönlichen Gesprächen hatte sie immer wieder spannende und lustige Anekdoten zu erzählen.“
— aus dem Nachruf des Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e. V., Berlin

„Ihr Ideenreichtum und ihre Entschlossenheit ermutigten auch uns im FFBIZ, größer zu denken. Als Mitinitiatorin des Elberskirchen-Hirschfeld-Hauses (E2H) verfolgte sie die Vision eines queeren Kompetenzzentrums, das Forschung, Bildung, Geschichte und Kultur miteinander verbindet. Auch wenn dieses Projekt nicht realisiert werden konnte, blieb sie unbeirrt: Mit derselben Energie setzte sie sich für die Verwirklichung eines queeren Archivzentrums ein. Es ist uns ein großes Anliegen, diese gemeinsame Vision in ihrem Sinne weiterzutragen. 
In der Zusammenarbeit mit Sabine haben wir viele intensive Momente erlebt: konstruktive und bisweilen kontroverse Diskussionen, gemeinsames Nachdenken, Planen und Gestalten, aber auch Lachen und Feiern.“
– aus dem Nachruf von Roman Klarfeld für das FFBIZ – das feministische Archiv, Berlin

„Mit ihrem Tod verliert die feministische Archivarbeit eine wichtige Mitstreiterin, deren unermüdliches Engagement für die Bewahrung feministischer Geschichte in Frauenarchiven auch für uns von maßgeblicher Bedeutung war. Mit großem Einsatz hat sie dazu beigetragen, dass einzigartige Dokumente der Frauen- und Lesbengeschichte gesammelt, bewahrt und zugänglich gemacht werden konnten. Diese Arbeit ist für die Gegenwart ebenso bedeutsam wie für kommende Generationen.“
– aus dem Nachruf der FrauenGenderBibliothek Saar

„Sabine Balkes Wirkungskreis ging weit über Berlin hinaus. […] Mit ihr verliert die queer-feministische Archivwelt eine engagierte Visionärin, erfolgreiche Strategin und charmante Kollegin, deren Arbeit noch lange in der Welt wirken wird.“
– aus dem Nachruf von Friederike Mehl für das Alice Salomon Archiv, Berlin

„Als Netzwerkerin, engagierte Aktivistin und Türöffnerin hinterlässt sie ein reiches Vermächtnis. Ihre Arbeit wird in den Archiven, Projekten und Beziehungen weiterwirken.“
– aus dem Nachruf von CID – Fraen an Gender, Luxemburg

„,Mexiko – Stadt der Frauen‘ hieß die Ausstellung, von der wir – Frauen aus der Bochumer Frauen-/Lesbenszene – im Februar 1992 begeistert waren. […] Ein feministisches Projekt, an dem fast 40 mexikanische Frauen- und Lesbengruppen und -organisationen mitgewirkt hatten. […] Knapp 30 Jahre später saß ich mit Sabine am Tisch in einer Kneipe, in der wir nach einem arbeitsreichen Tag unseres jährlichen Archivetreffens zu Abend aßen. Wir kannten uns seit ca. 2 Jahrzehnten, seit sie für den Spinnboden an den Treffen teilnahm. [I]rgendwann kam die Sprache auf die Ausstellung und Sabine sagte, dass sie daran mitgewirkt hatte […] lange schon, bevor wir uns im Frauen-/Lesbenarchivezusammenhang begegneten und sicher nicht nur aufgrund ihrer Sprachkenntnisse. Wir hatten eine unerwartete Gemeinsamkeit entdeckt. Uns bleibt die Erinnerung. Mehr nicht. Aber sie ist kostbar.“
– Rita Kronauer für ausZeiten, Bochum

„Zum Festakt anlässlich unseres 10-jährigen Jubiläums vor 5 Jahren formulierte sie eine Bitte: ,…ich wünsche mir, dass auch weiterhin lesbisch-feministische, queere Inhalte ein Zuhause in der Bundesstiftung finden.‘ Wir werden ihr ein ehrendes Angedenken bewahren, auch indem wir ihrem Wunsch entsprechen und in ihrem Sinne weiterarbeiten.“
– aus dem Nachruf der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Berlin

„Wir haben Sabine kennengelernt als wissenschaftliche Beirätin und als Mitglied unserer Stipendien-Kommission. Die Zusammenarbeit mit ihr war nicht nur inhaltlich bereichernd und inspirierend, sondern auch freundschaftlich, verbunden und einfach kostbar.“
– Mitarbeiterinnen des Gosteli-Archivs, Worblaufen/Schweiz

„She really was an inspiring expert in her field
and always full of cheerfulness and humor.
I have fond memories of meeting her in Bern. She will be missed.“ 
– Eric de Ruijter, International Institute of Social History, Amsterdam/Niederlande, Zusammenarbeit im Wissenschaftlichen Beirat des Gosteli-Archivs

Sabine war ihrer Zeit voraus. Sie verstand Archive als politische Orte – als Räume des Erinnerns, des Widerstands und der Zukunft. Was bleibt, ist mehr als ihr Werk: Es ist eine Haltung. Ein Anspruch. Eine Spur, die nachhaltig wirkt.
– aus dem Nachruf von belladonna – Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen e.V., Bremen

DDF-Gremien & Politische Netzwerke

Damit feministische Erinnerungsarbeit dauerhaft bestehen kann, braucht es politische Bündnisse, institutionelle Verbündete und Menschen, die über Jahre hinweg für ihre Notwendigkeit eintreten. Dass aus Projekten wie META und dem DDF tragfähige Strukturen wurden, war auch Ergebnis beharrlicher Gremienarbeit, strategischer Allianzen und eines langen politischen Atems. 

Sabine verstand früh, dass feministische Wissens- und Erinnerungsarbeit neben dem Aufbau auch in Beiräten, Verbänden, Ministerien und über institutionelle Grenzen hinweg politisch vermittelt, legitimiert und abgesichert werden muss. Viele der Strukturen, die heute bestehen, sind auch das Ergebnis dieser Bündnisse.

Auch Bundesministerin Karin Prien (BMBFSFJ) spricht ihr Beileid aus, das Bundesfamilienministerium hat das DDF von Beginn an finanziert. In ihrem Kondolenzschreiben heißt es: „Frau Balke-Estremadoyro hat mit ihrem langjährigen Engagement für den Erhalt des kulturellen Erbes der Frauengeschichte, der Archivierung der Frauenbewegungsgeschichte und der Gründung und des Aufbaus des Digitalen Deutschen Frauenarchivs viel bewirkt.“

„Wir haben ihr Engagement, ihre Kompetenz und ihre langjährige Erfahrung in unserer Zusammenarbeit sehr zu schätzen gewusst. Ihre aufgeschlossene, sachliche und fröhliche Art hat unsere gemeinsame Tätigkeit für Frauengeschichte und die Erhaltung des kulturellen Erbes der Frauengeschichte stets inspiriert und unterstützt. Wir werden sie in unserem Kreis, bei unseren Sitzungen und Entscheidungen, sehr vermissen.“ 
– der Wissenschaftliche Beirat des Digitalen Deutschen Frauenarchivs: Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Wulf, Prof. Dr. Karin Schwarz, Prof. Dr. Kirsten Heinsohn, Prof. Dr. Gisela Mettele, Dr. Beate von Miquel, Dr. Katrin Moeller, Francesca Schmidt, Prof. Dr. Lale Yildirim

„[E]ine ihrer Einsichten aus dem Studium der Frauengeschichte lautete: Dort, wo die Frauenbewegungen miteinander diskutieren und Kompromisse aushandeln, sind sie am stärksten. So war sie mit dem i.d.a.-Dachverband 2007 genau richtig im Deutschen Frauenrat, der seit fast 75 Jahren unterschiedliche Positionen der weiblichen Zivilgesellschaft eint und an die Politik vermittelt. Fast 20 Jahre hat Sabine Balke als Delegierte den Dachverband der deutschsprachigen Frauen / Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen im DF vertreten.
Wir werden sie als engagierte Kämpferin für Gleichstellung und als kluge Netzwerkerin vermissen und uns gern an sie erinnern.“
– Dr. Beate von Miquel, Deutscher Frauenrat

„Als entschiedene und humorvolle Streiterin für Gleichstellung und Frauenrechte hat sie uns beeindruckt und inspiriert. Ihr Engagement, ihre Kompetenz, ihre Menschlichkeit und ihre Herzlichkeit werden fehlen.“
– Dr. Martina von Bassewitz, Referatsleiterin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Sonka Gerdes, Referentin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend

„Danke für alles!“ 

Beigesetzt wurde Sabine Balke Estremadoyro auf dem Alten Luisenstädtischen Friedhof in Berlin-Kreuzberg. Ihr Grab liegt unter freiem Himmel, gerahmt von Ahornbäumen und Buchen, unweit der Kapelle, in der am 28. April so viele Menschen zusammenkamen, um sich von ihr zu verabschieden. Eine wichtige Rolle spielte bei der Trauerfeier auch Musik, unter anderem von einem Chor aus Freundinnen, die lateinamerikanische Lieder sangen. An der Grabstelle rief Mahide Lein, selbst Aktivistin, Zeitzeugin und Wegbegleiterin von Sabine, ihr einen letzten Gruß zu: „Mach’s gut, Schatz! Und danke für alles!“ Ein Abschied, dessen Wärme und Unmittelbarkeit Sabine vermutlich gefallen hätten.

Sabine Balke Estremadoyro hat Archive geöffnet, Projekte angestoßen und Netzwerke geprägt. Sie hat Strukturen geschaffen, die bleiben. Ihr Wirken ist sichtbar in den Räumen, die heute genutzt werden, in den Verbindungen, die entstanden sind, und in den Erinnerungen vieler, die mit ihr gearbeitet haben. Was bleibt, ist nicht nur die Erinnerung an Sabine, sondern auch das, was sie aufgebaut hat: Bedingungen, unter denen andere diese Arbeit weiterführen können – für eine demokratische und feministische Zukunft.

Blick in die Kapelle zur Trauerfeier für Sabine Balke Estremadoyro
Maren Bock
Lizenz
Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Abschied in der Kapelle des Alten Luisenstädtischen Friedhofs in Berlin-Kreuzberg von Sabine Balke Estremadoyro, 28. April 2026. Statt um Blumen wurde um Spenden für den Berliner Spinnboden gebeten.

Weitere Erinnerungen an Sabine Balke Estremadoyro:

  • Traueranzeige in der bundesweit erscheinenden Printausgabe der taz, 28.03.2026
  • Kondolenzschreiben der Bundesministerin Karin Prien
  • Nachrufe in der L-Mag & Siegessäule
Stand: 30. April 2026
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