Rosa Manus – Gründerin des ersten internationalen Frauenarchivs

geschrieben von Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel veröffentlicht 29. August 2018

Im letzten Jahr wurde die englischsprachige materialgesättigte Dokumentation „Rosa Manus (1881-1942). The international life and legacy of a Jewish Dutch feminist” veröffentlicht, die über das Wirken der jüdisch-niederländischen Feministin und Friedensaktivistin aufklärt. Das Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel lädt die beiden Herausgeberinnen Dr. Myriam Everard und Prof. Dr. Francisca de Haan sowie eine der Beiträgerinnen – Dr. Annika Wilmers – zur Feministischen Sommeruni ein, um Rosa Manus Biografie vorzustellen.

Biografische Spuren

Rosa Manus wurde am 20. August 1881 als Rosette Suzanna Manus in Amsterdam als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Zeit ihres Lebens war sie von einer international verbindenden Schwesternschaft aller Frauen überzeugt und schrieb den Frauen qua Geschlecht eine besondere Verantwortung für die Bewahrung des Friedens zu. In der Zwischenkriegszeit zählte Rosa Manus zu den führenden Frauen im Kampf um das Frauenwahlrecht. Darüber hinaus wird ihr umfangreiches politisches Engagement deutlich, wenn man sich die Liste ihrer zahlreichen Mitgliedschaften anschaut. Für mehr als drei Jahrzehnte war Rosa Manus aktiv in verschiedenen Frauenorganisationen tätig: u. a. war sie Mit-Initiatorin des International Congress of Women 1915 in Den Haag; seit 1926 war sie Vize-Präsidentin der International Alliance of Women (IAW); seit 1926 Sekretärin des International Committee for Peace and the League of Nations – um nur einige zu nennen. Rosa Manus war an einer Reihe von Friedensaktionen beteiligt, bspw. spielte sie als Vize-Präsidentin eine führende Rolle bei der Initiative des Peace and Disarmament Committee of the Women’s International Organisations, die Millionen von Friedenspetitionen sammelte, um sie bei der Eröffnungssitzung der 1932 in Genf stattfindenden World Disarmament Conference zu präsentieren.

Rosa Manus, 1928

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten – dreifache Feindin

Nachdem Hitler 1933 an die Macht kam, konzentrierte Rosa Manus ihr Engagement stärker auf jene Organisationen, die sich hauptsächlich mit dem Nationalsozialismus als Gefahr auseinandersetzten. Im gleichen Jahr wurde sie board member des International Committee for Securing Employment for Refugee Professional Workers, das in Genf gegründet wurde. Wie viele europäische jüdische Frauen dieser Jahre zollte sie ihrer jüdischen Identität wenig Aufmerksamkeit, sondern sah ihr feministisches Engagement als Hauptaufgabe. Erst im Laufe 1930er und 1940er Jahre wurde der wachsende Antisemitismus und die zunehmende Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung immer dringlicher. Rosa Manus entwickelte im Laufe der Zeit die Überzeugung – und schrieb darüber auch bei verschiedenen Gelegenheiten – dass der Kampf für den Frieden und gegen Hitlers Politik nur durch eine Kooperation mit der Linken möglich sei. 1936 wurde sie Organizing Secretary des bevorstehenden Friedenskongresses der Rassemblement Universel pour la Paix (RUP). Als Jüdin, als bekannte internationale Feministin und als Kämpferin für den Frieden und gegen den Nationalsozialismus war Rosa Manus eine dreifache Feindin der Nationalsozialisten. Nach der nationalsozialistischen Besetzung der Niederlande, wurde sie verhört und im August 1941 verhaftet. Ihre Deportation lässt sich rekonstruieren und führte über Scheveningen, Düsseldorf und Berlin nach Ravensbrück, wo sie am 7. November 1941 ankam. Von dort wurde sie im Rahmen von Maßnahmen zur sogenannten ›Sonderbehandlung‹ zwischen November 1941 und Januar 1942 nach Bernburg verlegt. Sie wurde dort im März 1942 in den Gaskammern ermordet.

Das Internationale Frauenarchiv – IAV

Eine der bedeutendsten Lebensleistungen von Rosa Manus war 1935 ihre Initiative zur Gründung eines Internationalen Frauenarchivs (International Archives for the Women’s Movement, IAV), das bereits im Dezember 1936 eröffnet werden konnte und dessen erste Präsidentin sie war. Von Februar bis Mai 1940 brachte Manus einen großen Teil ihrer eigenen Unterlagen hier unter. Sie hoffte, dass diese so sicher verwahrt seien. Doch leider war das nicht der Fall. Nur wenige Wochen nach der deutschen Invasion in den Niederlanden wurde das IAV geschlossen und im Juli 1940 der gesamte Bestand nach Berlin gebracht. Lange Zeit war nicht klar, wo das „Internationale Frauenarchiv“ verblieben war oder ob es überhaupt noch existierte bis schließlich 1992 die Unterlagen in einem Geheimarchiv in Moskau entdeckt wurden. 2003 konnten sie wieder nach Amsterdam zurückgeführt werden. Es ist heute bei den niederländischen WINE-Kolleginnen von „Atria - Kennisinstituut voor Emancipatie en Vrouwengeschiedenis“ für die Öffentlichkeit sowohl vor Ort als auch im Netz nutzbar.

Das Archiv der Deutschen Frauenbewegung lädt ein zu Vortrag und Gespräch „Rosa Manus und die internationale Frauenbewegung“ am 15.9. um 14.30 Uhr im Rahmen der Feministischen Sommeruni.


Weiterlesen

Everard, Myriam; Haan, Francisca de (Hg.): Rosa Manus (1881-1942). The international life and legacy of a Jewish Dutch feminist, Leiden/Boston: Brill 2017, 473 S.

atria: Institute on gender equality and women's history unter

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