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Listen to the Archive: Feminismus heißt Schutz – Antigewaltarbeit hat Geschichte

veröffentlicht 17. Dezember 2025
Folge 12. Gewalt gegen Frauen und queere Menschen ist kein „Einzelfall-Thema“ – sie ist strukturell, historisch und bis heute erschreckend alltäglich. Was hat es gebraucht, damit Gewalt als politisches Unrecht begriffen wurde? Und was sagt die Geschichte der Antigewaltbewegung darüber, was wir heute (noch immer) dringend brauchen: Schutzräume, Finanzierung, Prävention?
Schlagworte
  • Gewalt gegen Frauen
  • Gewalt
  • Sexualisierte Gewalt

Feminismus hat Geschichte! Und die ist politisch, bewegt und reich an Auseinandersetzungen. Sie erzählt von Solidaritäten und Brüchen, sie hat viele Gesichter, Perspektiven und nicht zuletzt Schultern, auf denen auch heute Feminismus gelebt, gedacht und ausgehandelt wird. Von Frauenstreiks bis Cyberfeminismus, von Pionier*innen in Sport oder Sprache: Der DDF-Podcast blickt auf Akteur*innen und Phänomene aus mehr als 200 Jahren feministischer Bewegungsgeschichte. 

Was trennt, was verbindet – damals und heute? Wir öffnen feministische Zeitkapseln und Schatzkisten, treffen Historiker*innen, Zeitzeug*innen und weitere Expert*innen – und nehmen euch mit auf eine Entdeckungstour durch die feministischen Archive. Listen to the Archive!

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Folge 12: Feminismus heißt Schutz – Antigewaltarbeit hat Geschichte

Wenn wir heute über geschlechtsspezifische Gewalt sprechen, sprechen wir über Strukturen: über Abhängigkeiten, Tabus und die Frage, wer Schutz bekommt – und wer nicht. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Gewaltschutz immer erkämpft wurde und bis heute verteidigt werden muss.

In dieser Folge besuchen wir zwei i.d.a.-Einrichtungen in Bochum, ausZeiten und LIESELLE, und sprechen mit DaMigra darüber, warum Gewaltschutz immer auch eine Frage von Macht, Zugängen und politischen Rahmenbedingungen ist.

„Gewalt ist ein riesiger Begriff“, sagt Rita Kronauer, Mitbegründerin von ausZeiten in Bochum. Sie führt uns durch Regalreihen voller sorgfältig beschrifteter Ordner. Allein die Kategorien erzählen Geschichte: von Femiziden, Prozessbeobachtungen und Debatten über sexualisierte Gewalt bis zur seit 2009 geführten Kategorie „sexualisierte Gewalt durch prominente Männer“. Gewalt wird hier als umkämpfter Begriff sichtbar – von alltäglichem Sexismus über digitale Gewalt bis zur sexualisierten Kriegsgewalt – und als Grundlage dafür, dass heutige Debatten überhaupt möglich sind.

Bei LIESELLE begegnen wir Gewalt auch als Gegenwartserfahrung: Eine bestickerte Holztür ist zum Archivstück geworden – entstanden nach queerfeindlichen, antifeministischen Angriffen. Sticker wie „Du bist nicht allein“ dokumentieren Einschüchterung und Widerstand zugleich und erinnern daran: Räume zu schaffen, ist eine Reaktion auf Gewalt – gegen Unsichtbarkeit und Ausschluss. 

Und die Geschichte der Antigewaltarbeit bleibt hochaktuell: Beratungsstellen melden steigende Anfragen, Schutzplätze fehlen, Angebote sind oft nicht barrierefrei und unsicher finanziert. Genau hier setzt das Gespräch mit Rebecca Vinci von DaMigra an, die im Bündnis Istanbul-Konvention eine intersektionale Perspektive in den Alternativbericht einbringt – denn trotz staatlicher Verpflichtungen klafft zwischen Anspruch und Realität eine politische Lücke.

Mehr feministische Geschichte erzählen

Durch den Podcast begleitet Birgit Kiupel – Bewegungs- und Radiofrau, Zeichnerin, promovierte Historikerin und DDF-Geschichtsexpertin. Sie führt mit Gespür für Fundstücke durch Archive und Debatten – und stellt Verbindungen her zwischen damaligen Kämpfen und heutigen Auseinandersetzungen.

„Listen to the Archive. Der DDF-Podcast zu feministischer Geschichte“ erscheint quartalsweise – überall dort, wo es Podcasts gibt.

Mit: Rita Kronauer (ausZeiten), Begüm Karagöz & Kat Teichmann (LIESELLE), Rebecca Vinci (DaMigra) und Auszügen von Christina Clemm aus einem DDF-Interview.

Konzept: Birgit Kiupel & Steff Urgast
Schnitt/Mischung: Christian Alpen
Sound Design: Azadeh Zandieh

Digital. Divers. Feministisch.

#gewaltschutz #antigewalt #feminismus #erinnerungskultur #istanbulkonvention #solidaritaet #intersektionalitaet #listentothearchive #ddfarchiv

Ausgewählte Buch- & CD-Tipps zur Vertiefung:

  • Zur politischen Einordnung empfehlen sich Christina Clemm, Akteneinsicht (2020) und Gegen Frauenhass (2023).
  • Zur Sichtbarmachung von Gewalt auch in der Kunst: Genie – Gewalt – Geschlecht (Hg. Anke Charton, Elisabeth Treydte, 2025) analysiert Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt im Musikbetrieb – interdisziplinär, kritisch und nah an Betroffenenperspektiven.
  • Dazu passt das Klavierwerk Trauma und Rückgrat von Jan Müller-Wieland (2021), gewidmet Shoko Kuroe und der #metoo-Bewegung. 

***Hilfe & Beratung***
Diese Folge thematisiert verschiedene Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Wenn du selbst betroffen bist oder Unterstützung suchst, wende dich bitte an eine Beratungsstelle vor Ort oder an bundesweite Hilfsangebote – etwa das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ oder Fachberatungsstellen im bff-Netzwerk (u.a. auch DaMigra). 
 

Stand: 17. Dezember 2025
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