Für ein offenes Land mit freien Menschen

veröffentlicht 18. Juni 2019

Frauen in Bewegung

Leipzig 1989
Leipzig, Montagsdemonstration, 4. Oktober 1989. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1204-036, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Vor 35 Jahren gründete Ute Leukert mit anderen Frauen die Leipziger Gruppe Frauen für den Frieden, eine der ältesten subversiven Gruppen der Stadt. 1982 sah ein Wehrdienstgesetz erstmals vor, Frauen bei einer Mobilmachung einzuberufen.[1] Gegen dieses Gesetz, gegen die zunehmende Militarisierung von Gesellschaft und insbesondere der Erziehung wurde Ute Leukert aktiv. Die Gruppe traf sich regelmäßig und entwickelte ein DDR-weites Netzwerk engagierter Frauen.[2]

Für ein offenes Land mit freien Menschen stand auf dem Transparent, das Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns am 4. September 1989 vor der Nikolaikirche in Leipzig entrollten – die Aktion markierte einen Auftakt für die großen Montagsdemonstrationen in Leipzig, von denen aus die Friedliche Revolution vor 30 Jahren ihren Lauf nahm.

Bei der Feministischen Sommeruni Leipzig 2019 sind neben Katrin Hattenhauer und Ute Leukert auch Gisela Kallenbach, Gerlinde Schermer und Kathrin Mahler Walther als Zeitzeuginnen Gäste der ersten Gesprächsrunde.

Alltag DDR

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist es Zeit, die Geschichte der Demokratiebewegung auch als Geschichte von Frauen zu erzählen. Nicht nur Historiker*innen, auch Soziolog*innen sollten ihren Blick wieder und neu auf Ostdeutschland richten – denn zwischen Diktatur und Friedlicher Revolution liegt das alltägliche Leben im Sozialismus.

Hier setzte vor 20 Jahren das Projekt Frauengedächtnis an. Insgesamt wurden 500 lebensgeschichtliche Interviews mit europäischen Frauen geführt, darunter 130 Gespräche mit Frauen aus Ostdeutschland. Für das Digitale Deutsche Frauenarchiv werden diese Interviews nun digital aufbereitet: Karin Aleksander und Heike Schimkat arbeiten an der Sicherung und sprechen am 28.6. davon, was Frauen über ihren Alltag in der DDR berichten. Dieser Alltag, gelebtes Leben, verschwindet noch zu oft hinter dem radikalen Auf- und Umbruch, der in Leipzig begann.

Zukunft braucht Erinnerung

Frauen wissen: Gleiche Rechte fallen nicht vom Himmel. Forderungen, die im Umbruch 1989 formuliert wurden, waren im ,patriarchalen Geschäft‘ der ,Wende‘ schnell vom Tisch. Und was einmal erkämpft wurde und selbstverständlich war, kann wieder verloren gehen: Vom Recht auf Erwerbsarbeit über umfassende Kinderbetreuung bis zum liberalen Recht auf Abtreibung hatten ostdeutsche Frauen einen Emanzipationsvorsprung.

Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag sank 2017 auf 31,7 Prozent. In Sachsens Landtag liegt die Quote ebenso niedrig – bei 31,3 Prozent. Deshalb setzt sich das Frauen.Wahl.LOKAL Oberlausitz dafür ein, dass der Anteil von Frauen zu den Wahlen im Jahr 2019 nicht noch weiter absinkt. Brandenburg legte bereits vor und verabschiedete Anfang 2019 das erste Paritätsgesetz in Deutschland. Wie mobilisiert die sächsischen Politik heute Bürger*innen für Demokratie? Das ist Thema in der Auftaktrunde.

Vor 30 Jahren veränderten Frauen die Republik. Gleichstellung und ein demokratisches Europa: Diese Forderungen der ostdeutschen Frauenbewegung sind heute hochaktuell. Am 28.6. laden Frauen in drei Runden dazu ein, zuzuhören und mitzudiskutieren. Willkommen bei der Feministischen Sommeruni Leipzig 2019!

 

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