Frauenrechte – Menschenrechte: Ein Rückblick

geschrieben von Veza Clute-Simon veröffentlicht 12. Dezember 2017

Vom Rundbrief zum Newsletter – das war der Titel einer am 7.12. von Terre des Femmes in Berlin organisierten Veranstaltung zum Abschluss ihres Digitalisierungsprojektes im Rahmen des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF). In kleinteiliger Arbeit haben Ute Binder, Melanie Götz und wechselnde Praktikantinnen seit 2016 versucht, die Geschichte des Vereins durch die Digitalisierung von Dokumenten langfristig zu sichern und sie so der Forschung und nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen. Digitalisierung, so betonte Melanie Götz zu Beginn, beinhalte dabei nicht nur das digitale Erfassen der Materialien, sondern vor allem auch die Auswahl und Aufbereitung derselben. Nicht alles sei digitalisiert worden, aber es sei ihrer Meinung nach gelungen, die Vielfalt der Kampagnen aus 36 Jahren Vereinsgeschichte sichtbar zu machen.

Gleichbeliebende Themen – Wandel von Gestaltung, Sprache, Form

Die Fragen, wie sich das Engagement von Terre de Femmes (TDF) seit der Gründung des Vereins 1981 verändert hat und wie sich dies in den erstellten Materialien widerspiegelt, stand im Zentrum des Abends. In einer Präsentation machte Ute Binder, die Leiterin der TDF-Dokumentationsstelle und Koordinatorin des TDF-Digitalisierungsprojektes, zunächst eine kleine Zeitreise vom ersten Rundbrief 1982 bis zum digitalen Newsletter, wie er heute erscheint. Stationen, die sie auf dem Weg streifte, waren etwa die Einrichtung der ersten eigenen E-Mail-Adresse 1994, das Erscheinen der TDF-Zeitschrift ab 1996 und der Start der TDF-Homepage 1998. Im Anschluss fand eine Podiumsrunde mit Jessica Bock (DDF-Expertin für die ostdeutsche Frauenbewegung), Juliane von Krause (TDF- Städtegruppenkoordinatorin), Naïla Chikhi (Leiterin des TDF-Projekts CONNECT) und Christa Stolle (TDF-Bundesgeschäftsführerin) statt. Auf dem Podium fragte Ute Binder die unterschiedlichen Gästinnen sehr direkt nach ihren persönlichen Erfahrungen. Damit füllte sie die Darstellung der Vereinsgeschichte mit Leben und ging den Themen nach, die trotz veränderter Gestaltung, Sprache und Protestformen noch immer eine hohe Aktualität haben. Globale Ausbeutung in der Textilindustrie, der Abtreibungsparagraph 218 und geschlechtsspezifische Fluchtgründe waren nur einige der dabei angesprochenen.

Knapp vier Jahrzehnte Erfahrung in Protest und klaren Worten

Christa Stolle erzählte beispielsweise von Protestaktionen Ende der 1980er Jahre, mit denen TDF die Arbeiterinnen einer südkoreanischen Zulieferfabrik der deutschen Modemarke Adler in ihrem Arbeitskampf unterstütze. Juliane von Krause teilte ihre Erfahrung von der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking. Während die Vorstellung einer weltweiten Frauenbewegung damals eine große Faszination auf sie ausübte, sei ihr auch klar geworden, dass hier die Gefahr bestand, eine koloniale Sicht zu reproduzieren. Die TDF-Städtegruppenkoordinatorin erzählt auch von der ersten TDF „Männerkampagne“ im Jahr 2000, die Männer aufrief, Frauenhandel und Prostitution von sich aus ein Ende zu bereiten. Dies habe jedoch nicht den gewünschten Erfolg gehabt, weshalb TDF zu härteren Positionen und schließlich der Forderung eines „Sexkaufverbots“ gelangt sei. Eine Forderung, die  innerhalb feministischer Kreise nicht von allen geteilt wird und über die Feminist*innen streiten.

Mit Bezug auf aktuelle Aktionen informiert Naïla Chikhi über das TDF-Projekt CONNECT, das Frauen mit und ohne Fluchterfahrung als Patinnen zusammenbringen will. Damit würde TDF an ihr langjähriges Bemühen um die Aufnahme geschlechtsspezifischer Fluchtgründe anknüpfen.

Ganz zum Schluss geht es noch einmal darum, welche Chance die neuen Medien für einen Verein wie Terre des Femmes und die Frauenbewegung insgesamt spielen. Jessica Bock hebt positiv hervor, dass dadurch neue Möglichkeiten, sich zu vernetzten und Gehör zu verschaffen, entstehen. Die große Herausforderung bestehe jedoch darin, die kurzfristige Interaktion in ein langfristiges Engagement münden zu lassen. Denn zu tun gibt es immer noch genug.

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