Frankfurter Frauenblatt und Autonomia – (queer-) feministische Zeitschriften und Zines aus dem Rhein-Main-Gebiet von den 1970er-Jahren bis heute
Unter dem Titel „Mathilde, Autonomia und Lustblättchen – (queer-) feministische Zeitschriften des Rhein-Main-Gebiets von den 1970ern bis heute intersektional betrachtet“ widmet sich das diesjährige DDF-Projekt des LUQS - Lesbenarchiv und queere Sammlung der Erschließung, Erfassung und Digitalisierung mehrerer regionaler Zeitschriftenreihen. Damit sollen der Zeitschriftenbestand des LUQS langfristig erhalten bleiben, Lücken im META-Katalog geschlossen und die regionale queere Mediengeschichte der 1970er-Jahre bis heute sichtbar gemacht werden.
Digitalisierung von Zeitschriften – und ein Überraschungsfund
So wurde das aus der Frankfurter Frauen- und Lesbenbewegung heraus entstandene Frankfurter Frauenblatt (1978–1992), akribisch in der FAUST-Datenbank erfasst, fachgerecht umgelagert und zusammen mit der Vorgänger-Zeitschrift Frauen wisst ihr schon? (1976–1978) digitalisiert.
Hinzu kam ein Überraschungsfund: eine großformatige Chronik des Wiesbadener Frauenbuchladens Sappho, die aus Erhaltungsgründen dringend digitalisiert werden musste. Weiterhin werden alle Hefte der Darmstädter Zeitschrift Mathilde: Das nicht-kommerzielle Frauenmagazin (1992–heute), ehemals Frauenmagazin für Darmstadt und Region, mit detaillierter Angabe der in den Heften enthaltenen Artikeln erfasst und damit einfacher durchsuchbar gemacht.
Unterrepräsentierten Stimmen Raum geben
Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Sichtung und Ergänzung des Bestands hinsichtlich des Kriteriums der Perspektiven und Beiträge von Migrant*innen, BIPoC und anderen häufig unterrepräsentierten Stimmen. Das umfasst auch die Erwerbung, Erfassung und Digitalisierung von bisher nicht gesammelten Zeitschriften und Zines. Über umfassende Recherche und Vernetzung in der regionalen queeren Szene konnten bereits unterschiedliche Zeitschriften und Zines für den Bestand des LUQS akquiriert werden.
Dazu gehören die in den frühen 2020ern im Eigenverlag publizierte intersektional-queerfeministische Zeitschrift Autonomia – Zine für queer-/feministische Selbstorganisierung & Empowerment sowie das in den frühen 2010ern im Dunstkreis des Frankfurter TINFLA-Barabends Fransenbar (ehemals: FrauenLesbenTrans*Café) entstandene Zine Stutenschizs und viele weitere groß-, klein- und kleinstformatige Zines aus der lokalen queerfeministischen Bewegung der letzten Jahrzehnte.
DIY Zines
Um Interessierten auch die regionalen Zeitschriften und das Medium Zine näherzubringen, veranstaltete das LUQS im Sommer im Rahmen des DDF-Projekts ein „meet and read“. Dabei konnten Besucher*innen im Archiv in ausgewählten Zeitschriften schmökern, die Archivarbeit kennenlernen und in einem Workshop mit Zine-Künstler*in Fio Fiorel eigene kleine Werke aus Dubletten des Frankfurter Frauenblatts und anderen Schnipseln aus dem Bestand des LUQS basteln.
Redaktionsgeschichte live
Highlight der bisherigen Projektarbeit war das Zeitzeug*inneninterview mit drei ehemaligen Redaktionsmitgliedern der Zeitschrift Mathilde. Die drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen konnten den Projektmitarbeiter*innen viel Spannendes aus den verschiedenen Phasen der Mathilde-Redaktion erzählen, von der Gründung 1992 bis zur Einstellung der Printausgabe 2025. Gerahmt von Fragen zur intersektionalen Publikationspraxis der Mathilde, den Entscheidungsprozessen der Redaktion und dem Selbstverständnis der Zeitschrift entstand ein facettenreiches Bild mit all den Höhen und Tiefen, die die jahrzehntelange selbstverwaltete Publikation einer regionalen feministischen Zeitschrift mit sich bringt. Das Interview sowie die neu erworbenen Zeitschriften und Zines mit marginalisierten Perspektiven erweitern den Bestand des LUQS um Stimmen, die bisher nicht den ihnen zustehenden Raum bekommen haben. Über den META-Katalog sollen diese bald auch allen Interessierten zugänglich gemacht werden.
Das DDF-Projekt des LUQS ist am 1. Januar 2025 gestartet und hat eine Laufzeit von 12 Monaten. Es erschließt und digitalisiert queer-feministische Zeitschriften und Zines aus dem Rhein-Main-Gebiet, darunter das Frankfurter Frauenblatt, Frauen wisst ihr schon?, Mathilde sowie neuere Zines wie Autonomia. Ergänzt wird das Projekt durch ein Zeitzeug*inneninterview zur Mathilde-Redaktion und ein öffentliches „meet and read“.
Das heutige LUQS geht auf das Lesbenarchiv zurück, welches 1989 in den Räumen der Lesben Informations- und Beratungsstelle (LIBS) als Initiative zur Dokumentation lesbischen Lebens eingerichtet wurde und 1991 in das Lesbisch-Schwule-Kulturhaus (LSHK, heute Queeres Kulturhaus) nahe der Konstablerwache in Frankfurt am Main zog. Ziel war von Beginn an, Geschichte zu sichern, Sichtbarkeit zu schaffen und Überlieferungsbrüche zu verhindern. Seit den 2020er-Jahren führt das neue Leitungskollektiv diese Arbeit queerfeministisch und intersektional fort. 2024 erhielt das Archiv seinen heutigen Namen: LUQS – Lesbenarchiv und queere Sammlung Frankfurt.
Ausgewählte Beiträge des LUQS (ehemals Lesbenarchiv Frankfurt) im DDF:


