Startseite
  • Suche
  • Leichte Sprache
Hauptnavigation ein-/ausklappen
  • Themen
  • Akteurinnen
  • Blog
  • Angebote
  • Über Uns
Hauptnavigation ein-/ausklappen

„Feministische Erinnerungskultur ist Demokratiearbeit“

veröffentlicht 01. September 2026
Seit dem 17. August ist Nicola Lauré al-Samarai neue DDF-Geschäftsführung. Im Interview spricht sie über feministische Erinnerungskultur, Intersektionalität und ihre Perspektiven für das DDF.

Schlagworte

  • Feminismus
  • Intersektionalität

DDF-Redaktion: Wenn du auf deinen bisherigen Weg schaust: Welche Erfahrungen haben deinen Blick auf feministische Geschichte, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Veränderung besonders geprägt?

Nicola Lauré al-Samarai: Das waren unterschiedliche, aber ineinandergreifende Zugänge, würde ich sagen. Ich bin seit über 35 Jahren der Schwarzen Frauen*bewegung in Deutschland verbunden. Das hat mich grundsätzlich geprägt und begleitet: meine theoretischen Zugänge, mein bewegungspolitisches Verständnis und meine erinnerungspolitische Praxis. Intersektionalität und Machtkritik sind für mich wichtige gedankliche Ausgangspunkte, eine Art ‚Arbeits-Linse‘ – beim Blick auf historische Auslassungen und Leerstellen ebenso wie beim Sichtbarmachen und Einschreiben von Subjektivität und Handlungsmacht. 

Die Beschäftigung mit marginalisierten Bewegungsgeschichten lag deshalb für mich nahe, ebenso wie das Zusammendenken von Kämpfen um gesellschaftliche Veränderung und die Frage nach Solidarität und Widerstandskraft. Nach Resilienzen im Plural. 

Nicola Lauré al-Samarai
Steff Urgast/Digitales Deutsches Frauenarchiv
Lizenz
Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Seit August 2026 ist sie Geschäftsführung des Digitalen Deutschen Frauenarchivs.

Was hat dich am DDF besonders gereizt, und was möchtest du in deine neue Aufgabe als Leitung mitbringen?
Ich kannte das DDF schon länger als Nutzerin und konnte im Zuge von Recherchen immer wieder auf den unglaublichen Wissensfundus des Portals zurückgreifen. Gleichzeitig – und das finde ich sehr besonders – wird die relativ ‚junge‘ Struktur des DDF von einem Dachverband getragen, dessen Einrichtungen zum Teil auf mehr als fünf Jahrzehnte Sammlungs- und Archivarbeit zurückblicken. Das ist ein großer, schwer erarbeiteter Erfahrungsschatz. Ich finde es wichtig, dass diese basispolitische Arbeit, die immer aufwändig und fast immer ehrenamtlich oder prekär ist, sichtbar bleibt und wertgeschätzt wird. 

Das DDF ist ja ein Ergebnis dieses Engagements und als feministisches Fachportal für mich tatsächlich eine Vision im Entstehen. Ich würde daher gern mit folgenden Arbeitsfragen an meine neuen Aufgaben gehen:
Was bedeutet es, feministisches Bewegungswissen nicht nur zu sichern, sondern auch die Sicherung dieses Wissens zu sichern? Wie können dazugehörige Strukturen und Prozesse langfristig etabliert und geschützt werden? Welche Strategien braucht es dafür nach innen und nach außen? 

Welche Rolle kann feministische Erinnerungskultur aus deiner Sicht gerade heute spielen, gesellschaftlich und politisch?
Das kann ich in einem Satz beantworten: Die Arbeit an einer feministischen Erinnerungskultur ist Demokratiearbeit. 

Wo siehst du für das DDF in den kommenden Jahren die wichtigsten Aufgaben oder Entwicklungsmöglichkeiten?
Das DDF als Fachportal beschreibt sich als digital, divers, feministisch.
Das sind grundlegende Arbeitsbegriffe, die immer wieder überprüft und gefüllt werden müssen. Eine Aufgabe besteht aus meiner Sicht darin, bereits bestehende Strukturen, Errungenschaften und Wissensbestände zu stärken: Was soll in welcher Weise sichtbarer werden? Und was braucht es dafür? 

Eine weitere Aufgabe liegt in der intersektionalen Öffnung und Vernetzung des DDF: Wer ist mit Frauen*bewegungen im deutschsprachigen Raum bisher gemeint und repräsentiert? Wo gibt es Leerstellen, Ungleichgewichte, möglicherweise Barrieren? Wen möchten wir jetzt und zukünftig ansprechen und erreichen, mit wem auf welche Weise zusammenarbeiten? 

Im digitalen Bereich stellt sich zudem die Frage, wie sich das Potenzial von KI queer/feministisch und diskriminierungskritisch nutzen lässt und welche Regeln es zugleich für Transparenz, Quellenkritik, Datenschutz und Trainingsdaten braucht. Die Bestände feministischer und anderer marginalisierter Archive sind nach wie vor fragil, müssen erschlossen, vernetzt und geschützt werden. Langzeitarchivierung ist ebenfalls eine große Herausforderung, weil sich Dateiformate, Speichersysteme und technische Standards verändern. 

Und eine letzte Überlegung in die politische Richtung: Gleichstellungspolitik, Wissenschaft und Erinnerungskultur werden zunehmend angegriffen. Das betrifft auch feministische Archive. Hier ist gemeinsam zu überlegen, wie sich digitale Infrastrukturen sichern lassen und ihre grundlegende demokratische Bedeutung vermittelt werden kann. 

Was möchtest du in deinen ersten Monaten vor allem kennenlernen, im DDF, im i.d.a.-Dachverband und darüber hinaus?
Ich freue mich darauf, die Menschen kennenzulernen, die das DDF und den i.d.a.-Dachverband tragen. Der Dachverband repräsentiert eine große Bandbreite von Einrichtungen – mit verschiedenen Schwerpunkten, Ausrichtungen und Arbeitsweisen. Ich bin auf die vielen Expertisen gespannt, auf konkrete Projekte und Netzwerke und natürlich auch auf aktuelle Diskussionen und Herausforderungen.  

Gibt es eine Person, einen Text, einen Ort oder eine Erfahrung, die dich in deinem Denken und Arbeiten besonders begleitet?
Ja, es gibt eine sehr wesentliche Referenz für mich: Kollektivität. Dieses Konzept wurde in der queeren Schwarzen Frauen*bewegung entwickelt als Basis für Gemeinschaftlichkeit, als kritisches Erkenntnisprinzip, als Wissensraum und als politische Praxis. 

Zur Person
Nicola Lauré al-Samarai ist Geschichts- und Kulturwissenschaftlerin.
Ihr Forschungs- und Vermittlungsschwerpunkt verbindet intersektionale Bewegungsgeschichten von BIPoC-Communitys mit Archiv-, Erinnerungs- und Wissensarbeit. Sie ist national und international breit vernetzt – mit Bewegungsarchiven und -initiativen ebenso wie mit Akteur*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Politik. Zuletzt verantwortete sie bei der RAA Berlin, einem unabhängigen Träger für Bildungsgerechtigkeit, den Aufbau des Projektbereichs zur UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft mit den Handlungsfeldern anti-Schwarzer Rassismus und Gleichstellung; außerdem war sie Teil des Teams für Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung. 
Seit August 2026 ist sie Geschäftsführung des Digitalen Deutschen Frauenarchivs.

Stand: 01. September 2026
Immer informiert mit dem DDF-Newsletter!
Jetzt abonnieren

Teilen auf

  • Inhalt auf X (Twitter) teilen
  • Inhalt auf Facebook teilen

Verwandte Themen

DDF-Sommerfest

DDF-Sommerfest 2026: Verbindungen schaffen

Unter dem Motto „Verbindungen schaffen“ lädt das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) am 9. September 2026 zum Sommerfest ins silent green Kulturquartier in Berlin ein. Der Abend schafft Raum für Begegnungen, Gespräche, Musik und Impulse rund um feministische Erinnerungsarbeit und die Frage, welche Verbindungen unsere Gesellschaft heute stärken.
BücherFrau 2026

Das DDF wird ausgezeichnet

2026 geht die Auszeichnung BücherFrau des Jahres an das Digitale Deutsche Frauenarchiv. Gewürdigt wird unsere Arbeit als digitale Infrastruktur feministischer Erinnerungsarbeit und ihr Beitrag zu Recherche und einer vielfältigen Publikationskultur.
Licht ins Dunkel

Licht ins Dunkel – Fotografie und Frauenbewegungen: Inszenierung, Aktivismus, Überlieferung

Welche Rolle spielt Fotografie in feministischen Bewegungen und welche Bilder bleiben unsichtbar? Ausgehend von Franki Raffles diskutieren Expert*innen beim Roundtable „Licht ins Dunkel: Fotografie und Frauenbewegungen“ über Fotografie als Aktivismus, Selbstrepräsentation und politische Strategie. Die Veranstaltung findet am Montag, 08.06., von 18:30–20:00 Uhr im Museum der Arbeit Hamburg statt und wird via Zoom übertragen.
11. Mai Tag der Frauenarchive Teaserbild

Zum 11. Mai feministische Archive entdecken

Am 11. Mai jährt sich zum 39. Mal der Tag der Frauenarchive: Das haben die i.d.a.-Einrichtungen zum Anlass genommen, in ihre Bestände zu schauen und dabei spannende Objekte gefunden, die bis heute hochaktuell sind. Zahlreiche Aktionen laden zudem dazu ein, feministische Archive vor Ort kennenzulernen.
Sabine Balke Estremadoyro

Sabine Balke Estremadoyro – ihr Wirken bleibt

Sabine Balke Estremadoyro (1960–2026) hat feministische Erinnerungsarbeit über Jahrzehnte geprägt. Als langjährige Leiterin des Berliner Spinnbodens, Mitinitiatorin des META-Katalogs und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs schuf sie Strukturen, die feministisches Wissen langfristig zugänglich machen. Im März 2026 ist sie nach schwerer Krankheit verstorben. Der Nachruf versammelt Erinnerungen von Wegbegleiter*innen, Kolleg*innen und Verbündeten.
Sabine Balke Estremadoyro

Wir trauern um Sabine Balke Estremadoyro

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserer Geschäftsführerin Sabine Balke Estremadoyro. Sie ist im März nach schwerer Krankheit verstorben.
  • Logo IDA Dachverband
  • Gefördert von: Logo Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    • Red Dot Design Award 2019
    • iF Design Award 2019
Startseite
© 2026 Das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) ist ein interaktives Fachportal zur Geschichte der Frauenbewegungen in Deutschland.
  • Kontakt & Impressum
  • Presse
  • Datenschutzerklärung
  • Nutzungsbedingungen
  • Barrierefreiheit

Folgen Sie uns

  • X
  • Facebook
  • Instagram
  • RSS-Feed