Erster Fachinformationsdienst für die Gender Studies – DDF bringt feministische Daten ein
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab sofort den neuen Fachinformationsdienst (FID) Geschlechterforschung / Gender Studies – und damit erstmals eine zentrale Infrastruktur für die inter- und transdisziplinäre Geschlechterforschung in Deutschland. Der FID ermöglicht eine wissenschaftsnahe, digital gestützte Informationsversorgung in einem Forschungsfeld, das gesellschaftlich hoch relevant und zugleich institutionell oft unterversorgt ist.
Stärkung der Gender Studies in Deutschland
Mit der Förderung eines neuen FID wird ein Meilenstein erreicht: Während die Lehre, Forschung und Errungenschaften der Frauen- und Geschlechterforschung in vielen Feldern zurückgedrängt werden, entsteht parallel erstmals eine öffentlich geförderte, vernetzte Struktur, die gezielt auf die Bedarfe der Gender Studies und feministischen Forschung ausgerichtet ist. Ziel ist es, Zugänge zu Publikationen, historischen Quellen, Forschungsdaten und digitalen Werkzeugen fächerübergreifend zu bündeln und sichern.
Mit dem neuen FID werden Inhalte, Literatur und Archivmaterial einfacher auffindbar und sichtbarer gemacht. Dazu wird im kommenden Jahr ein Fachportal zur Geschlechterforschung im Internet starten. Getragen wird der FID dafür von einem breit aufgestellten Konsortium:
- dem Margherita-von-Brentano-Zentrum der Freien Universität Berlin (Koordination),
- dem Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin,
- der Universitätsbibliothek der HU Berlin,
- dem GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften,
- sowie dem Forschungsdatenzentrum Qualiservice an der Universität Bremen.
DDF liefert Infrastruktur zur Recherche
Der neue FID verknüpft bestehende Informationsstrukturen und macht die umfangreichen interdisziplinären Bestände über eine gemeinsame Oberfläche durchsuchbar. Einbezogen werden darin Bestände der wissenschaftlichen Bibliotheken wie ebenso außeruniversitäre Bibliotheken und Archive. Denn an den Universitäten sind Gender Studies in Deutschland erst seit den 1980er-Jahren etabliert. Doch bereits zuvor und bis heute wurden bzw. werden wichtige Beiträge zu dem Wissensfeld von außeruniversitären Einrichtungen und feministischen Aktivist*innen geleistet.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) mit der feministischen Datenbank und Suchmaschine META, die zentrale Bestände zur Frauen- und Geschlechtergeschichte des i.d.a.-Dachverbandes digital zugänglich macht. „Der META-Katalog von i.d.a und DDF bietet die Ausgangsbasis für diesen gemeinsamen neuen Such- und Nachweisraum. Dieses Angebot ist genau auf die Bedarfe einer zukunftsorientierten Geschlechterforschung und Gender Studies ausgerichtet“, sagt Marius Zierold, Informationswissenschaftler im DDF und Entwickler des META-Katalogs.
META vernetzt über 500.000 Datensätze aus rund 40 feministischen Archiven, Bibliotheken und Dokumentationsstellen im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen des FID wird der Katalog strukturell und technisch weiterentwickelt und weitere relevante Datenquellen integriert, um die Recherchemöglichkeiten für Wissenschaftler*innen gezielt zu verbessern. Das DDF wird vom Dachverband der deutschsprachigen Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen (i.d.a.) getragen und bringt seine langjährige Expertise in der Erschließung und Vermittlung feministischer Wissensbestände in den Fachinformationsdienst ein.
Praxisorientierte Aufbereitung feministischer Bestände
Der vom DDF bereitgestellte META-Katalog wird im Rahmen des FID auch erweitert: „In der Zusammenarbeit mit dem FID entwickeln wir unsere digitale Infrastruktur konsequent weiter – mit dem Ziel, feministische Wissensbestände nicht nur auffindbar, sondern sehr funktional durchsuchbar und nachnutzbar zu machen. Technische Standards wie IIIF, OCR und offene Schnittstellen sind dabei keine Nebensache, sondern Grundlage für eine zugängliche, vernetzte Forschungskultur“, so Stefanie Pöschl, Senior-Softwareentwicklerin im DDF.
Der FID Geschlechterforschung / Gender Studies bündelt nicht nur bestehende Rechercheinfrastrukturen, sondern entwickelt auch neue Angebote zur Literaturversorgung, zu Open Access und zum Forschungsdatenmanagement. Mit dem META-Katalog als technischer und konzeptioneller Schnittstelle zwischen Archivlandschaft und Forschung bringt das DDF dabei zivilgesellschaftlich verankertes Wissen und digitale Innovationskraft in die wissenschaftliche Infrastruktur ein.