#ddfprojekt2026: Der Sonntags-Club und queerer Aktivismus in der DDR
Jedes Jahr fördert das DDF mit Mitteln des BMBFSFJ neue Digitalisierungsprojekte der feministischen Erinnerungseinrichtungen des i.d.a.-Dachverbands. Die Digitalisierungsprojekte sind so vielfältig wie die feministischen Bewegungen, die sie dokumentieren. In diesem Beitrag schauen wir nach Leipzig und stellen das aktuelle Digitalisierungsprojekt der MONAliesA – Feministische Bibliothek und Archiv vor.
Das Projekt: Der Ost-Berliner Sonntags-Club – vom selbstorganisierten Treff zum Archivbestand
Mit ihrem #ddfprojekt widmet sich MONAliesA in diesem Jahr der Bewahrung einzigartiger Zeugnisse lesbischer, schwuler und queerer Geschichte der DDR. Im Zentrum stehen dabei Bestände des Lila Archivs, offiziell gegründet 1991. Das Lila Archiv ist heute ein gemeinnütziger Verein und bewahrt teils einmaliges Kulturgut, darunter auch einen zentralen Teilbestand zur Geschichte des Sonntags-Clubs (Ost-Berlin).
Das Lila Archiv und dieser besondere Teilbestand wurden aufgebaut beziehungsweise gesammelt von Ursula Sillge und ihren Mitstreiter*innen. Sie hat den Sonntags-Club Anfang der 1980er-Jahre als ersten inoffiziellen Treff für queere Personen in Ost-Berlin mitbegründet. Die Gruppe hatte damals keinen eigenen Ort, da ein 1983 beim Berliner Magistrat gestellter Antrag zur Eröffnung eines Kultur- und Beratungszentrums beziehungsweise Clubs für Homosexuelle nicht genehmigt worden war. So traf sich die Gruppe in den Räumen anderer Clubs, die oft sonntags kein Programm hatten und den Raum stellen konnten. Der daraus entstandene Name „Sonntags im Club“ beziehungsweise „Sonntags-Club“ blieb bestehen. Der Sonntags-Club verstand sich von Beginn an als offene Anlaufstelle für Menschen, deren Lebensweise von der heteronormativen Lebensweise abwich.
Als Aktive im Sonntags-Club sammelten Ursula Sillge und ihre Partnerin Ingeborg Buck viele Zeugnisse der frühen Jahre des Clubs im Lila Archiv. Dazu zählen neben Flyern, Programmen, Sitzungsprotokollen und Fotografien auch Objekte wie Stempel und eine Spenden- und Eintrittskasse. 2011 zogen die beiden ins thüringische Meiningen und transportieren peu à peu den gesamten Archivbestand des Lila Archivs dorthin. Er lagert nun im benachbarten Suhl in einer großen Halle. Das Lila Archiv ist mit dem Schwerpunkt auf Frauen- und Lesbengeschichte einzigartig in Thüringen. Mit dem zunehmenden Alter der Gründerinnen ist auch der Fortbestand der sich darin findenden einmaligen Sammlungen zu klären. Hier kann auch über die Digitalisierung ein wichtiger Beitrag zum Bestandserhalt geleistet werden.
Im Projekt werden Teile dieses besonderen Archivs nun erschlossen, digitalisiert und Rechte geklärt. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig diskutierten die Projektmitarbeiterinnen mit Gäst*innen aus Forschung, Aktivismus und Community über die Bedeutung queerer Sammlungen und Archive. Außerdem werden Interviews geführt und Essays verfasst. So entsteht ein Blick in die bisher wenig beleuchtete Geschichte von lesbisch-queerem Aktivismus in der DDR und Transformationszeit nach 1989/90. Die gewonnenen Projektergebnisse fließen anschließend in das DDF ein und sind über den META-Katalog recherchierbar. Gestartet ist das #ddfprojekt der MONAliesA am 1. Januar 2026 und hat eine Laufzeit von 12 Monaten.
Das Archiv hinter dem #ddfprojekt
Die MONAliesA wurde 1990 als erste Frauenbibliothek in den neuen Bundesländern gegründet. In der Bibliothek, im eigenen Archiv und in ihren Veranstaltungen widmet sie sich der Vielfalt feministischer Ideen und Konzepte sowie dem reichhaltigen Erbe von Frauen, Lesben, queeren, trans und inter Personen in Politik, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft.
Ein Schwerpunkt in den Archivbeständen und Veranstaltungen der MONAliesA liegt auf der Frauenbewegung der DDR und ostdeutschen Transformationszeit. Ein weiterer Fokus sind zeitgenössische queerfeministische und feministische Bewegungen und Strömungen, insbesondere in Leipzig und Sachsen aber auch darüber hinaus. In ihrem queer-/feministischen Archiv sammelt die Einrichtung vielfältige Zeugnisse feministischer Aktions- und Protestformen ab den 2000er Jahren, zum Beispiel Flyer, Zines, Textilien, Broschüren, Audiobeiträge, Plakate, Redebeiträge und Interviews mit Aktivist*innen.
Die Bibliothek der MONAliesA verfügt über rund 30.000 Medieneinheiten in über 60 Sachgruppen, darunter wissenschaftliche Literatur, Belletristik, Fach- und Publikumszeitschriften, graue Literatur, Bildbände, Graphic Novels, Kinder- und Jugendbücher sowie Filme, geordnet in Themenblöcke wie zum Beispiel Arbeit, Geschlechtsidentität, Technologie, Biografien, Sexualität, § 218 oder Femizid. Hinzu kommen etwa 400 teils historische Zeitschriftentitel.
Als Veranstaltungsort bietet die MONAliesA regelmäßig unterschiedliche Formate zu queer-/feministischen Themen an, zum Beispiel Vorträge, Lesungen, Diskussionsrunden, Exkursionen oder Workshops. Außerdem wird der Ort von Gruppen, Lesekreisen und Beratungsangeboten genutzt.
Projekttitel: Lesbenbewegung in der DDR. Erschließung und Aufarbeitung des Teilbestands SONNTAGS-CLUB im Lila Archiv
Laufzeit: 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2026
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Ausgewählte Beiträge von MONAliesA im DDF:

