Das DDF wird ausgezeichnet
Das Digitale Deutsche Frauenarchiv ist vom Branchennetzwerk BücherFrauen e.V. – Women in Publishing. zur BücherFrau des Jahres 2026 gewählt worden. BücherFrauen würdigt damit eine Einrichtung, die feministische Geschichte sammelt, sichert und zugänglich macht. Denn damit schafft das DDF Grundlagen für neue Bücher, Recherchen und Publikationen.
Das Digitale Deutsche Frauenarchiv, kurz DDF, bündelt die Bestände von mehr als 40 feministischen Archiven, Bibliotheken und Dokumentationsstellen im deutschsprachigen Raum und macht ihre Bestände zu über 250 Jahren der Lesben- und Frauenbewegungen zugänglich und dauerhaft sichtbar.
„Die Wahl des Digitalen Deutschen Frauenarchivs zur ‚BücherFrau des Jahres 2026‘ ist eine große Freude und eine besondere Anerkennung für das gesamte i.d.a.-Netzwerk“, erklären Margarethe Kees und Inga Müller, Vorstand des i.d.a.-Dachverbands. „Feministische Erinnerungskultur entsteht nicht an einem einzelnen Ort, sondern durch viele Archive, Bibliotheken, Dokumentationsstellen und engagierte Menschen. Das DDF bündelt diese vielfältige Arbeit und zeigt, wie wichtig verlässliche feministische Infrastrukturen für Gegenwart und Zukunft sind.“
Für die Buch- und Publikationsbranche ist diese Arbeit zentral. Denn feministische Bücher, Zeitschriften, Dokumentationen und Texte entstehen aus gesellschaftlichen Debatten und auch Forderungen heraus. Sie haben Kontexte, Netzwerke, Produktionsbedingungen und oft auch Widerstände. Das DDF bewahrt genau diese Zusammenhänge und macht sichtbar, welche Arbeit hinter feministischer Publikation und Erinnerung steht.
Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit
Das DDF ging 2018 online – zum 100. Jubiläum der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland. Dieses Datum steht für politische Teilhabe, die sich Frauen historisch erstritten haben. Zugleich zeigt es, dass Rechte erinnert, verteidigt und weitergetragen werden müssen.
In der Begründung zur Wahl heißt es: „Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist Arbeit. Sie ist Infrastruktur. Sie ist Machtfrage.“ Genau darin liegt die feministische Bedeutung des DDF: Es holt Geschichte aus der Unsichtbarkeit zurück, in die sie durch patriarchale Strukturen gedrängt wurde.
Archivische Arbeit wird oft mit Vergangenheit verbunden. Das DDF zeigt, wie sehr sie Gegenwart und Zukunft prägt: Ohne gesicherte Quellen fehlen die Grundlagen für Forschung, Journalismus, Sachbücher, Biografien, literarische Recherchen und neue feministische Publikationen. In der Begründung heißt es weiter: „Das DDF schafft Zugang. Es demokratisiert Wissen. Es stärkt Autorinnen, Herausgeberinnen und Wissenschaftlerinnen. Und es schützt vor dem Vergessen in Zeiten digitaler Beschleunigung und gesellschaftlicher Polarisierung.“
Feministische Geschichte und Zukunft brauchen Infrastruktur
Besonders wichtig ist den BücherFrauen, dass das DDF nicht nur bekannte Namen sichtbar macht. Es dokumentiert auch Netzwerke, Initiativen, regionale Bewegungen, Alltagskämpfe und marginalisierte Perspektiven. Damit erweitert es den Blick auf feministische Geschichte und auf die Bedingungen, unter denen Texte, Bücher und Publikationen entstehen. Der Vorstand der BücherFrauen, der das DDF als BücherFrau des Jahres vorgeschlagen hat, beschreibt Archive in der Begründung ausdrücklich „nicht als Vergangenheitsspeicher, sondern als Zukunftsinfrastruktur“. Das DDF sichere, „was sonst verloren ginge“.
„Feministische Bewegungen waren immer auch Publikationsbewegungen“, sagt Steff Urgast, Kommunikation Digitales Deutsches Frauenarchiv. „Frauen haben geschrieben, verlegt, gesammelt, archiviert, vertrieben und sichtbar gemacht, was im kulturellen Gedächtnis oft übergangen wurde. An dieser Schnittstelle arbeitet das DDF heute digital weiter: Wir machen die Geschichte der Frauenbewegungen zugänglich, recherchierbar und anschlussfähig.“
„Ohne Archiv keine Bewegung. Ohne Erinnerung keine Bücher“, heißt es in der Begründung des Vorschlags. Die BücherFrauen greifen diesen Gedanken mit der Wahl zur BücherFrau des Jahres 2026 auf: Feministische Erinnerung ist keine Nebensache. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Stimmen, Erfahrungen und Kämpfe nicht aus der Geschichte herausfallen.
Stellvertretend für das Digitale Deutsche Frauenarchiv nehmen die designierte neue Geschäftsführerin des DDF sowie Steff Urgast, verantwortlich für die DDF-Kommunikation, die Auszeichnung entgegen. Urgast ist zudem Autor*in und Mitbegründer*in der Initiative „Verlage gegen Rechts“.
Das DDF macht deutlich, wie eng feministische Erinnerungskultur und Bibliodiversität zusammenhängen. Eine vielfältige Buchlandschaft braucht nicht nur neue Stimmen. Sie braucht auch Zugang zu den Spuren derer, die vorangegangen sind: Autor*innen, Verleger*innen, Redakteur*innen, Lektor*innen, Übersetzer*innen, Buchgestalter*innen, Aktivist*innen und Leser*innen.
Die Wahl zur BücherFrau des Jahres 2026 rückt deshalb mit dieser Wahl eine Arbeit in den Mittelpunkt, die oft leise geschieht, aber weit in die Buchbranche hineinwirkt. Sie sichert Wissen. Sie schafft Zugang. Und sie hält Räume offen, in denen feministische Geschichte weitergeschrieben werden kann.
Neues Wahlverfahren zur BücherFrau des Jahres
In diesem Jahr konnten erstmals alle Mitglieder des Branchenverbands mit jeweils einer Stimme über die BücherFrau des Jahres und das Jahresthema abstimmen. Bisher wurden die Wahlvorschläge in den Städte- und Regionalgruppen beraten; im anschließenden Wahlverfahren hatten die Gruppen – je nach Größe – eine festgelegte Stimmenzahl.
Mit dem neuen Prinzip „one woman, one vote“ stärken die BücherFrauen ihren basisdemokratischen Anspruch und die Abstimmungsergebnisse erhalten dadurch eine breitere demokratische Legitimation: Jede Stimme zählt unmittelbar und jede BücherFrau kann direkt mitentscheiden, welche Themen und Personen das Netzwerk sichtbar macht. Die Wahlbeteiligung von über 40 Prozent zeigt, dass dieses neue Verfahren angenommen wurde.
Die BücherFrauen
Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e. V. wurde 1990 nach dem Vorbild der englischen Women in Publishing (WiP) in München gegründet. Mittlerweile bündelt der Verein die Interessen von knapp 700 deutschsprachigen Verlagsfrauen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen und Frauen aus anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch. Seit 1996 ehren die BücherFrauen die BücherFrau des Jahres. Der Preis würdigt Frauen innerhalb der Buchbranche mit einem herausragenden Engagement für Frauen.
Wir freuen uns sehr über diese Würdigung und auf die Preisverleihung im Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse.
