Back to the 70s – die autonome FrauenLesbenBewegung in Kassel
Bis heute steht ein Schatz aus ,alten Zeiten‘ im Lesesaal des Archivs der deutschen Frauenbewegung (AddF) in Kassel: Ein hölzerner Karteikasten mit über 14.000 Karteikarten zur Sammlung Autonome Kasseler FrauenLesbenBewegung (1976–1992). Die Karten sind nach vielen Schlagworten – zum Beispiel Abtreibung, Frauenräume, feministische Aktions- und Feiertage, weibliche Identität – sortiert. Auch ein Zugang über die zahlreichen Gruppen und Vereine, die es in Kassel gab oder noch gibt, wie zum Beispiel das Frauenhaus Kassel oder die Frauenkunstgruppe, ist möglich.
Da viele Quellen oft mehreren Schlagworten zugeordnet sind, wurden die einzelnen Karten vervielfältigt, manche bis zu fünfmal. Den Nutzer*innen steht somit seit den frühen 1990er-Jahren ein komplexes analoges Suchsystem zur Verfügung, mit dem sie gezielt recherchieren können – allerdings nur vor Ort und händisch. Damit ist bald Schluss! Mit der Erschließung der Sammlung in die Datenbank des AddF und der Ausspielung in den META-Katalog wird es zukünftig möglich sein, völlig ortsunabhängig online zu recherchieren. Den Zettelkasten wird es als archivische Quelle aber weiterhin geben, nur dass er dann nicht mehr frei zugänglich im Lesesaal steht. Er wird aus konservatorischen Gründen in säurefreie Archivboxen verpackt, in der Datenbank erschlossen, ins Magazin verbracht und kann Nutzer*innen auf Anfrage als Quelle bereitgestellt werden.
Ein reicher Quellenfundus
Protokolle verschiedener Gruppen, Erinnerungsberichte, Transkripte von Interviews, Flugblätter, Presseausschnitte, Plakate, audiovisuelle Materialien, Fotos und vieles mehr geben Einblicke in die Geschichte der Kasseler FrauenLesbenBewegung. Seit 1992 sind zudem zahlreiche weitere Unterlagen eingetroffen. Diese Nachlieferungen werden nun ebenfalls im Projekt sortiert, bewertet und erschlossen.
Auch werden weitere Materialien und Erinnerungen in Form von Zeitzeug*innenberichten gesammelt. Mit der Veranstaltung Back to the 70s im Mai 2025 – in Kooperation mit der vhs Region Kassel – wurde dafür ein Grundstein gelegt und erste Interviewpartner*innen sind gefunden. Eine weitere Veranstaltung ist für den 4. November 2025 geplant.
Frauen in der Landwirtschaft, Gymnastik in den 50er-Jahren, Dienstmädchen
Neben der Sammlung zur Kasseler FrauenLesbenBewegung werden im Projekt noch weitere Bestände erschlossen und über den META-Katalog zugänglich gemacht. Etwa eine umfangreiche Zeitschriftenausschnittsammlung zu Frauenleben, -alltag und -bewegung für die Zeit von 1863 bis in die 1990er-Jahre. Die aus privater Hand stammende Sammlung ist in über 100 verschiedene Themenmappen gegliedert – darunter Frauen in der Landwirtschaft, Frauen im Beruf oder Ehe- und Familienleben. Zusätzlich werden visuelle Materialien aus dem Bestand der Gymnastikschule Schwarzerden aus den 1950er- bis in die 1970er-Jahre erschlossen und digitalisiert ebenso wie ausgewählte Akten unter anderem zum Thema Dienstmädchen aus dem Bestand des Deutschen Evangelischen Frauenbundes.
Das Archiv der deutschen Frauenbewegung wurde 1983 in Kassel gegründet. Es betreibt ein Forschungsinstitut und Dokumentationszentrum zu Frauenbewegung und Frauengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Neben einer Spezialbibliothek unterhält das AddF ein umfangreiches Archiv, in dem Bestände von Frauenvereinen und -organisationen sowie Nachlässe gesammelt werden.
Das DDF-Projekt vom AddF ist am 1. Januar 2025 gestartet und hat eine Laufzeit von 12 Monaten. Dabei werden Essays verfasst und ausgewählte Materialien digitalisiert wie zum Thema Dienstmädchen aus dem Bestand des Deutschen Evangelischen Frauenbundes. Außerdem sollen die Quellen zur autonomen FrauenLesbenBewegung in Kassel und der Region Nordhessen im META-Katalog sichtbar gemacht werden – als Teil der bundesweiten Bewegung, die ab den 1970er-Jahren nicht nur in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt am Main entstand.
Ausgewählte Beiträge vom AddF im DDF:
