Weronika Aleksandra Markiewicz
Bildnachweis
Quelle
Archiv Frau und Musik
Lizenz
Schließen
Weronika Aleksandra Markiewicz Geboren am in Lwiw/Lemberg (Ukraine/Sowjetunion) Gestorben am in Lublin (Polen)

Über Weronika Aleksandra Markiewicz

Weronika Aleksandra Markiewicz war eine ukrainisch-polnische Komponistin und Sängerin. Sie komponierte über 100 Werke, von kleineren Vokalstücken bis hin zu großbesetzten sinfonischen Kompositionen und wurde als Mezzosopranistin gefeiert. Oft vertonte sie eigene Texte.

Zwischen der Ukraine und Polen

Weronika Markiewicz kam am 27. Januar 1962 in Lwiw, deutsch Lemberg, in der Ukraine unter dem Namen Weronika Aleksandra Biłogubka in einem musikalischen Haushalt zur Welt. Ihre Mutter, Zofia Leżańska, war Musikwissenschaftlerin und Pianistin, ihr Vater, Anton Biłogubka, war als Tenor und Dirigent aktiv. Beide förderten früh das musikalische Talent ihrer Tochter. Bereits mit sieben Jahren besuchte Weronika die Klavierklasse einer Schule für Hochbegabte.

Nachdem sie mit ihrer Mutter nach Polen gezogen war, nahm sie Unterricht an der staatlichen Musikschule Fryderyc Chopin in Warschau im Bereich Solo-Gesang. Ihre Gesangsausbildung setzte sie 1984 mit einem Studium an der Gesangs- und Schauspielabteilung der Musikakademie in Gdańsk, deutsch Danzig, fort, welches sie 1990 mit einem Master in Solo-Gesang abschloss.1 Weronika Markiewicz wechselte zu dieser Zeit ihren Lebensmittelpunkt mehrmals zwischen der Ukraine und Polen. Dabei komponierte sie hauptsächlich Vokalstücke, in denen sie eigene Texte vertonte. Diese Texte stammen zum Teil aus ihrer Kindheit.

Studienbuch der Staatlichen Hochschule für Musik in Gdańsk

Mit ihren Werken schaffte sie es, den ukrainischen Komponisten und habilitierten Doktor der Musikwissenschaft Myroslaw Skoryk derart zu beeindrucken, dass er sie in seine Kompositionsklasse aufnahm. So schildert es die Musikwissenschaftlerin und Lektorin der Philharmonie in Odessa Anna Posen in einem Nachruf auf Markiewicz. Dokumente wie diese gehören zu den wenigen Sekundärquellen, die Auskunft über das Leben Weronika Markiewiczs geben, eine zusätzliche Hürde stellen für uns die kyrillischen Schriftzeichen dar. 

Etliche Male änderte die Komponistin ihren Nachnamen: 1992 ersetzte sie ihren Geburtsnamen Biłogubka durch den Namen ihrer Mutter, Leżańska. Laut einem Brief der Mutter an das Archiv Frau und Musik aus dem Jahr 2008 wechselte Weronika ihren Nachnamen, weil dieser zu oft in Polen falsch geschrieben wurde. 1999 änderte sie ihren Nachnamen erneut und nannte sich nach ihrer Großmutter Markiewicz.

Komponistin und Sängerin

1996 erhielt Weronika Markiewicz ihr Kompositionsdiplom der Musikakademie Lwiw. Ihre Diplomarbeit, die Sinfonische Dichtung Das Märchen vom weißen Kalb (Bajka o białym cielatku), wurde vom Sinfonieorchester der Musikakademie Lwiw unter der Leitung von Jarema Kolessa, Enkel des Dirigenten und Komponisten Mikola Kolessa, aufgeführt. Mikola Kolessa widmete sie später ihre Komposition Legend of sunny valley. Nach ihrem Kompositionsdiplom ging sie zurück nach Polen. Dort komponierte sie weiter und gab Konzerte. Während dieser Konzerte trat sie nicht allein als Komponistin, sondern auch als Sängerin in Erscheinung.

Teilnahmebescheinigung vom Gesangswettbewerb in Bilbao

Markiewicz sang neben eigenen Liedern Auszüge aus Opern, Musicals sowie klassische Lieder. Die Konzerte waren sehr erfolgreich und Weronika Markiewicz wurde aufgrund ihrer Stimme gefeiert.2 In ihrem Nachlass finden sich Aufnahmen , in denen Weronika Markiewicz als Sängerin zu hören ist. Ihr Gesang zeichnete sich durch einen großen Stimmumfang sowie eine exzellente Technik aus. Weronika Markiewicz sang Lieder in neun Sprachen: Polnisch, Russisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Ukrainisch, Jiddisch und Hebräisch. Ihr Repertoire umfasste 227 Lieder.3 Ein Zertifikat in ihrem Nachlass bestätigt ihre Teilnahme am VI. International Voice Competition of Bilbao 1996 und zeigt, mit wie viel Engagement sie als Sängerin wirkte. Ein Dokument aus dem Jahr 1999 weist ein Konzert vom 26. Mai im Regionalmuseum in Żyrardów nach.

Konzertbestätigung des Regionalmuseums von Żyrardów, 1999

Weronika Markiewicz komponierte 57 Vokal- und 55 Instrumentalstücke.4 Das Archiv Frau und Musik verwahrt eine Liste mit 52 veröffentlichten Werken Markiewiczs, die ihre Mutter zusammengestellt hat. In ihren Vokalstücken verwendet Markiewicz die unterschiedlichsten Tonarten. So verarbeitet sie neben der Dur- und den unterschiedlichen Moll-Tonleitern auch die verschiedenen Kirchentonarten. Besonders eindrucksvoll vollführt sie das in ihrem pädagogischen Werk Gesänge in Kirchentonarten. Auffällig ist, dass sie ihre Gesangsstücke oft in Zyklen veröffentlicht hat. Ihre Kompositionen Sound of Silence (Sechs Lieder zu Worten von Julian Tuwim) und Garden of Love zu den Worten von William Blake sind nur zwei Beispiele dafür. Sie kombiniert neoklassische Elemente mit Techniken aus dem Jazz-Bereich. Dabei zeichnen sich ihre Werke durch eine eingängige Melodie, Polyphonie und häufige rhythmische Veränderungen sowie Synkopen aus.

Das Werk Morning Rhapsody ist George Gershwin gewidmet. Ähnlich wie in den Werken des US-amerikanischen Komponisten gibt Weronika Markiewicz in dieser Komposition jedem Instrument des Orchesters Raum, sich zu präsentieren. Unter ihren Arbeiten finden sich einige Musiken für Theaterstücke, die sie aufgrund ihrer unterhaltsamen Beschaffenheit als Musicals bezeichnete.5 Neben eigenen Kompositionen umfasst ihr Gesamtwerk Arrangements von Volksliedern. Von diesen insgesamt 23 Liedern sind 19 in jiddischer und 4 in hebräischer Sprache. Bei den Bearbeitungen der jüdischen Lieder legte sie Wert darauf, genau im klassischen Geist der Werke zu bleiben. Der Teil ihres Werks passt zu den Erzählungen ihrer Mutter, die in einer E-Mail beschreibt, dass sich ihre Tochter erst sehr spät mit ihren jüdischen Wurzeln auseinandergesetzt hat, dies dann aber umso intensiver tat. In ihrem Nachlass finden sich dazu ein Dokument über die Teilnahme an einem Jiddisch-Kurs sowie Notizhefte aus Hebräisch-Kursen. Eindrucksvoll sind zahlreiche Kassetten mit Aufnahmen hebräischer und jiddischer Lieder, die Markiewicz bei ihren Konzerten als Zugabe sang.

Im Nachlass von Weronika Markiewicz finden sich Dokumente, die belegen, dass sie bis kurz vor ihrem Tod aktiv als Sängerin und Komponistin arbeitete. So trat sie am 24. März 2000 als Sängerin im Rahmen einer Ausstellung im städtischen Kulturzentrum in Warschau auf und nahm vom 1. bis zum 5. Mai am Festival Kyviv Summer Musical Evenings teil . Sie verstarb am 11. September 2003 im Alter von nur 41 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens. Kurz vor ihrem Tod lernte sie die Musikwissenschaftlerin Anna Posen kennen. Beide wohnten im selben Haus in Lublin. Über die Art der Beziehung ist nicht viel bekannt. Allerdings scheint Markiewiczs Werk Anna Posen beeindruckt und beschäftigt zu haben. Einige musikwissenschaftliche Texte Anna Posens finden sich im Nachlass von Markiewicz und sind eine wichtige Quelle.

Von Warschau nach Frankfurt am Main

Eine Schenkung auf Umwegen : Nachlass der polnischen Komponistin Weronika Aleksandra Markiewicz

Nach ihrem Tod ging Weronika Markiewiczs Nachlass auf Initiative ihrer Mutter an das Archiv Frau und Musik in Frankfurt am Main, das damit über einen Großteil der Quellen zu Weronika Markiewicz verfügt. Stationen seines Weges in das Archiv Frau und Musik zeichnet ein Artikel aus der Fachzeitschrift Viva Voce des Archivs Frau und Musik aus dem Jahr 2008 nach.6 Im März 2007 wurde das Archiv Frau und Musik erstmals von der Kulturabteilung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Warschau über die Möglichkeit informiert, einen Teil des musikalischen Nachlasses Weronika Aleksandra Markiewiczs zu erhalten. E-Mails und Briefe zwischen den damaligen Archivmitarbeiterinnen, dem Auswärtigen Amt und der Mutter Zofia Leżańska machen den Prozess nachvollziehbar. Zofia Leżańska stattete dem Archiv in Frankfurt sogar einen persönlichen Besuch ab, um sich einen Eindruck vor Ort zu machen. Die ersten Kompositionen trafen im Jahr 2007 in Frankfurt am Main ein. In den darauffolgenden Jahren schickte die Mutter der Komponistin weitere Materialien nach Deutschland. Darunter weitere Kompositionen, welche die Mutter eigenständig veröffentlicht hatte.

In einem Brief beschreibt Zofia Leżańska, welche Mühen das mit sich brachte: „Diese Miniaturen sind für Singstimme und Klavier geschrieben worden. Da aber die Rechte der Dichter, auf deren Texte Weronika [Markiewicz] die Lieder geschrieben hat, bei den Erben liegen, kann man sie nicht so einfach drucken lassen. Also hat man die Singstimme in eine Violinstimme umgeschrieben. Und so hat es auch ZAIKS akzeptiert.“7 ZAIKS ist der polnische Komponistenverband, bei dem auch die Werke Weronika Markiewiczs registriert sind. Ihre Mutter stellte den Nachlass zusammen, prägte ihn nach ihren Kriterien und hielt den Kontakt zum Archiv Frau und Musik.

Nach dem Tod Zofia Leżańskas im Dezember 2019 gab es keinerlei Kontakt mehr zu den Familienangehörigen Weronika Markiewiczs. Von ihrem Vater kennen wir lediglich den Namen sowie ein Hochzeitsfoto der Eltern. Weronika hatte keine Geschwister und so reduziert sich der Kontakt nach Polen auf die Notarin, die ihren persönlichen Nachlass verwaltet. Umso wichtiger ist es, dass der musikalische Nachlass in Frankfurt Beachtung der Forschung erhält. Ein erster Schritt ist durch das Erschließen des Nachlasses sowie der teilweisen Digitalisierung in diesem Jahr (2020) gemacht. Aufführungen ihrer Musik könnten neue Fragen und Forschungen ermöglichen.

Stand: 25. Juni 2021
Verfasst von
Julian Fischer

Der Autor legte sein Studium in Musikwissenschaft und Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt ab. Seit 2016 arbeitet er in verschiedenen Rollen im Archiv Frau und Musik. Im Jahr 2020 als Projektkoordinator des DDF-Projekts Worauf Warten Wir?

Empfohlene Zitierweise
Julian Fischer (2021): Weronika Aleksandra Markiewicz, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/weronika-aleksandra-markiewicz
Zuletzt besucht am: 03.08.2021

Biografie von Weronika Aleksandra Markiewicz

Geburt in Lwiw/Lemberg (Ukraine/Sowjetunion)

1984 - 1990

Studium in Gdańsk an der Stanisław Moniuszki Musikakademie in den Fächern Gesang und Schauspiel

1990 - 1996

Studium der Komposition an der Musikakademie in Lwiw/Lemberg in der Kompositionsklasse des ukrainischen Komponisten und Musikwissenschaftler Miroslaw Skorik. Ihre Diplomkomposition „Das Märchen vom weißen Kälbchen“ wurde vom Akademieorchester unter der Leitung von Jaremy Kolessa, dem Enkel des berühmten Dirigenten und Komponisten Mykola Kolessa, aufgeführt.

1996

Markiewicz lebte wieder in Polen (Żyrardów bei Warschau) und trat als Sängerin auf. Außerdem komponierte sie Auftragswerke. Bei ihren Konzerten sang die Mezzosopranistin eigene Werke, Opernarien und Lieder auf Polnisch, Russisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Ukrainisch, Jiddisch und Hebräisch.

29. November 1996 bis 7. Dezember 1996

Alexandra Lezanska (Markiewicz) nimmt an der VI International Voice Competition of Bilbao teil

Weronika Markiewicz gab ein Konzert im Regionalmuseum in Żyrardów

Markiewicz tritt als Sängerin im Rahmen einer Ausstellung im städtischen Kulturzentrum in Warschau auf.

1. Juni 2000 bis 5. Juni 2000

Teilnahme am Festival Kyiv Summer Musical Evenings

Tod in Lublin (Polen)

Fußnoten

  • 1. Dudek, Marek: Kompozytory Lublina I Lubelszczycny 1918-2010, Polihymnia 2010, S. 157.
  • 2. Ebenda, S. 158.
  • 3. Ebenda.
  • 4. Ebenda.
  • 5. Ebenda, S. 159.
  • 6. Bindewald, Rebekka: Eine Schenkung auf Umwegen, in: VivaVoce 2008, Nr. 80, S. 26.
  • 7. AFM, Brief vom 21.02.2008 an das Archiv Frau und Musik, recto.
Ausgewählte Publikationen
Bindewald, Rebekka, Eine Schenkung auf Umwegen, in: VivaVoce Nr.80, 2008, S. 26-30.
Dudek, Marek, Kompozytory Lublina I Lubelszczycny 1918-2010, Polihymnia 2010.