Über Verein Frauennetzwerk für Frieden

Frieden ist ein Menschenrecht – Unter dieser Maxime engagiert sich der 1996 in Bonn gegründete Verein Frauennetzwerk für Frieden (FNF). Der bis heute aktive Verein vernetzt weltweit für den Frieden engagierte Frauen und unterstützt friedensfördernde Projekte. Sein Bestand liegt erschlossen im AddF.

Gründung nach der 4. Weltfrauenkonferenz

Die Geschichte des Frauennetzwerks für Frieden (FNF) beginnt jedoch nicht erst 1996. Im Zusammenhang mit der sogenannten UN-Dekade der Frauen führten die Vereinten Nationen zwischen 1975 und 1985 drei Weltfrauenkonferenzen durch. Die vierte Konferenz fand im September 1995 in Peking statt. Daran beteiligten sich UN-Mitgliedsnationen, die Europäische Union sowie zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGO/NRO). Um die 40.000 Menschen nahmen an der Konferenz und einem begleitenden Forum der NGO im Stadtteil Huairou teil. Vor dem Hintergrund der Kriege im Irak, in Ruanda, Kroatien und Bosnien rückten die Themen Gewalt gegen Frauen in kriegerischen Konflikten sowie Frauen und Frieden in den Mittelpunkt der Agenda. Auf deutscher Seite begann 1993 ein nationales Vorbereitungskomitee an den Planungen für die Teilnahme an der Pekinger Weltfrauenkonferenz zu arbeiten. Zwölf Arbeitsgruppen (AG) mit jeweils eigenem Themenschwerpunkt arbeiteten dem Komitee zu. In der AG Frauen und Frieden beteiligten sich unter anderem Vertreterinnen verschiedener Friedensorganisationen sowie des Deutschen Frauenrats und des NRO-Frauenforums.1 Ebenfalls in dieser Arbeitsgruppe aktiv war Heide Schütz (geb. 1941), eine Bonner Lehrerin, die sich bereits viele Jahre in der Friedensbewegung engagierte und über Erfahrungen als Teilnehmerin von UN-Veranstaltungen verfügte.2 Sie nahm auch an der Konferenz in China teil, wo sie zahlreiche neue Kontakte knüpfen konnte.

Zum Abschluss der elftägigen Konferenz wurde die sogenannte Beijing Declaration verabschiedet, auf Deutsch auch Aktionsplattform genannt. Darin verpflichteten sich alle beteiligten Regierungen, die Gleichberechtigung von Frauen zu fördern.3 Mit dem Ziel, die neu geknüpften Kontakte für die Umsetzung der Beschlüsse und weiterer Initiativen zu nutzen, gründete Heide Schütz mit weiteren Frauen aus dem Umkreis der deutschen Friedensbewegung ein halbes Jahr später, im Februar 1996, das Frauennetzwerk für Frieden (FNF).4  

Rundschreiben an das NRO-Frauenforum

Die Gründerinnen des Vereins vertraten die Ansicht, dass sich Frauen auf besondere Weise für den Frieden engagieren müssten. Sie seien seltener als Männer in die politischen Entscheidungen, die zu militärischen Konflikten führen, eingebunden, aber zugleich am stärksten von den Kriegsauswirkungen betroffen. Frauen sollen nicht passive Opfer von Konflikten sein, sondern als aktive Vermittlerinnen für den Frieden eintreten. Das FNF will dabei helfen, die bereits geleistete Friedensarbeit zu verstärken, öffentlich sichtbar zu machen und die internationale Zusammenarbeit zu pflegen.

Zielsetzung des FNF

Dem Netzwerk schlossen sich bis heute neben einzelnen Frauen auch bis zu 20 Gruppen und Verbände an. Enge Kontakte bestehen so unter anderem zu Organisationen wie dem Deutschen Frauenring oder der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF).5

Projekte und Initiativen

Der Verein engagiert sich in vielfältiger Weise, lokal in Bonn, deutschlandweit und international mit Projekten für Frieden und Frauenförderung. Eine der ersten größeren Initiativen des FNF widmete sich den deutsch-tschechischen Beziehungen, die nach der Auflösung der Tschechoslowakei 1993 in eine neue diplomatische Phase traten. Im Rahmen einer Konferenz der Helsinki Citizens’ Assembly trafen Anfang 1996, eine Woche vor Gründung des FNF, deutsche und tschechische Frauen aufeinander und beschlossen, in engeren Kontakt zu treten, um die Verständigung zwischen den Angehörigen beider Nationen zu fördern. Auf gemeinsamen Tagungen und Seminaren sollten sich Frauen den Fragen und Problemstellungen der Vergangenheit und Zukunft der beiden Nationen stellen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Aus dieser Idee entstand im April 1996 das deutsch-tschechische Forum der Frauen.6 

Gründung des Deutsch-Tschechischen Forums der Frauen

Federführend bei diesem binationalen Projekt waren Heide Schütz und Hana Klimešová (1933–2000), die sich in der europäischen Bürgerrechtsbewegung engagierte. Von 2000 bis 2015 war das Forum ein eigenständiger Verein, er existierte binational. Auf deutscher Seite unter dem Vorsitz von Ingrid Lottenburger und auf tschechischer Seite stand ihm Hana Klimešová vor.7 Der Verein führte zahlreiche Konferenzen und Projekte durch.8

In den frühen 2000er-Jahren förderte das Netzwerk verschiedene Mediationsprojekte in (ehemaligen) Krisen- und Kriegsgebieten wie der Ukraine und Serbien. Teilnehmer:innen lernten dort, konstruktiv mit persönlichen und gesellschaftlichen Konflikten umzugehen und somit zur Friedensbildung beizutragen. Auch vor Ort in Bonn engagiert sich der Verein: bei den Bonner Friedensläufen, mit Streitschlichtungsworkshops in Schulen sowie zahlreichen Ausstellungen, beispielsweise zu Bertha von Suttner. 

Die Erinnerung an die Schriftstellerin Bertha von Suttner (1843–1914), die wohl bekannteste Pazifistin der Jahrhundertwende, ist dem FNF ein besonderes Anliegen. Zu ihr organisiert(e) der Verein verschiedene Bildungs- und Gedenkprojekte. Dazu gehört die Ausstellung Ein Leben für den Frieden, um ihr Engagement für Abrüstung und Frieden bekannt zu machen. Ein anderes großes Projekt war die Einführung der ‚Bertha-Bahn‘, die seit 2019 in Bonn fährt und mit Zitaten von Suttner und ihrem Porträt beklebt auf ihr Vermächtnis aufmerksam macht. Zudem organisiert das Netzwerk Informationsveranstaltungen und setzt sich dafür ein, dass Bertha von Suttners Beitrag zur Friedensbewegung einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wird.

Im Jahr 2003 nahm das FNF am Projekt 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 (1000 PeaceWomen Across the Globe) teil. Zwei Jahre lang sammelte die internationale Initiative Informationen und Vorschläge für Nominierungen und unterstützte die Nominierung von Friedensstifterinnen weltweit, das FNF sorgte für die deutsche Übersetzung und Herausgabe der Projektdokumentation als Buch und beteiligte sich an Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit. Zudem erstellte es eine Ausstellung zum Projekt und organisierte Einführungen dazu. Mit diesem Buchprojekt möchte das Netzwerk auf die Umsetzung der UN-Resolution 1325 aufmerksam machen, die eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen fordert. 

Durch seine historische Verbundenheit zur UN beschäftigte sich das FNF stets intensiv mit internationalen Organisationen und deren Bemühungen um Menschenrechte. So finden sich in den Unterlagen des Vereins eine gut dokumentierte Auseinandersetzung mit den Resolutionen der UN – besonders der UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit - und der Europäischen Union. Die Umsetzung dieser Resolutionen ist das Hauptziel der Lobbyarbeit des FNF. Um dies zu erreichen, beteiligte sich der Verein 2003 auch an der Gründung der Kommission United Nations Commission for Peace and Conflict Prevention (UNCOPAC). Im selben Jahr war er Mitinitiator des Deutschen Frauensicherheitsrates. Es folgten noch weitere derartige Netzwerkinitiativen, die das Engagement des Vereins zeigen.9 Er ist nach wie vor aktiv und setzt sich für Friedensprojekte weltweit ein. Weitere Themen, denen sich das FNF intensiv widmet, sind unter anderem die Agenda 21, ein Aktionsprogramm der UN, das Staaten zur Umsetzung nachhaltiger Umwelt-, Entwicklungs- und Gesellschaftspolitik anregen soll, das Hinwirken auf ein Verbot von Landminen oder auch gegen Frauen in der Bundeswehr. Und mit der Initiative FrauenWege Nahost setzt sich der Verein für Frauen und Kinder in Gaza ein und arbeitet mit einer palästinensischen Frauengruppe zusammen.10

Das FNF im AddF

2015 übergab das FNF die ersten Unterlagen an das Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF). Hierbei handelt es sich größtenteils um bürotypische Verwaltungsunterlagen betreffend Initiativen und Projekte wie etwa Planungen, Protokolle, Finanzunterlagen und Korrespondenz. Weiterhin finden sich zahlreiche Unterlagen zu Resolutionen von UN, EU und anderen Akteuren. Daraus ergibt sich ein Bild der Verbandsarbeit des Vereins sowohl auf lokaler wie auf nationaler und internationaler Ebene. Umfangreiche Sammlungen von Büchern, Broschüren und anderen Materialien zu den Themen Frauen und Frieden ergänzen den Blick auf die Entwicklung der weiblichen Friedensbewegung. Zum Bestand gehört ebenfalls eine umfangreiche Presse-, Faltblatt- sowie Plakatsammlung.

Flugblatt des FNF

Durch Heide Schütz gelangten auch Unterlagen aus der Zeit vor der Vereinsgründung in den Bestand, der somit auch Einblick in die Entwicklung der Friedensarbeit seit den 1980er-Jahren gewährt. Über weitere persönliche Kontakte wurde die Bonner Friedenszeitschrift Friedensklärchen (erschienen von 1982 bis 1992), benannt nach der Geschichtsprofessorin und Friedensaktivistin Klara Marie Fassbinder (1890–1974), Teil des Bestandes. Bei diesen Materialien handelt es sich vorwiegend um Layoutentwürfe und Redaktionsunterlagen.
Da das FNF ein nach wie vor aktiver Verein ist, ist mit weiteren Abgaben an das AddF zu rechnen. Insgesamt handelt es sich um einen Aktenbestand, der in 9 Regalmetern die Entwicklung der Frauenfriedensbewegung seit den 1980er-Jahren bis in dasJahr 2019 hinein dokumentiert.11 Für die Forschung ist an diesem Bestand besonders interessant, dass der Verein von der lokalen bis hin zur internalen Ebene aktiv war und somit ein großes Spektrum der Lobbyarbeit der Frauenfriedensbewegung abbildet. Im AddF steht der Wissenschaft somit eine weitere Quelle zur Erforschung dieser Bewegung vom späten 20. Jahrhundert bis in die neueste Zeit zur Verfügung.
 

Veröffentlicht: 08. Dezember 2025
Lizenz (Text)
Verfasst von
Dr. Barbara Krautwald

Historikerin, Mitarbeiterin im Projekt Erschließung und Digitalisierung von Sammlungsgut im AddF – Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel

Empfohlene Zitierweise
Krautwald, Barbara (2026): Verein Frauennetzwerk für Frieden, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/verein-frauennetzwerk-fuer-frieden
Zuletzt besucht am: 22.01.2026
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Rechteangabe
  • Krautwald, Barbara
  • Digitales Deutsches Frauenarchiv
  • CC BY-SA 4.0

Netzwerk von Verein Frauennetzwerk für Frieden

Biografie von Verein Frauennetzwerk für Frieden

4. - 15. September 1995

4. Weltfrauenkonferenz in Peking

Gründung in Bonn

1996 - 20215

Deutsch-Tschechisches Forums der Frauen

2005

Projekt: Tausend Frauen für den Friedensnobelpreis

2019

Projekt: Bertha-Bahn

Fußnoten

  1. 1

    Vgl. Interview mit Heide Schütz am 12. 7.2004, in: AddF Kassel, NL-K-37; 34-3.

  2. 2

    Vgl. Bestätigung für Heide Schütz als Vertreterin der International Peace Research Association (IPRA) bei der UN, 06.06.1995, in: AddF Kassel, NL-K-37; 3-1.

  3. 3

    Link zur Website, Zugriff am 24.4.2013 unter https://www.un.org/womenwatch/daw/beijing/fwcwn.html

  4. 4

    Vgl. Heide Schütz: Das Frauennetzwerk für Frieden e.V. – ein Kind der 4. Weltfrauenkonferenz, in: Dunkel, Franziska Dunkel / Schneider, Corinna: Frauen und Frieden? Zuschreibungen – Kämpfe – Verhinderungen, Opladen 2015, S. 190‒194.

  5. 5

    Vgl. Mitgliedsorganisationen des FNF, Zugriff am 16.7.2024 unter https://www.frauennetzwerk-fuer-frieden.de/verein/mitgliedsorganisationen.html

  6. 6

    Vgl. Heide Schütz: Deutsch-tschechisches Forum der Frauen – Von Prag über Bonn nach Prag, 1997, in: AddF, Kassel, NL-K-37; 15-2.

  7. 7

    https://www.friedenskooperative.de/friedensforum/artikel/zukunft-und-vergangenheit, Zugriff am 27.02.2025.

  8. 8

    Vgl. Nachruf von Heide Schütz auf Ingrid Lottenburger, Zugriff am 25.6.2024 unter https://www.frauennetzwerk-fuer-frieden.de/blog/501-eine-friedensfrau-ist-von-uns-gegangen-nachruf-auf-ingrid-lottenburger.html

  9. 9

    Vgl. Heide Schütz: Frauennetzwerk für Frieden e.V. – 10 Jahre jung, in: AddF, Kassel, NL-K-37; 5-1.

  10. 10

    Vgl. Frauennetzwerk für Frieden e.V.: Friedensarbeit von Frauen. FrauenFriedensProjekte – Chancen und Herausforderungen, in: Wissenschaft & Frieden Dossier 84, 2017, S. 15.

  11. 11

    Findbuch noch verlinken oder hier zitieren und aufnehmen.