Helene Lange
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Landesarchiv Berlin, LAB B Rep. 235-FS Nr. 71
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Helene Lange Geboren am in Oldenburg Gestorben am in Berlin

Über Helene Lange

In ihren Lebenserinnerungen beschrieb Helene Lange ihren Weg zur "Frauenrechtelei". Sprachgewandt und beharrlich kämpfte sie für gleiche Bildungs- und Berufschancen für Frauen. Und mit "Meine Herren und Damen" eröffnete sie im März 1919 als Alterspräsidentin die erste Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft.

Helene Lange hat grundsätzlich nie einen Brief aufbewahrt – “Privates fand sie nicht so interessant” (Gertrud Bäumer). Über persönliche Erlebnisse und Gefühle hat sie in ihren Lebenserinnerungen (1921) kaum etwas geschrieben. Umso größeren Raum nehmen die Berichte über den Kampf um die Verbesserung der Mädchen- und Lehrerinnenbildung in Preußen ein. Bekannt geworden als Verfasserin der sogenannten Gelben Broschüre (1887), in der sie in scharfer Form die Mädchenbildung kritisiert, gründet sie 1890 den Allgemeinen deutschen Lehrerinnenverein (ADLV). Aufgrund ihrer Initiative machen 1896 erstmals sechs Frauen die Reifeprüfung in Berlin. Helene Lange hat entscheidend dazu beigetragen, Frauen bürgerlicher Schichten das Studium in Deutschland zu ermöglichen und ihnen Berufsmöglichkeiten zu eröffnen.

Den Lebenserinnerungen läßt sich – trotz aller Verschlossenheit in “Gefühlsdingen” – entnehmen, wie sehr Helene Lange, geboren am 9. April 1848 in einem mittelständisch-kaufmännischen Elternhaus in Oldenburg, als kleines sechsjähriges Mädchen die verstorbene Mutter vermißt hat. Diese Sehnsucht nach der Mutter mag sich in ihren Auffassungen über die Wesensverschiedenheit der Geschlechter niedergeschlagen haben: Mütterlichkeit ist für sie die Wesensbestimmung der Frau, auch der kinderlosen. Als Ziel schwebt ihr vor, die männlich geprägte Welt mit all ihren Fehlentwicklungen durch den weiblichen Kultureinfluß zu verbessern. Sie leistet allerdings damit der Gefahr Vorschub, Frauen auf Ehe und Familie oder auf die typisch weiblichen Lehr- und Sozialberufe zu beschränken.

Die Betonung der Mütterlichkeit ist denn auch von der zweiten Frauenbewegung vielfach kritisiert worden. Unbestritten gilt Helene Lange aber als die bedeutendste Repräsentantin des gemäßigten Flügels der deutschen Frauenbewegung. Von 1894 bis 1905 war sie Vorstandsmitglied des Bundes deutscher Frauenvereine und Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Frauenvereins. Helene Lange litt an einer Augenkrankheit und hätte ohne die Hilfe Gertrud Bäumers (1873-1954) nicht weiterarbeiten können. Sie wurden Lebensgefährtinnen und gaben gemeinsam das fünfbändige Handbuch der Frauenbewegung, ein Standardwerk über die erste deutsche Frauenbewegung, und die Zeitschrift Die Frau (1893ff) heraus. Helene Lange starb im Alter von 82 Jahren am 13. Mai 1930.
(Text von 1987)

Autor*in
Hiltrud Schroeder / fembio.org

Dieser Text erschien zunächst auf fembio.org: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/helene-lange/

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Zitate von Helene Lange

Wenn das Endziel der Frauenbewegung einmal erreicht ist, so wird es kein führendes Geschlecht mehr geben, sondern nur noch führende Persönlichkeiten.
Ich dachte heute nacht die Frage des männlichen Parlamentarismus weiter durch. Wenn ich noch noch gut schreiben könnte, so würde ich aus dem furchtbaren Schlamassel, das die Männer aus der Welt gemacht haben, die Unmöglichkeit des männlichen Stimmrechts konstruieren.
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Helene Lange in einem Brief an Emmy Beckmann vom 4. März 1922
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... die Mädchen können dasselbe wie Knaben in derselben Zeit leisten.(...); wir können doch unmöglich behaupten wollen, dass deutsche Mädchen nicht leisten können, was jedes Mädchen im Auslande kann.
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Helene Lange in einem Brief an Emmy Beckmann vom 24. November 1921
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Ich lese gerade ein Buch von Nemilow: "Die biologische Tragödie der Frau".(...) Aber so richtig alles Medizinische darin sein wird - ich habe mein Leben nie als Tragödie empfunden und weiß viele, denen es ebenso geht.
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Helene Lange in einem Brief an Emmy Beckmann aus dem Februar 1926
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An den Quellen zu schöpfen, die auch dem Dümmsten, nur durch Einpauken durch die Reifeprüfung geschobenen Manne offenstanden, war mir verwehrt. Vielleicht war diese Stunde die Geburtstunde der "Frauenrechtlerin."
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Helene Lange: Lebenserinnerungen, Berlin 1925
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Biografie von Helene Lange

09.04.1848

Geburt in Oldenburg

1871

Sie übersiedelt nach Berlin, um sich auf das Lehrerinnenexamen vorzubereiten.

1872

Nach Abschluß des Examens arbeitet sie als Hauslehrerin. Fortan engagiert sie sich für die Emanzipation von Mädchen und Frauen durch Bildung; sie tritt dem "Verein deutscher Lehrerinnen und Erzieherinnen" bei.

1887

Sie richtet zusammen mit anderen Frauen eine Petition an das preußische Unterrichtsministerium und an das Abgeordnetenhaus, in der ein größerer Einfluß der Lehrerinnen in den öffentlichen höheren Mädchenschulen und eine wissenschaftliche Lehrerinnenausbildung gefordert werden. Die Eingabe wird abgelehnt.
In der sogenannten Gelben Broschüre, einer Begleitschrift zu dieser Petition, faßt sie ihre Haltung zur Frauenbildung zusammen. Ihr Ziel ist die Unterrichtung der Mädchen durch Frauen, die sich ihrer Ansicht nach besser in das Wesen der Mädchen einfühlen können. Bisher werden die meisten Lehrveranstaltungen von Männern abgehalten.

1893

Lange gründet die Zeitschrift "Die Frau", die sich zur bedeutendsten Zeitschrift der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung entwickelt.

1919

Nach Erlangung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen in der Weimarer Republik wird Lange für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Sie eröffnet deren konstituierende Sitzung als Alterspräsidentin.

13.05.1930

Tod in Berlin

Ausgewählte Publikationen
Bäumer, Gertrud: Gestalt und Wandel, Berlin 1939.
Frandsen, Dorothea: Helene Lange, Freiburg i. Br. 1980.
Stadt Oldenburg, Kulturdezernat et. al. (Hg.): Helene Lange, Oldenburg 1992.
Schaser, Angelika: Helene Lange und Gertrud Bäumer, Köln 2000.
Beckmann, Emmy (Hg.): "Was ich hier geliebt". Briefe von Helene Lange, Tübingen 1957.